Verkehr
Bahn steckt in diesem Jahr über 16 Milliarden ins Schienennetz
Über Jahrzehnte hat Deutschland sein Schienennetz vernachlässigt. Der Sanierungsstau wird inzwischen auf mindestens 90 Milliarden Euro veranschlagt. Nun will der Staatskonzern mit seiner neuen gemeinwohlorientierten DB InfraGo AG dafür sorgen, dass die Überalterung der Eisenbahninfrastruktur gestoppt wird. Dafür sollen in diesem Jahr rund 16,4 Milliarden Euro von Konzern, Bund und Ländern in die teils längst überfällige Sanierung von Gleisen, Bahnhöfen und technischen Anlagen fließen. Konkret sollen über 2000 Kilometer Gleise, 150 Brücken und 1000 Bahnhöfe erweitert, modernisiert und erneuert werden.
Größtes Projekt ist Mannheim–Frankfurt
Größtes Projekt ist die Modernisierung der meistbefahrenen ICE-Strecke, der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, die dazu ab 15. Juli bis voraussichtlich Jahresende komplett gesperrt werden soll. Allein für diese Sanierung sind 1,4 Milliarden Euro veranschlagt. Bis 2030 sollen 40 Korridore mit 4000 Kilometern Länge generalsaniert werden; jedes einzelne Projekt wird laut InfraGo-Chef Philipp Nagl dreistellige Millionensummen kosten. Für Instandhaltung und Ausbau will das Unternehmen dieses Jahr 5500 zusätzliche Stellen schaffen.
Die DB InfraGo AG ist zum Jahreswechsel aus der Zusammenlegung der DB Netz AG und der DB Station & Service AG entstanden. Im Koalitionsvertrag vereinbarte die Ampel-Regierung, eine gemeinwohlorientierte Infrastrukturgesellschaft zu schaffen, die aber komplett unter dem Dach der DB AG bleiben soll. Mit 64.000 Mitarbeitern betreibt die InfraGo das größte Schienennetz Europas. Es gilt aber als marode und überlastet.
Große Pläne, wie man die Bahn attraktiver macht
Neben der Generalsanierung des Kernnetzes für den Fernverkehr gibt es auch große Pläne, das teils überlastete Schienennetz mit Neu- und Ausbauprojekten zu erweitern, um die umweltschonende Bahn mit einem Deutschland-Takt attraktiver und zuverlässiger zu machen.
Kritiker sehen allerdings die große Gefahr, dass die Verkehrswende hin zur Schiene an fehlender und unzuverlässiger Finanzierung scheitert. So warnt die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen vor einem massiven Vertrauensverlust, falls die von der Regierung versprochenen zusätzlichen 45 Milliarden Euro gekürzt werden, die für Bahnprojekte von 2024 bis 2027 bereitgestellt werden sollten.
Zusätzliche 86 Milliarden Euro das Ziel
Ein Sprecher von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) erklärte auf Anfrage: „Wir investieren Rekordsummen in die Bahn und allein bis 2027 rund 28 Milliarden Euro zusätzlich.“ Ziel sei unverändert, die bis 2030 veranschlagten zusätzlichen 86 Milliarden Euro für den Abbau des Sanierungsstaus zu sichern.