Hintergrund
Der Zeitplan der Reformen
Von einer „konzertierten Aktion“ ist in Berlin vor allem unter Sozialdemokraten die Rede, ein Schlagwort aus den 60er-Jahren. Was bei dem Treffen besprochen werden soll? Unklar. Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften halten sich bedeckt.
Aber nicht nur die sollen mitgenommen werden, auch die Fraktionen. So wurde der Kreis der Verhandler – die sogenannte Sherpa-Runde aus Thorsten Frei (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) und Björn Böhning (SPD) – um einflussreiche Parlamentarier erweitert. Darunter auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese. „Die Wirtschaft muss wieder wachsen und die Menschen mehr Sicherheit erfahren. Das ist das Ziel der Reformvorhaben, die wir jetzt anschieben werden“, so formuliert er die Erwartungshaltung. „Grundbedingung ist, dass sie gerecht sind. Nur so werden sie von den Menschen akzeptiert und mitgetragen.“ Dazu brauche es „Unerschrockenheit und Kompromissbereitschaft. Dass wir beides aufbringen können, zeigen diverse Vorhaben, die bereits im Fluss sind, aber Zeit brauchen“, sagt Wiese. „Die GKV-Reform läuft, die Rentenkommission tagt, die Digitalisierung der Verwaltung geht voran und die Steuerreform ist in Planung.“
Zum Thema dürfte auch die Reform des Arbeitszeitgesetzes werden, die Arbeitsministerin Bas für Juni angekündigt hat. Der Acht-Stunden-Tag soll durch eine maximale Wochenarbeitszeit ersetzt werden. Vor allem die Gewerkschaften stemmen sich dagegen.
Das kam allerdings nicht bei allen in der Koalition gut an. Krankten die bisherigen Ausschläge („Herbst der Reformen“) doch an optimistischen Deadlines, die man dann nicht einhielt. In der Koalition waren seither auch andere Stimmen zu vernehmen: lieber ein paar Tage später, dafür richtig. Der 30. Juni sei nicht in Stein gemeißelt.
Relevant ist das vor allem für diverse Einsparungen, mit denen man die Reform der Einkommenssteuer etwa finanzieren möchte.