Politik Bayern: CSU verliert Mehrheit, Grüne verdoppelt, SPD halbiert
«München.» Einer Hochrechnung der ARD zufolge kommen die Christsozialen auf gut 37 Prozent, gefolgt von den Grünen mit fast 18 Prozent und den Freien Wählern mit mehr als 11 Prozent. Die AfD wird viertstärkste Kraft und zieht damit in das 15. deutsche Landesparlament ein. Die SPD rutscht unter die Zehn-Prozent-Marke – eine Halbierung ihres Stimmenanteils und ein Tiefststand bei einer Landtagswahl überhaupt. Die FDP erlebt eine Zitterpartie um die Rückkehr ins Parlament nach fünf Jahren Abwesenheit. Die Linke verfehlt die Fünf-Prozent-Hürde erneut. Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete das zweitschlechteste CSU-Ergebnis in der Parteigeschichte als „zum Teil schmerzhaft“. „Wir nehmen das Ergebnis mit Demut an“, sagte er in München. Die CSU sei aber stärkste Kraft und habe einen „klaren Regierungsauftrag“ erhalten. Eine komfortable Mehrheit hätte eine schwarz-grüne Koalition. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze zeigte sich gesprächswillig: „Natürlich sind wir bereit, Verantwortung für dieses schöne Land zu übernehmen.“ Söder war am Abend jedoch skeptisch: „Inhaltlich sind die Grünen meilenweit entfernt.“ Er strebe ein bürgerliches Bündnis an. Nach den Hochrechnungen hätte eine Koalition mit den Freien Wählern eine knappe Mehrheit. Deren Chef Hubert Aiwanger sagte am Abend, seine Partei werde machbare Vorschläge vorlegen. „Und ich bin überzeugt, die CSU wird anbeißen.“ CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer wertete das „bittere“ Wahlergebnis auch als eine Folge der Konflikte der großen Koalition in Berlin. Es stehe außer Frage, dass die Streitigkeiten „kein Rückenwind“ für die Wahlkämpfer in Bayern gewesen seien, sagte sie. Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Hessen sei das Ergebnis für die CDU eine Ermahnung. Auch Söder machte die Bundesregierung für das CSU-Ergebnis mitverantwortlich. Fragen nach der Verantwortung von Parteichef und Bundesinnenminister Horst Seehofer wich Söder aus. Nach einer ARD-Umfrage halten 56 Prozent der Wähler Seehofer für den Hauptverantwortlichen für das CSU-Ergebnis. Söder hatte das Amt des Ministerpräsidenten im März von Seehofer übernommen. Seehofer sagte im ZDF: „Natürlich habe ich als Parteivorsitzender auch Mitverantwortung für dieses Wahlergebnis.“ Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles machte ebenfalls „die schlechte Performance der großen Koalition hier in Berlin“ mitverantwortlich für den Absturz ihrer Partei in Bayern. Leitartikel Seite 2 Seite 3