Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Landwirtschaft muss sich ändern – trotz des Ukraine-Krieges

Ein Weizenfeld. Deutschland ist Selbstversorger, doch in vielen Ländern fehlt es nun bald an Getreide.
Ein Weizenfeld. Deutschland ist Selbstversorger, doch in vielen Ländern fehlt es nun bald an Getreide.

In Deutschland gibt es Forderungen, wegen der Folgen des russischen Feldzugs in der Kornkammer Europas die EU-Agrarreform zu stoppen. Doch mehr Naturschutz ist dringend nötig. Mehr Getreide kann man auch auf andere Weise sicherstellen.

Schon bevor Wladimir Putins Militär die Ukraine überfiel, litten weltweit 800 Millionen Menschen an Hunger. Und bald werden noch mehr Menschen nicht satt werden. Denn nun fallen die großen Mengen an Weizen weg, die Russland und die Ukraine bisher auf den Weltmarkt lieferten. Deshalb muss der Westen auch an dieser Stelle ganz rasch handeln.

Auch die Bundesregierung ist gefordert, sich international für mehr Ernährungssicherheit einzusetzen. Dabei darf sie sich nicht mit Scheindebatten befassen, wie sie der Bauernverband und einige FDP-Politiker nun anzetteln. Die meinen, dass Deutschland wegen des Ukraine-Krieg die Agrarreform bremsen sollte. Sprich: Die in der EU vereinbarte Flächenstilllegung von vier Prozent ab 2023 soll es nicht geben. Die jedoch ist als Schritt für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit dringend geboten. Und: Weniger Fläche zu bestellen heißt nicht, dass Lebensmittel knapp werden.

Riesige Tierhaltung

Immerhin hat Deutschland bei Getreide einen Selbstversorgungsgrad von 105 Prozent. Auch landen 60 Prozent des Getreides im Tierfutter. Es ist die Basis für eine riesige Tierhaltung, die mancherorts längst das Grundwasser belastet. Zudem werden erschreckend viele Lebensmittel verschwendet. Um Milch oder Fleisch zu erzeugen, braucht es viel Getreide als Futter – und zwar sehr viel mehr, als es bei pflanzlichen Lebensmitteln aus Getreide (Brot, Müsli, Nudeln) der Fall ist.

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