Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Aus der Zeit gefallen: Keine Macht für Könige

Andrew Mountbatten-Windsor: Seine langjährige Verbindung zu Jeffrey Epstein stürzte das britische Königshaus in eine schwere Ver
Andrew Mountbatten-Windsor: Seine langjährige Verbindung zu Jeffrey Epstein stürzte das britische Königshaus in eine schwere Vertrauenskrise.

Monarchien sind Relikte von vorvorgestern: Wer im 21. Jahrhundert an der Erbfolge festhält, verabschiedet sich vom demokratischen Prinzip.

Es sind keine Klatschgeschichten, die derzeit an Europas Königshäusern rütteln. Es sind Affären, die grundsätzliche Fragen aufwerfen. In Großbritannien hallt die Causa um den ehemaligen Prinzen Andrew, der nur noch Andrew Mountbatten-Windsor heißt, und seine Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nach. In Norwegen geriet das Umfeld des Kronprinzenhauses ebenfalls in Turbulenzen. Zwei Länder, ein Problem: Wenn Mitglieder von Herrscherhäusern in Skandale verwickelt sind, betrifft das nicht nur Privatpersonen. Es betrifft die Institution.

Monarchien verteidigen sich gern mit dem Hinweis auf Tradition, Stabilität und Überparteilichkeit. König oder Königin stünden über dem politischen Tagesgeschäft und repräsentierten Kontinuität. Doch hier beginnt der Widerspruch. Das höchste Amt im Staat – selbst wenn es vor allem repräsentativ ist – wird nicht durch Wahl, sondern durch Geburt vergeben. Es bleibt verschlossen für alle, die nicht zufällig in die richtige Familie hineingeboren wurden.

Warum suchen Mitglieder von Königshäusern die Nähe zu Superreichen?

Demokratie lebt jedoch vom Prinzip gleicher politischer Teilhabe. In republikanischen Systemen wird selbst ein zeremonielles Staatsoberhaupt gewählt – direkt oder indirekt. Niemand käme auf die Idee, das Amt des Bundespräsidenten zu vererben. Warum also wird es andernorts akzeptiert?

Die Skandale werfen eine zweite Frage auf: Warum suchen Mitglieder von Königshäusern immer wieder die Nähe zu Superreichen und zu Netzwerken, die sich demokratischer Kontrolle entziehen? Im Fall von Andrew war es die langjährige Verbindung zu Jeffrey Epstein – ein Kontakt, der das Haus Windsor in eine tiefe Vertrauenskrise stürzte. Und auch Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit geriet zuletzt unter Druck, weil in neu veröffentlichten Epstein-Unterlagen ein intensiver Austausch dokumentiert sein soll. Unterschiedliche Rollen, unterschiedliche Folgen – doch das Muster ist politisch heikel. Wo Legitimation nicht aus Wahl erwächst, wird Status leichter über Beziehungen, Zugang und Geldmilieus abgesichert. Die symbolische Spitze eines Staates aber sollte Distanz wahren – gerade zu jenen, deren Macht vor allem auf Vermögen und Verbindungen gründet.

In Republiken gibt es für Fehlverhalten klare Mechanismen

Rücktritt, Amtsenthebung, Abwahl: In Republiken gibt es für Fehlverhalten klare Mechanismen. In einer Monarchie bleibt oft nur der Rückzug ins Private oder der Entzug von Titeln. Das System selbst steht nicht zur Disposition, weil es auf Abstammung beruht. Verantwortung ist individuell, das Amt bleibt erblich. Befürworter verweisen zu Recht darauf, dass viele dieser Staaten stabile Demokratien sind. Die Zustimmung ist teils hoch, die Königshäuser gelten als identitätsstiftend. Doch auch eine akzeptierte Institution darf hinterfragt werden, wenn ihr Kernprinzip nicht mehr zeitgemäß ist.

Im 21. Jahrhundert wirken Monarchien aus der Zeit gefallen. Staaten sind keine Familienunternehmen. Politische Würde entsteht nicht durch Blutlinie, sondern durch Legitimation. Die Frage lautet daher nicht, ob einzelne Prinzen oder Prinzessinnen sich falsch verhalten haben. Sie lautet, warum moderne Demokratien noch akzeptieren, dass das höchste Amt im Staat vererbt wird. Tradition allein ist keine Begründung. Demokratie bedeutet Wahl. Alles andere ist Geschichte.

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