Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Berlin kann auch anders

In Berlin bekommt man auch noch spät, was man gerade so braucht. Spätis verkaufen Getränke, Snacks oder Zahnbürsten bis tief in
In Berlin bekommt man auch noch spät, was man gerade so braucht. Spätis verkaufen Getränke, Snacks oder Zahnbürsten bis tief in die Nacht.

Über Berlin wird gern gelästert. Doch wer sich wirklich durch die Stadt bewegt, merkt schnell: Vieles funktioniert besser als sein Ruf.

Über Berlin wird gerne und oft gelästert. Über Baustellen, Behörden, den Flughafen, über verspätete Züge und über alles, was angeblich nie klappt. Die Hauptstadt ist in Deutschland so etwas wie der Lieblingsgegenstand der Schadenfreude. Irgendwo zwischen Spott und Kopfschütteln gilt sie vielen als Symbol für organisatorische Überforderung.

Nur: Wer sich tatsächlich durch diese Stadt bewegt, merkt schnell, dass erstaunlich viel funktioniert. Oft sogar ziemlich gut.

Erstaunlich grüne Stadt

Der öffentliche Nahverkehr ist ein gutes Beispiel. Natürlich gibt es Verspätungen. Natürlich bleibt auch einmal eine U-Bahn liegen. Aber gleichzeitig fährt ein Netz aus S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bussen durch eine Stadt mit fast vier Millionen Einwohnern – und bringt täglich Millionen Menschen ans Ziel. Am Wochenende sogar die ganze Nacht. In vielen anderen europäischen Metropolen fahren U-Bahnen nur bis kurz nach Mitternacht.

Berlin ist außerdem eine erstaunlich grüne Stadt. Mitten im Zentrum der deutschen Hauptstadt liegt der Tiergarten, ein Park so groß, dass man darin fast die Orientierung verlieren kann. Auf dem Tempelhofer Feld rollen Fahrräder über eine ehemalige Startbahn, und im Grunewald sitzen an warmen Tagen Menschen an Seen, die eher nach Brandenburg wirken als nach Hauptstadt.

Luxus an fast jeder Straßenecke

Einen anderer Luxus findet man an fast jeder Straßenecke. Berlin ist eine Stadt, in der man auch spät noch bekommt, was man gerade braucht. Die Spätis verkaufen Getränke, Snacks oder Zahnbürsten bis tief in die Nacht, manche rund um die Uhr. Wer spät aus dem Theater kommt oder aus der S-Bahn steigt, muss selten lange suchen. In vielen deutschen Städten wird spätestens um 22 Uhr das Licht ausgemacht. In Berlin beginnt da für manche erst der Abend.

Und dann ist da noch die Kultur. Theater, Oper, kleine Bühnen, Clubs, Konzerte, Kinos – die Auswahl ist so groß, dass man sie kaum überblickt. An einem Wochenende könnte man drei Ausstellungen besuchen, zwei Konzerte hören und hätte trotzdem das Gefühl, die Hälfte verpasst zu haben.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Berlin bleibt chaotisch, laut und manchmal unerquicklich improvisiert. Aber die Stadt funktioniert doch besser, als ihr Ruf vermuten lässt. Aber das ist ja eher selten eine Nachricht wert.

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