Meinung Die Wüste, das Plastik und das Klima
Nun also Riad. In der Hauptstadt Saudi-Arabiens treffen sich seit Montag 100 Minister und Tausende Delegierte aus aller Welt – nein, nicht zu einem Welt-Klimagipfel, der fand bereits Anfang November im aserbaidschanischen Baku statt, und auch nicht zu einem Welt-Plastikgipfel, der ging vor ein paar Tagen im südkoreanischen Busan zu Ende. In Riad findet, unterm Dach der Vereinten Nationen, eine Konferenz zur Wüstenbildung statt. Was natürlich schon auch mit dem Klimawandel zu tun hat.
Gerade die Saudis haben extrem mit Dürren, unmenschlichen Temperaturen und dem Sich-Ausbreiten von Wüsten zu kämpfen – was die Gastgeber bei der Eröffnung der Konferenz betonten. Doch es ist gleichzeitig Saudi-Arabien, zusammen mit anderen öl- und gasreichen Staaten, die Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel hemmen. Jüngst eben bei den beiden anderen großen UN-Konferenzen.
Den Prozess „gekapert“
So gingen sowohl die Welt-Klimakonferenz als auch der Plastikgipfel in die Verlängerung, weil die fossile Lobby hinter den Kulissen mobil machte beziehungsweise blockierte. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass bei den großen UN-Konferenzen Beschlüsse letztlich einstimmig fallen müssen. Doch mit Blick auf das Tauziehen in Aserbaidschan beklagten beispielsweise der frühere US-Vizepräsident Al Gore, der für seine Klimaschutzbemühungen 2007 den Friedensnobelpreis erhielt, als auch der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dass die Petrostaaten ganz offensichtlich den internationalen Klimaschutzprozess „gekapert“ hätten.
Weil die erneuerbaren Energien weltweit jedoch trotzdem auf dem Vormarsch sind, standen Petrostaaten wie Saudi-Arabien, Russland, Iran oder Kuwait auch in Busan auf der Bremse. Dort gab es, im Gegensatz zu Baku, keinen wichtigen Beschluss. „Erfolgreich“ wendeten die Ölförderstaaten eine von mehr als 100 Staaten geforderte Vereinbarung ab, derzufolge die Produktion von Plastik limitiert werden soll.
Plastik als Lebensversicherung
Der Grund: Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Und wenn im Energiebereich absehbar weniger Öl benötigt wird, ist die Kunststoffherstellung sozusagen eine Lebensversicherung für die Petroländer. So blendet (nicht nur) Saudi-Arabien aus, dass Plastik Meere und Länder vermüllt, letztlich irgendwann zu Kohlendioxid zerfällt, dieses CO 2 ebenfalls die Atmosphäre aufheizt – und zur Wüstenbildung beiträgt.