Helmut kohl RHEINPFALZ Plus Artikel Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung nimmt Arbeit auf

Der von seiner Krankheit gezeichnete Altkanzler besuchte 2012 die Unionsfraktion im Bundestag. Kanzlerin Angela Merkel und Frakt
Der von seiner Krankheit gezeichnete Altkanzler besuchte 2012 die Unionsfraktion im Bundestag. Kanzlerin Angela Merkel und Fraktionschef Volker Kauder (rechts) begrüßten ihn. Kauder ist heute Kuratoriumsvorsitzender der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung.

Kuratoriumsvorsitzender Kauder bedauert: Einbeziehung von Kohl-Witwe „nicht gelungen“

Es hat eine Weile gedauert, doch nun ist sie am Start: Die Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung des Bundes geht an die Öffentlichkeit. In ihrer ersten Veranstaltung bringt sie zwei Persönlichkeiten zusammen, die sonst ungern gemeinsam auftreten: CDU-Chef Friedrich Merz und seine einstige parteiinterne Widersacherin Angela Merkel.

Am 27. September sprechen beide CDU-Politiker in Berlin auf einer Veranstaltung der Stiftung, die an die erstmalige Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler vor 40 Jahren erinnert. Im Mittelpunkt steht ein Vortrag des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte, der auch die programmatische Überschrift der neuen Stiftung sein könnte. Korte spricht über das „Politikmanagement des Bundeskanzlers“. Denn ausschließlich um Kohls Wirken als deutscher Regierungschef will sich die im vorigen Jahr vom Bundestag beschlossene Altkanzler-Stiftung kümmern.

Jährlicher Etat drei Millionen Euro

Welche Rolle Kohl als Parteivorsitzender spielte, ist nicht Gegenstand der Stiftungsarbeit, auch wenn beides mitunter schwer zu trennen ist, wie Kuratoriumsvorsitzender Volker Kauder (CDU) einräumt. Der frühere Unionsfraktionschef will kein mit Kohl verknüpftes Thema ausblenden, doch der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt nach seinen Worten eindeutig auf der Lebensleistung Kohls in seinen 16 Jahren als Kanzler.

Dafür steht der Stiftung – wie allen anderen Altkanzler-Stiftungen des Bundes – ein jährlicher Etat von knapp drei Millionen Euro aus Steuermitteln zur Verfügung. Die Aufsicht obliegt der Staatsministerin für Kultur im Kanzleramt. Derzeit ist dies die Grünen-Politikerin Claudia Roth.

Beck und Vogel im Kuratorium

Dem Kuratorium gehören neben Kauder die früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU) und Kurt Beck (SPD) an, ebenso der frühere luxemburgische Premier und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und die ehemalige CSU-Bundesministerin Gerda Hasselfeldt. Alle Bemühungen, die Witwe des Altkanzlers, Maike Kohl-Richter, für die Arbeit im Kuratorium zu gewinnen, seien im Sande verlaufen, bedauert Kauder. „Wir wollten sie mit ins Boot holen, es ist uns nicht gelungen“, so der CDU-Politiker. Es gebe derzeit keinen Kontakt zu ihr, sie sei aber wie die beiden Söhne Kohls zur Gedenkveranstaltung Ende September eingeladen worden.

Zuletzt hatte sich die in Ludwigshafen-Oggersheim lebende Kohl-Witwe abfällig über die Bundesstiftung geäußert. Sie befürchtete, ihr verstorbener Mann drohe „zum Spielball der Politik und wechselnder Mehrheitsverhältnisse“ zu werden. Wie mehrfach berichtet, gründete die Alleinerbin eine Art „Gegen-Stiftung“, einen Verein, der sich „Helmut-Kohl-Stiftung e. V.“ nennt und dessen Satzung ihr fast uneingeschränkte Kontrollrechte zusichert.

Ausstellung in Berlin geplant

Eine von Kohl-Richter angekündigte Klage gegen die Bundesstiftung erfolgte indes nicht. Wie der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung, der frühere Kabinettsreferent Günter Winands, erklärte, hätte Kohl-Richter dafür innerhalb einer Frist eine Verfassungsbeschwerde einlegen müssen. Dies sei nicht geschehen.

Dass Kohl-Richter mit ihrem Ludwigshafener Verein eine Konkurrenzsituation schaffen könnte oder nun eine Verwechslungsgefahr drohe, glaubt Kauder indes nicht. Er verweist auf die geplante Kohl-Ausstellung der Stiftung, deren Konzept gerade ausgearbeitet wird und die voraussichtlich in drei Jahren zu sehen ist. „Mit dieser umfänglichen Ausstellung sind wir in der Öffentlichkeit präsent“, ist Kauder überzeugt.

„Altkanzler-Meile“ am Brandenburger Tor

Geplant ist eine große Schau mit zahlreichen Exponaten im Berliner Otto-Wels-Haus, jenem Abgeordnetengebäude in der Straße „Unter den Linden“, in dem Kohl bis zuletzt sein Altkanzler-Büro hatte, so Geschäftsführerin Jacqueline Boysen. In das Gebäude wird nach ihren Worten auch eine dort bereits früher schon gezeigte Ausstellung über den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zurückkehren. Unweit davon soll auch an den ersten deutschen Bundeskanzler, Konrad Adenauer (CDU), erinnert werden. Kauder freut sich, dass damit eine „Altkanzler-Meile“ unweit des Brandenburger Tores geschaffen werde.

Bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Regierungsjahre Kohls will die Stiftung Forschern hilfreich zur Seite stehen. Vieles sei noch längst nicht ausgeleuchtet, so Vorstandsmitglied Michael Borchard, früher Mitglied im Redenschreiberteam Kohls. Obwohl Kohls Privatarchiv durch dessen Witwe kontrolliert werde, gebe es unzählige Akten aus dem Kanzleramt, die im Bundesarchiv lagerten und die für eine Aufarbeitung zur Verfügung stünden. „Wir stehen vor einer goldenen Ära der Kohl-Forschung“, so Borchard.

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