Politik Brasilien: „Ich bin kein Mensch, ich bin eine Idee“

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Die Verhaftung von Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva gerät zu einem Spektakel. Nicht irgendein Politiker geht ins Gefängnis, sondern ein linkes Idol. Brasilien steht am Scheideweg.

Es waren für Brasilien zwei bewegende Tage und am Ende wurde es religiös. Das entsprach durchaus den Empfindungen vieler Menschen angesichts des tiefen Einschnitts in der Geschichte ihres Landes. Am frühen Samstagabend begab sich Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva in die Hände der Bundespolizei – das entsprechende Ultimatum war bereits am Freitag Nachmittag abgelaufen. Er tritt eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Korruption an. Zunächst aber bescherte Lula Brasilien ein mediales Spektakel. Der Ex-Präsident pochte darauf, dass es Opfer eines politischen Prozesses sei: Seine erneute Präsidentschaftskandidatur sollte verhindert werden. Also richtete er sich mit Getreuen im Hauptquartier der Metallarbeitergewerkschaft in der Industriestadt São Bernardo do Campo ein. Hier hatte Lula vor fünf Dekaden seinen politischen Weg begonnen, der ihn 2003 für acht Jahre ins höchste Staatsamt brachte. In seiner Regierungszeit galt er als einer der beliebtesten Politiker der Welt. Brasilien erlebte wirtschaftliche Boomjahre, und Lula setzte die hohen Staatseinnahmen zum Aufbau umfangreicher Sozialprogramme ein. Gleichzeitig blieb er Hassobjekt für Brasiliens Oberschicht, die ihm unterstellte, das Land in eine kommunistische Diktatur verwandeln zu wollen. Rund um das Gewerkschaftshaus in São Bernardo do Campo fanden sich Tausende Menschen ein: Gewerkschaftler, Anhänger der von Lula gegründeten Arbeiterpartei (PT) und Mitglieder der Landlosenbewegung. Es war ein politisches Volksfest: Grillen, kämpferische Reden, gereckte Fäuste, Umarmungen und Tränen. Die gesamte linke Prominenz Brasiliens erschien und beteuerte ihre Solidarität. Als sich der 72-Jährige dann doch Richtung Gefängnis verabschiedete, wurde es pathetisch: „Ich werde nicht stillstehen, denn ich bin kein Mensch mehr. Ich bin eine Idee.“ Im katholischen Lateinamerika wartet die Linke stets auf einen Messias.

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