Neustadt Kritik aus der nördlichen Vorstadt: Kaputte Gehwege, Parkdruck und Schleichverkehr

Mehr als 13.000 Fahrzeuge befahren die B38 laut einer Messung innerhalb von 24 Stunden. Sichere Querungen für Fußgänger gibt es
Mehr als 13.000 Fahrzeuge befahren die B38 laut einer Messung innerhalb von 24 Stunden. Sichere Querungen für Fußgänger gibt es wenige. Das Problem könnte sich verschärfen, wenn das ehemalige Hertie-Kaufhaus bald abgerissen wird.

Wie gut kommt man zu Fuß durch die nördliche Vorstadt? Beim Fußverkehrs-Check sollen Mängel erkannt und Verbesserungen angeregt werden. Nach dem Auftakt stehen Begehungen an.

Neustadt hat als eine von zehn Kommunen im Land mit der nördlichen Vorstadt den Zuschlag für den Fußverkehrs-Check 2026 bekommen. Für die Öffentlichkeit startete der Fußverkehrs-Check am Dienstag mit einem Auftaktworkshop im Ratssaal – der Zulauf war vielleicht auch hitzebedingt überschaubar. Das Gebiet, das im Norden vom Haardtrand, im Westen vom Stadionbad und im Süden und Osten von Tal-, Ludwig- und Manfred-Vetter-Straße begrenzt wird, ist durch die Nähe zur Altstadt, die fehlende Nahversorgung direkt vor Ort sowie die vielfältige, dynamische Bevölkerungsstruktur für die Städteplaner besonders interessant – auch, weil dort bereits auf anderen Ebenen Zukunft geplant wird: zum einen über das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das die räumliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Viertels in den Blick nimmt, zum anderen über das Städtebauförderprogramm Sozialer Zusammenhalt, das die Wohn- und Lebensqualität sowie den Zusammenhalt erhöhen soll.

Hintergrund des vom Verkehrsministerium geförderten Fußverkehrs-Checks ist das im März 2025 vom Stadtrat beschlossene Mobilitätskonzept 2030+. Bei einer Erhebung im Jahr 2022 wurde in Sachen Fußverkehr ein hohes Verlagerungspotenzial in Neustadt erkannt: Demnach sind 48,5 Prozent der zurückgelegten Wege nicht länger als zwei Kilometer, könnten also zu Fuß zurückgelegt werden. „Ziel ist ein integriertes Mobilitätskonzept“, sagte Verkehrsdezernent Bernhard Adams.

Es soll konkret werden

Thomas Baumann, Projektleiter bei der Sweco GmbH (Koblenz), die mit dem Planungsbüro Via eG (Köln) den Neustadter Fußverkehrs-Check bis Jahresende begleitet, nannte dessen Kernziele: einen Status-quo-Bericht, eine Stärken-Schwächen-Analyse, einen priorisierten Maßnahmenplan, Empfehlungen zur langfristigen Förderung des Fußverkehrs sowie eine Sensibilisierung für Fußgänger generell. „In der Planung wird der Fußverkehr oftmals als ,Sowieso-Verkehr’ vernachlässigt“, erklärte Baumann. Dabei könnten über Verbesserungen nicht nur die eigenständige Mobilität, sondern auch Handel und Gastronomie sowie der soziale Austausch gestärkt werden.

Der Fußverkehrs-Check betrachtet verschiedene Handlungsfelder, erläuterte Jonas Dillmann von Sweco. Dazu zählen die Verbindung zum ÖPNV (Erreichbarkeit, Anbindung und Barrierefreiheit), Durchgängigkeit, Wegbreiten und Beschilderung im Fußwegenetz, Aufenthaltsqualität/Attraktivität, Sicherheit (insbesondere auf Schulwegen) und Barrierefreiheit.

Halteverbot vor Kita?

Aus dem ISEK, an dem seit Dezember 2025 gearbeitet wird, sind der Verwaltung bereits einige Mängel im Quartier bekannt, darunter zu wenige oder unsichere Querungen, Barrieren für Eingeschränkte und fehlende, beschädigte, schlecht beleuchtete oder zu schmale Gehwege, die zudem stellenweise oft überfahren oder zugeparkt werden. In der Diskussion im Workshop wurden darüber hinaus Tempo 30, Parkraummanagement, die Verbindung zum Stadion und die Aufwertung von Freizeit- und Spielflächen genannt. Zwei Erzieherinnen aus der Kita Pulverturmstraße schlugen ein absolutes Halteverbot vor ihrer Einrichtung vor, um den Hol- und Bringverkehr zu reduzieren. Zudem pochten die Teilnehmer auf die Durchsetzung der Fahrradstraße in der Villen-/Sauterstraße und Maßnahmen gegen den Schleichverkehr aus dem/ins Tal.

Alle Punkte wurden gesammelt und sollen bei zwei Begehungen im Detail besprochen werden: am Dienstag, 23. Juni, von 14 bis 16 Uhr ab Ecke Seilerbahn-/Pulverturmstraße und von 16.30 bis 18.30 Uhr ab Kohlplatz/Klausengasse. Beide Routen sind knapp unter zwei Kilometer lang und führen auf unterschiedlichen Wegen durchs Viertel. Projektleiter Baumann ermutigte Bürger, an den Vor-Ort-Terminen teilzunehmen und gegebenenfalls Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator mitzubringen, um reale Bedingungen zu testen. Ergebnisse und Perspektiven sollen in einem Abschlussworkshop am 21. Oktober mit den Bürgern diskutiert werden.

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