Politik
Die IG Metall präsentiert sich grün-metallic
Klimaschutz ist ein Thema, das auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall heftig diskutiert wird. Schließlich geht es dabei auch um die Zukunft Hunderttausender Arbeitsplätze. Zugleich unterstreicht die Industriegewerkschaft ihre „grüne“ Seite.
Ohne Umschweife kam Jörg Hofmann am Montag zur Sache. Seine Organisation stehe vor „riesengroßen Herausforderungen“, stellte der IG-Metall-Vorsitzende gleich zu Beginn seiner Rede vor den rund 500 Delegierten des Gewerkschaftstages fest. Zu diesen Herausforderungen zählte Hofmann, noch vor Handelskriegen, Brexit und dem Konjunkturabschwung, die „Klimakrise“.
Für die IG Metall stellt dieses Thema eine doppelte Herausforderung dar. Zum einen betrifft der Klimawandel alle Menschen, ob Gewerkschafter oder nicht. Zum anderen ist es für eine Gewerkschaft, die Hunderttausende Beschäftigte in der vielfach in Verruf geratenen Autoindustrie ebenso vertritt wie Mitarbeiter in energieintensiven Branchen, nicht banal, sich beim Klimaschutz zu positionieren.
Veränderungsstress und große Chance
Vor diesem Hintergrund ist man beim IG-Metall-Kongress darum bemüht, ein Signal zu senden: Wir können und wir wollen Klimaschutz, lautet die Botschaft. In einem „Manifest“, das dem Gewerkschaftstag am Mittwoch vorgelegt wird, bekennt sich die IG Metall „uneingeschränkt zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens“. Zwar setze der Klimaschutz „unsere Industrien unter Veränderungsstress“, wird in dem Papier eingeräumt. Zugleich aber wird auf die „großen Chancen“ verwiesen, „die ein Umbau zu einer nachhaltigen, modernen Industrie für unser Land und unsere Betriebe bietet“.
Klimaschutz und Industrie seien „kein Widerspruch“, bekräftigte Jörg Hofmann denn auch – wohl wissend, dass diese These bei manchem, der etwa wegen der Umstellung der Antriebstechnik vom Verbrenner- auf den Elektromotor um seinen Arbeitsplatz fürchtet, nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen wird.
Keine Berührungsängste
Bemerkenswert ist dabei, dass die IG Metall neuerdings den Kontakt zu Organisationen sucht, die nicht unbedingt als natürliche Verbündete einer Industriegewerkschaft gelten. Man habe „Bündnisse geschmiedet“, etwa mit den Umweltverbänden Nabu und BUND, hob Gewerkschaftschef Hofmann am Montag hervor. Auch gegenüber „Fridays for Future“ gebe es, allen inhaltlichen Differenzen zum Trotz, „keine Berührungsängste“.
Auch wenn die IG Metall beim Klimaschutz bemüht ist, neben den Risiken auch die Chancen herauszustreichen, macht sich niemand Illusionen darüber, dass die anstehenden Veränderungen auch Opfer fordern werden. Der Wechsel in der Antriebstechnik von Pkw werde allein in der Automobilindustrie bis zu 150.000 Arbeitsplätze kosten, heißt es in einem Leitantrag des Vorstands zur Mobilitäts- und Energiewende.