Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Testpflicht: Wer zögert, verliert

Bald Pflicht für Urlauber aus Risikoländern: Ein Arzt nimmt im Corona-Testzentrum im Flughafen Düsseldorf einen Abstrich bei ein
Bald Pflicht für Urlauber aus Risikoländern: Ein Arzt nimmt im Corona-Testzentrum im Flughafen Düsseldorf einen Abstrich bei einem Reiserückkehrer.

Seit Ende Juni sind in einigen Bundesländern Schulferien. Doch erst jetzt wird die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikoländern eingeführt. Deutschland verspielt seinen Erfolg bei der Corona-Bekämpfung.

Seit jeher haben Staaten ein großes Interesse daran, was Menschen von außerhalb an ihren Grenzen einzuführen gedenken, seien es nun Waren oder Krankheiten. Die USA bauten im 19. Jahrhundert sogar auf einer Insel vor New York ein eigenes Gebäude, um Einwanderer einer Gesundheitsprüfung zu unterziehen. Diese fiel oft entwürdigend aus und war für manche das Ende ihrer kühnen Pläne; denn sie mussten mit dem gleichen Schiff wieder zurück in die Heimat.

Der medizinische Fortschritt sowie das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Hygiene verdrängten die Angst vor importierten Gesundheitsgefahren – bis das Coronavirus kam. In der Rückschau ist es geradezu unverzeihlich, dass im Frühjahr Menschen aus Ländern mit einer hohen Anzahl von Corona-Kranken lediglich mit Ermahnungen nach Deutschland einreisen durften. Wochenlang wurden Quarantäne-Auflagen ausgesprochen, aber – wenn überhaupt – nur lückenhaft kontrolliert.

Der Erfolg der Maskenpflicht

Ein Beispiel aus Berlin: Im Bezirk Pankow, in dem rund 400.000 Menschen leben (also zweieinhalb Mal so viele wie in Ludwigshafen), werden vom Ordnungsamt werktags zwei Mitarbeiter bereitgestellt, um Corona-Auflagen in Bars, Geschäften und Grünanlagen zu kontrollieren. Am Wochenende sind es drei ...

Sehr lange hat es gedauert, bis in Deutschland die Maskenpflicht eingeführt wurde. Der Erfolg dieser Maßnahme hat nun auch andere Länder, die es wie die Schweiz eher gelassen angingen, zur Einsicht gezwungen, Gleiches zu tun.

Trotz allen Vorkehrungen kommt es aber nimmer noch auf das Verantwortungsbewusstsein der Menschen an. Wo dieses fehlt, muss der Staat zum Schutz der Gemeinschaft regulierend eingreifen. Dies geschieht nun – endlich - an den Flughäfen. Viel zu lange wurde über die Testpflicht in den Ankunftshallen der Airports diskutiert.

Wertvolle Zeit verstrich

Es wurde abgewogen, ob ein solcher Test freiwillig, ob er kostenpflichtig sein soll. Dadurch verstrich wertvolle Zeit, schließlich gibt es in den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen seit gut vier Wochen Schulferien. Manche Bürger verbringen trotz eindeutiger Warnungen ihren Urlaub in einem Risikogebiet. Dazu zählen beliebte Ziele wie Ägypten, die USA und die Türkei, aber auch die Balkanstaaten Kosovo und Bosnien-Herzegowina.

Das Risiko einer Ansteckung besteht in diesen Ländern nicht nur für die Reisenden selbst, sondern auch für alle, denen sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland begegnen. Ein Pflicht zum Corona-Test ist daher richtig, er ist mithin zwingend notwendig. Der Eingriff in die persönliche Freiheit durch den harmlosen Abstrich ist verkraftbar, wenn damit andere geschützt werden. Und wenn damit ein weiterer Lockdown verhindert wird, der wirtschaftlich und sozial verheerend sein könnte.

Ein Problem: die Verweigerung des Tests

Leider könnte die vernünftige Idee des Pflichttests letztlich scheitern – an den Klippen der Realität. Fraglich ist nicht nur, ob die Behörden es überhaupt schaffen, ab jetzt täglich Hunderte von Tests an Flughäfen durchzuführen. Ein juristisches Problem erwächst auch aus der erwartbaren Verweigerung von Ankömmlingen, sich dem Test zu unterziehen – um am Ende vor Gericht sogar noch Recht zu bekommen.

Einen Bericht zu diesem Thema lesen Sie hier

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