Untersuchung Der größte US-Ölkonzern wusste über Klimawandel früh Bescheid
Bei zig Gerichtsverfahren vor allem in den USA, in denen staatliche Stellen oder Privatpersonen als Kläger auftraten, zeigte sich: Die Zigarettenindustrie wusste sehr wohl um die Schädlichkeit ihrer Produkte. Seit Jahrzehnten. Um das Entstehen giftiger Stoffe beim Abbrennen des Tabaks und der Zusatzstoffe. Doch den „Marlboro-Mann“ ließ man weiterreiten. Seine Opfer: Millionen Raucher mit Lungenkrebs.
Diese Geschichte wiederholte sich an andere Stelle. Der amerikanische Energieriese ExxonMobil verdient sein Geld hauptsächlich mit Öl und Gas. Schon länger bekannt ist, dass man dort schon früh um die Bedrohung durch den globalen Klimawandel wusste. Zum Thema wurde dies beispielsweise, als 2016 der damalige US-Präsident Donald Trump den Chef von ExxonMobil, Rex Tillerson, zu seinem ersten Außenminister erkor. Eine komplette Fehlbesetzung, wüteten US-Demokraten und Umweltverbände: Die Chefetage von ExxonMobil habe schließlich jahrzehntelang geleugnet, dass es den menschengemachten Klimawandel überhaupt gebe, um so das Geschäft mit fossilen Brennstoffen zu schützen.
Verblüffende Ergebnisse
Wie genau ExxonMobil Bescheid wusste, kommt jedoch erst jetzt heraus: Klimaforscher der amerikanischen Harvard-Universität und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PiK) haben intern vorliegende Daten und Szenarien aus dem Zeitraum 1977 und 2003 ausgewertet. Sie sind zu verblüffenden Ergebnissen gekommen.
In ihrem Artikel, der im Fachmagazin „Science“ veröffentlich wurde, schreiben die Wissenschaftler: Die ab Ende der 70er Jahre bei Exxon ausgearbeiteten Prognosen seien im Rückblick präziser gewesen als die der amtlichen Klimaforschung. Die begann sich zudem erst ab Mitte der 80er Jahre allmählich zu entwickeln. Anfangs mangelte es an Geld für tiefergehende Arbeiten.
Anderslautende Botschaften
In den frühen Analysen von ExxonMobil indes, so erkennen die Harvard- und PiK-Forscher nun an, sei sogar ziemlich exakt berechnet worden, wie viel Kohlenstoffdioxid von der Menschheit noch verursacht werden dürfe, um die Erderwärmung zu begrenzen. Öffentlich verkündete der Konzern andere Botschaften – und widersprach damit den eigenen Erkenntnissen.
Ähnlich wie eben auch die Tabakindustrie. Diese wurde übrigens über Jahrzehnte immer wieder in Prozesse mit milliardenschweren Schadensforderungen verwickelt.