Aussenministerin
Baerbocks Elfmeter-Fehlschuss auf Fidschi hat Folgen
Es gibt Elfmeter, die man verwandeln muss. Damit die Fußballmannschaft, für die man antritt, vielleicht in letzter Minute das entscheidende 1:0 erzielt, um den Abstieg zu vermeiden oder die Meisterschaft zu erringen. Der Strafstoß des armen Michael Kutzop ist einer der berühmtesten Elfmeter in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.
Kutzop schoss im Trikot des SV Werder Bremen den Ball in der Saison 1985/86 in der drittletzten Minute der Partie gegen den FC Bayern München an den Pfosten. Es blieb beim 0:0. Das war am vorletzten Spieltag, und Werder hätte sich gegen den direkten Konkurrenten vorzeitig den deutschen Meistertitel schnappen können. Am letzten Spieltag dann verlor Bremen in Stuttgart, der FC Bayern gewann gegen Gladbach und fing den SVW noch ab. Bitter: Der berühmte Elfer war der einzige, den Kutzop in der Bundesliga verschoss. Seine anderen 39 saßen.
Uli Hoeneß und der Nachthimmel von Belgrad
Spontan kommt einem noch der Nachthimmel von Belgrad in den Sinn, in den Uli Hoeneß den Ball bei seinem Elfer im EM-Finale 1976 jagte. Die CSSR gewann. Oder Lothar Matthäus, der 1984 für Gladbach im verlorenen Pokalfinale gegen seinen schon feststehenden künftigen Klub FC Bayern verschoss.
Dagegen hat die Sache mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und ihrem fußballerischen Fehlversuch einen eher positiven Effekt: Beim Besuch Baerbocks und ihrer Delegation jetzt in der Republik Fidschi, einem vom Klimawandel stark betroffenen Inselstaat im Südpazifik, hat die Grünen-Politikerin einen Elfmeter verschossen – er wurde gehalten: Bei einem Elfmeterschießen gegen ein gemischtes U15-Nationalteam aus Juniorinnen und Junioren des Inselstaats unterlag Deutschland 1:5. Für die Truppe der 43 Jahre alten Außenministerin traf nur der SPD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Coße. Technischer Direktor bei Fidschis Fußballern ist der Deutsche Timo Jankowski.
Stark bedrohtes Urlaubsparadies in der Südsee
Baerbocks verschossener Elfmeter erregte vergleichsweise große Aufmerksamkeit in den Medien. Gerade deshalb war der Fehlversuch wertvoll: So geriet der Besuch der Grünen-Politikerin im Urlaubsparadies noch stärker in den Blickpunkt. Und mit ihm ein sehr ernstes, wichtiges Thema: Zum Abschluss ihrer Indopazifik-Reise hat Baerbock das größtenteils im Meer versunkene Dorf Togoru auf Fidschi besucht. In den vergangenen 20 Jahren wurde die Siedlungsfläche fast vollständig vom Pazifischen Ozean überspült; der Meeresspiegel steigt. Am Strand leben nur noch zwei Familien. Sie müssen um ihre Häuser fürchten.
Man müsse alles dafür tun, sagte Baerbock, dass die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gelinge, um gerade Inselstaaten zu schützen. Sie verwies auf die „Verantwortung insbesondere von Industriestaaten“.
Ein Happy End
Baerbock, früher auch erfolgreiche Trampolinspringerin, erzählte bei ihrem Besuch des Fußballverbands von Fidschi, sie habe in ihrer Jugend bei TuSpo Jeinsen in Niedersachsen als linke Verteidigerin und im linken Mittelfeld gekickt.
Und Michael Kutzop? Für den Verteidiger gab es ein Happy End. Er wurde 1988 mit dem SV Werder doch noch deutscher Meister.