Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Corona: Bund und Länder auf dem Boden der Tatsachen angekommen

Corona-Krise weltweit: Das Abstandsgebot ist wichtig, aber auch die Isolation von Corona-Hotspots, um eine weitere Verbreitung z
Corona-Krise weltweit: Das Abstandsgebot ist wichtig, aber auch die Isolation von Corona-Hotspots, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

Bund und Länder sind bei den Corona-Maßnahmen auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Ganze Landkreise oder Städte abzuriegeln, war eine lebensferne Idee. Nun denkt man in kleinen Räumen.

Wer weiß, vielleicht hatten die Befürworter großräumiger Abriegelungen das gallische Dorf von Asterix und Obelix vor Augen, so klein und überschaubar, wie es aussieht. Doch selbst ohne Zaubertrank hätten die beiden es wohl geschafft, Mittel und Wege zu finden, die Blockade zu überwinden.

Aber im Ernst: Wer heute Ausreise-Beschränkungen für ganze Landkreise wünscht, muss dem wahren Leben schon sehr weit entrückt sein. In der Fläche ist so etwas genauso wenig durchsetzbar wie in einer Stadt, sei es Ludwigshafen oder Berlin. Allenfalls ein gewaltiges Kontingent an Sicherheitskräften könnte Kontrollen an Ausfallstraßen, in U-Bahnen oder Bussen vornehmen. Das kann nur die letzte aller denkbaren Maßnahmen sein.

Lockdown in Gütersloh nicht verhältnismäßig

Hinzu kommt ein juristischer Aspekt: Als die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen wegen der Corona-Fälle in der Tönnies-Fleischfabrik das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh zum Erliegen brachte, gab es Klagen vor Gericht. Tatsächlich wurde verfügt, den Lockdown wieder aufzuheben, weil dieser nicht verhältnismäßig gewesen sei. Betroffen waren zeitweise rund 640.000 Einwohner. Was die Landesregierung angeordnet hatte, war das Gegenteil von zielgenau. Und es hatte eine äußerst ungute Stigmatisierung der Menschen aus Gütersloh zur Folge.

Bund und Länder wollen bei der Verhinderung von Corona-Infektionen nun praxisnah agieren. Sie lassen die Vernunft walten und denken in kleinen Räumen. Um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, sollen nun die „tatsächlich betroffenen Bereiche“ ins Visier genommen werden, wie es im Beschluss heißt.

Auf den Gesundheitsämtern lastet die Verantwortung

Was bedeutet das konkret? Im Grunde gibt es bei Corona nur drei Mittel zur Bekämpfung und Vorbeugung: Quarantäne, Kontaktnachverfolgung (um die Infektionskette zu unterbrechen) und der Test von Betroffenen. Drei Maßnahmen also, bei denen vor allem die Gesundheitsämter im Spiel sind. Auf ihnen lastet auch in der Zukunft der Großteil der Verantwortung für den weiteren Verlauf der Krise.

Bei Personal und Ausstattung müssen die Behörden von ihren Landesregierungen daher massiv unterstützt werden. Ihre Leistungsfähigkeit ist der Garant dafür, dass kleinräumig agiert werden kann. Und zwar dann, wenn ein Corona-Hotspot ausgemacht wird, sei es ein Altenheim, ein Unternehmen oder eine (Groß-)Familie. Die Isolierung dieser Hotspots ist im Vergleich zu regionalen Beschränkungen das mildere und vermutlich deutlich effektivere Mittel. Denn nur dadurch lässt sich die weitere Ausbreitung des Virus auf ein größeres Gebiet verhindern.

Mallorca-Urlauber müssten getestet werden

Aber gerade jetzt im Sommer kann es dabei nicht bleiben. Das Geschehen auf Mallorca zeigt, dass dummes Verhalten eine Gefahr für die Allgemeinheit werden kann – nach der Rückkehr in die Heimat.

Deshalb ist es zumutbar, wenn Reiserückkehrern aus einem Gebiet mit hohem Corona-Risiko nicht nur ein Corona-Test abverlangt wird, sondern auch eine 14-Tage-Quarantäne. Da Mallorca (noch) nicht zu den offiziellen Risikogebieten zählt, dürften die alle Hygieneregeln ignorierenden Deutschen noch einmal davon kommen. Richtig ist das freilich nicht.

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