Buga23 RHEINPFALZ Plus Artikel Auftakt der Bundesgartenschau: Erste Besucher erkunden Gelände

1,3 Millionen Blumenzwiebeln sind auf dem ehemaligen Militärgelände rund um die einstige Spinelli-Kaserne gepflanzt worden.
1,3 Millionen Blumenzwiebeln sind auf dem ehemaligen Militärgelände rund um die einstige Spinelli-Kaserne gepflanzt worden.

Mit hohem Besuch und feierlichem Programm ist am Freitag die Bundesgartenschau in Mannheim eröffnet worden. Die Themen orientieren sich an den großen Fragen unserer Zeit.

„Der Insekten-Burger ist schon ausverkauft.“ Diese Bemerkung der 41-jährigen Besucherin Esther Braun zeigt schon, dass es bei der Bundesgartenschau, die am Freitag in Mannheim eröffnet worden ist, nicht nur um Blumen gehen soll. Neben Sommerfest und Pflanzenschau will die Veranstaltung in den nächsten 178 Tagen Experimentierfeld sein. Und neben Klima, Umwelt und Energie ist eben Nahrungssicherung eines der vier Leitthemen. Anknüpfungspunkte für die Politik gibt es also viele.

Zum Auftakt ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr auf das ehemalige amerikanische Militärgelände im Nordosten der Stadt gekommen. Eine Gartenschau sei keineswegs eine nebensächliche Veranstaltung, die vor allem für Hobbygärtner oder Erholungssuchende interessant sei, sagt das Staatsoberhaupt in seiner zehnminütigen Eröffnungsrede. „Eine Gartenschau, das ist vielmehr Ermutigung und Verpflichtung. Hier wird uns buchstäblich die grundlegende menschliche Aufgabe vor Augen geführt, unsere Welt zu bewahren, zu hüten, behutsam zu gestalten.“ Seine Botschaft ist klar: Jeder mit ein paar Quadratmetern Garten könne da etwas tun.

Gut fürs Stadtklima

Steinmeier lobt den Vorbildcharakter der Bundesgartenschau in Mannheim. Hier sei zu sehen, wie Stadtteile durch kluges Anlegen von Grünzügen die Lebensqualität und das Stadtklima verbesserten. Außerdem werde gezeigt, wie neuer Wohnraum geschaffen und gestaltet werden kann. 1800 Wohnungen sollen am Rande des Bundesgartenschau-Areals entstehen. Dass Mannheim mithilfe der Veranstaltung „einen richtig großen Schritt nach vorne“ mache, findet Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Das große Konversionsprojekt, ausgelöst durch den schrittweisen Abzug des amerikanischen Militärs vor gut zehn Jahren, hat von Anfang an das Ziel, die Stadt weiterzuentwickeln, Flächen für moderne Wohnformen und Gewerbe mit Freiräumen für Grün zu kombinieren. Und genau solch ein Freiraum soll das jetzige Buga-Gelände als Teil eines großen Grünzugs, der den Käfertaler Wald im Norden der Stadt mit dem Neckar verbindet, nach der Veranstaltung werden. Die „grüne Arterie eines Frischluftkorridors“, wie Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz das bei der feierlichen Eröffnung vor vielen geladenen Ehrengästen formuliert.

Doch jetzt ist erst einmal Bundesgartenschau. Neben dem zwischen den Stadtteilen Feudenheim und Käfertal gelegenen Hauptveranstaltungsort Spinelli ist der Luisenpark auf der anderen Seite des Neckars Teil des Großereignisses. Besucher können in nicht einmal zehn Minuten mit einer Seilbahn zwischen den beiden Orten pendeln. Richteten sich 1975 bei der ersten Mannheimer Bundesgartenschau noch alle Augen auf den Luisenpark, spielt die Musik am Eröffnungstag auf dem neuen 62 Hektar großen Gelände am Rand eines Landschaftsschutzgebiets. Eine riesige ehemalige Lagerhalle des US-Militärs in U-Form, allein schon architektonisch ein Hingucker, ist das Herzstück der Fläche. Hier gibt es im Laufe der sechs Monate 19 große Blumenschauen und vielfältige Ausstellungsbeiträge zu sehen. Mit einer Fläche von 6700 Quadratmetern ist an dieser Stelle außerdem das größte Solardach der Stadt installiert worden. Mannheim will schließlich nachhaltigste Buga aller Zeiten sein. Das ganze gastronomische Angebot ist ebenfalls in dieser U-Halle untergebracht.

Besucher schildern erste Eindrücke

„Mir gefällt es sehr gut. Ich bin aber noch ein bisschen überwältigt. Ich komme mir in der eigenen Stadt ein bisschen fremd vor“, sagt der 70 Jahre alte Ur-Mannheimer Tilman Braun. „Ich sehe das ja jetzt zum ersten Mal so.“ Die neuen Häuser, die in unmittelbarer Umgebung entstanden sind, empfindet er als „futuristisch“. Für Brigitte Weichert , ebenfalls mit kurzer Anreise, ist es selbstverständlich, gleich am ersten Tag hier zu sein. Als Erstes hat sie die Seilbahn gestestet. „Das war toll. Schade, dass sie nach der Veranstaltung wieder weg ist.“ Angesichts des rauen und wilden Geländes hier auf Spinelli hat Brigitte Weichert die Befürchtung, „dass auswärtige Besucher vielleicht etwas gefrustet sein könnten, wenn sie den geschichtlichen Kontext nicht kennen“.

Keineswegs gefrustet ist die Studentin Anna Laura Horbert, die mit ihrer Mutter aus Karlsruhe angereist ist. „Sehr schön“ findet sie es hier. Und das heißt schon was, denn die 26-Jährige ist vom Fach. Bei einem Förderwettbewerb für junge Landschaftsarchitekten hat sie den ersten Platz belegt. Ihr Siegerentwurf, ein Klimaschutzgarten, wird auf der Bundesgartenschau noch zu sehen sein. Und Esther Braun? Bis 8. Oktober dürfte sie noch viele Chancen haben, ihren Insekten-Burger zu genießen.

aufmacher

Alle Infos, Artikel und Geschichten zur Bundesgartenschau auf einen Blick!

Informationen zum Eintritt, den Dauerkarten oder der Anreise: Hier finden Sie alle Artikel zur Bundesgartenschau 2023 in Mannheim. Dazu gehören Fakten zur Seilbahn, ein Überblick über die Gastronomie und Erfahrungen der ersten Buga-Besucher. Außerdem erklären wir, wo Luisenpark und Spinelli-Park genau liegen, was auf der Bundesgartenschau erlaubt und verboten ist und berichten über Veranstaltungen und Events.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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