Meinung
Der Iran nach dem Schlag: Freiheit oder neues Chaos?
Jetzt schweigt die Diplomatie, jetzt brüllen die Waffen: Mit dem Angriff der Israelis und der USA auf den Iran endet ein jahrzehntelanges diplomatisches Ringen. Zumindest erst mal. Nach vielen Gesprächen und noch mehr Drohgebärden haben Raketen Fakten geschaffen. So absehbar und alternativlos der Militärschlag am Ende gewesen sein mag, so wenig absehbar sind die Folgen. Die Bilder in diesen Stunden sind ambivalent.
Da sind die vielen Menschen in Teheran, die den Tod ihres Religionsführers Ali Chamenei bejubeln. Sie feiern die Befreiung von einem Mann, der viel zu lange sein Volk terrorisiert, die Auslöschung des Staates Israel als wichtigstes Ziel ausgegeben und mit seinem Streben nach dem Besitz einer Atombombe Frieden bedroht hat. Wer verstehen möchte, wie die Menschen unter Chamenei gelitten haben, der muss nur in die Gesichter der Mutigen im Iran schauen.
Globale Unsicherheiten
Da sind aber auch die Bilder von den Raketen, die Kurs auf Tel Aviv nehmen oder über dem Zentrum von Dubai abgefangen werden. Wer der Ideologie des Führers gefolgt ist, der schwört nach dessen Tod erst recht Rache. Nimmt zivile Ziele nicht nur in Kauf, sondern ins Visier. Der Iran hat überall auf der Welt Agenten verteilt. Und so benötigt insbesondere jüdisches Leben – wie so häufig – unseren entschiedenen Schutz. Die Welt mag durch den Tod von Chamenei perspektivisch ein weniger gefährlicher Ort werden. Aktuell aber ist die Lage für von Mullahs im Iran zu Feinden erklärte Menschen unsicherer denn je.
Bilder produziert auch Wladimir Putin – mit seinen Statements zur Lage in Nahost. Ob die Region eine Stabilisierung erfährt, hängt auch davon ab, wie Russland und China auf den Angriff reagieren. Beide Länder haben Chamenei unterstützt. Sie treiben Handel mit dem Iran, sind abhängig von engen Verbindungen. Wenn Russland und China möchten, wird es für den Iran ein weiter Weg in Richtung Frieden.
Trumps Verantwortung
Die Zukunft hängt auch davon ab, mit wie viel Geduld Donald Trump den „Change“ begleiten wird. Wer in einem Land Realitäten so deutlich verändert, hat die Verantwortung, nachhaltig daran mitzuwirken, dass Neues und Gutes entstehen kann. Diese Lust auf Aufbau hat Trump weder in Gaza, noch in Venezuela gezeigt.
Zwiespältig ist die Situation für Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Wie schon im Konflikt mit der Hamas in Gaza inszeniert er sich als starker Verteidiger seines Volkes. Insgeheim dürfte er aber – so zynisch das klingen mag – nicht undankbar sein für den nächsten Ausnahmezustand, in dem er die Reihen schließen und von Anklagen gegen seine Person ablenken kann.
Wirtschaft unter Druck
Derweil haben die Entwicklungen im Iran nicht nur Auswirkungen auf die Sicherheitslage, sondern auch auf die Wirtschaft. Mit der Blockade der Straße von Hormus schneidet der Iran die Welt von Öllieferungen aus der Region ab. Unternehmen und Verbraucher müssen sich auf einen Anstieg der Rohstoffpreise einstellen. Davon werden Länder wie Saudi-Arabien profitieren. Oder auch Venezuela.
Das rohstoffreiche Land wird seit der Festnahme des Machthabers Nicolás Maduro durch die USA von einer Herrscherin geführt, die den Vereinigten Staaten geschmeidiger gegenübertritt. Wie praktisch …
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