Coronavirus Steigende Infektionszahlen bereiten „große Sorgen“
RKI-Präsident Lothar Wieler sagte am Dienstag, in den vergangenen sieben Tagen seien 3611 Infektionen gemeldet worden. Die neueste Entwicklung bereite „große Sorgen“. Als Ursache für den Anstieg nannte Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, aber es könne sein.
Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich neu gemeldeten 300 bis 500 Fällen zu halten, führte der RKI-Chef aus. Inzwischen sehe es anders aus: Am Freitag etwa kamen 815 Fälle hinzu, am Samstag mehr als 700 und am Dienstag mehr als 600. Im Unterschied zu den vergangenen Wochen mit einzelnen großen Ausbrüchen sei die Lage derzeit diffus, schilderte RKI-Expertin Ute Rexroth. „Es sind wirklich leider viele betroffen.“
Appell an Bürger, die Aha-Regeln einzuhalten
„Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie“, so Wielers Fazit. Einige Länder, die die Epidemie bereits unter Kontrolle zu haben schienen, verzeichneten wieder steigende Fallzahlen, etwa Australien, Japan und Spanien.
Das RKI hält Vorbeugung für nötig, damit sich das Virus nicht wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet. „Das schaffen wir nur gemeinsam“, sagte Wieler. Er appellierte an die Bundesbürger, die sogenannten Aha-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) einzuhalten.
Seehofer gegen umfassende Grenzkontrollen
Das Auswärtige Amt rät wegen der Corona-Pandemie von nicht notwendigen touristischen Reisen in mehrere Urlaubsgebiete im Norden Spaniens ab. Betroffen sind die Regionen Katalonien, Aragón und Navarra. Das Amt begründete den Schritt mit erneut hohen Infektionszahlen.
Die Bundesregierung bereitete sich unterdessen darauf vor, die angekündigte Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten konkret umzusetzen. Wie genau das geschehen soll, werde derzeit zwischen dem Bundeskanzleramt und den Bundesministerien für Inneres und für Gesundheit beraten, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Seehofer ergänzte: „Was ich mir nicht vorstellen kann, dass wir jetzt deshalb in ganz Deutschland Grenzkontrollen einführen.“ Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Testpflicht für die kommende Woche angekündigt. Die Tests sollen für alle Reisende aus einem von derzeit rund 140 Risikoländern gelten und für die Reisenden kostenlos sein.
Beschränkungen für Urlauber aus bayerischen Landkreis
In Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern gelten künftig Einschränkungen für Urlauber aus dem bayerischen Landkreis Dingolfing-Landau. In dem Landkreis liegt die Gemeinde Mamming, wo es auf einem Gemüsehof zahlreiche Neuinfektionen gab. Die Verordnung von Rheinland-Pfalz schreibt unter anderem vor, dass Einreisende aus Risikogebieten im In- oder Ausland verpflichtet sind, sich nach der Einreise auf direktem Wege in die eigene Häuslichkeit oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben und dort 14 Tage zu bleiben.