Meinung
Dauerstreit um Bildschirmzeit
Nicht unbedingt größere, sondern schlichtweg andere Sorgen, so würde ich es formulieren. Im Kern geht es doch vielen von uns gleich; wir wollen und sollen den Kindern zunehmend Vertrauen schenken in dem Wissen, nicht alles für sie regeln zu können und schon gar nicht zu sollen. Das ist die eine Seite. Die andere sind die besorgten Gedanken, in denen man sie dann doch oft begleitet, auch wenn man physisch kilometerweit weg ist.
Die Körber-Stiftung hat die Sorgen von Eltern Heranwachsender untersuchen lassen. Unter dem Titel „Eltern im Fokus 2025“ gaben 79 Prozent der 1006 im Frühjahr 2025 befragten Eltern von Schulkindern zwischen zwölf und 18 Jahren an, dass die Fülle an Aufgaben und Herausforderungen des Alltags sie belasten. Knapp jedes dritte Elternteil fühlt sich sogar stark belastet.
Ein heißes Dauerthema
Der Medienkonsum ist dabei ein heißes Dauerthema. Die berühmte Bildschirmzeit für die Kinder der Befragten mit Fernsehen, Youtube, Social Media und Co. führt in vielen Haushalten zu Konflikten. Die Hälfte aller Befragten sieht die Nutzung von Smartphone und Tablet ihres Nachwuchses kritisch. Väter machen sich den Angaben zufolge häufiger Sorgen als Mütter. Der Großteil der Eltern wirkt stark auf einen verantwortungsvollen Umgang der Kinder mit Medien hin. Zudem solle auch in der Schule Medienkompetenz gelehrt werden, so der Wunsch.
Der Spagat: Einerseits wollen Eltern, dass ihre Kinder rechtzeitig an moderne Medien herangeführt werden, damit sie auch für ihre berufliche Zukunft gerüstet sind. Andererseits sollen die Kinder durch vielleicht übermäßige Nutzung elektronischer Medien keinen Schaden davontragen. In diese Kerbe schlägt auch der Kinderschutzbund mit der Aussage seines Vizepräsidenten Joachim Türk: Kinder hätten ein Recht auf digitale Teilhabe, sagte Türk dem RND. Von der diskutierten Altersuntergrenze für Social Media, wie sie etwa der Suchtbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck (CDU) fordert, halte er nichts.
Teils erschreckend wenig Vertrauen in die Schule
Erschreckend ist, wie wenig Vertrauen Eltern den Schulen ihrer Kinder laut Studie schenken. 72 Prozent sagen, die Schule bereite die Kinder weniger gut oder gar nicht auf gesellschaftliche oder globale Herausforderungen vor. Zumindest ein bisschen beruhigend indes: Obwohl die Herausforderungen in einer angespannten weltpolitischen Lage „eher größer geworden sind, fühlen sich die Eltern nicht stärker belastet als im Vorjahr“. Und eine überwältigende Mehrheit sieht die berufliche Zukunft der Kinder optimistisch.