Meinung Die Linke als Kümmerer-Partei

Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Bundestagsgruppe der Linken.
Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Bundestagsgruppe der Linken.

Die Linke will sich auf ihre Kernthemen konzentrieren. Gleichzeitig muss sich die Partei gut überlegen, wie sie mit dem Mitgliederzuwachs umgeht.

Im Augenblick des Sieges, sagt man, wird nicht selten die Saat des Niedergangs gelegt. Insofern sollte die Linke sehr gut darüber nachdenken, wie sie mit dem spektakulären Erfolg bei der Bundestagswahl und dem umgebrochenen Zustrom neuer Mitglieder umgeht.

Dazu gehört eine genaue Analyse der Gründe für den Erfolg. Nicht alle davon werden von Dauer sein. Nach dem empörenden gemeinsamen Abstimmen der Union mit der AfD stand die Linke plötzlich als die politische Kraft da, die diesen Kurs kompromisslos ablehnte. Die Partei hatte mit dem Rummel um die „Silberlocken“ zudem eine medientaugliche Plattform zur Verbreitung ihrer Ideen. Und sie hatte mit Heidi Reichinnek ein erfrischend neues Gesicht zu bieten.

Zurück zum alten Image

Dieses Zusammentreffen günstiger Umstände ist so nicht wiederholbar. Die Partei muss also hinschauen, welche Faktoren für eine dauerhafte Strategie taugen. Dazu gehört zweifellos die im Wahlkampf verfolgte Konzentration auf die urlinke Kernbotschaft: den Kampf für soziale Gerechtigkeit.

Daraus lässt sich auf lange Sicht lernen. Die jungen Mitglieder geben der Partei wieder die Möglichkeit, näher an ihre Wähler zu rücken. Der Aufbau einer „Kümmerer“-Struktur vor Ort würde der Linken ihr altes Image zurückbringen und die Neuen gleich mit handfesten Aufgaben betreuen. Das kann gut gehen, birgt aber auch Gefahren. Der Zustrom kommt derzeit stark aus einem urban-akademischen Milieu. Die Partei wird den hoch motivierten Aktivisten klarmachen müssen, dass für die umworbene „Arbeiterklasse“ Mieten wichtiger sind als korrekt gesetzte Gendersternchen.

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