In eigener Sache Auf Wiedersehen sagt der bisherige Chefredakteur

Michael Garthe, ab 1. Juli Rentner.
Michael Garthe, ab 1. Juli Rentner.

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist Zeit! Nach 37 Jahren bei der RHEINPFALZ und 30 Jahren als deren Chefredakteur möchte ich mich heute von Ihnen verabschieden.

Ich habe das Glück, auf ein erfülltes Berufsleben zurückblicken zu können. Meine Arbeit war vielfältig, aufregend, manchmal abenteuerlich. Und ich durfte sie größtenteils in meiner Heimat, der Pfalz, ausüben. Nun kenne ich dieses herrliche Stückchen Erde fast wie meine Westentasche.

Ich habe viel gelernt über die unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen in West-, Ost-, Nord- und Südpfalz. Eines eint sie alle: Sie sind überzeugte Pfälzer, offen, liberal, meistens herzlich, insgesamt von einer Emotionalität, die ich mag.

750.000 Kilometer durch die Pfalz gefahren

Ein wenig Statistik: Etwa 30.000 Briefe und Mails an Leserinnen und Leser habe ich diktiert oder geschrieben. Etwa 750.000 Kilometer bin ich durch die Pfalz gefahren. Zwischen 90 und 110 Mal bin ich als Chefredakteur in jeder unserer 13 Lokalredaktionen gewesen. Auf etwa 1600 Veranstaltungen in der Pfalz war ich Gast, habe geredet, diskutiert oder moderiert.

Meine Richtschnur für die Führung der Redaktion waren feste Überzeugungen. Einige will ich nennen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Es ist der wichtigste Satz der Moderne. Er diente mir bei meiner Führung nach innen: Jedem der Redaktionsmitglieder und Verlagsangestellten mit demselben Respekt begegnen. Und politisch gesehen, ist es doch eindeutig: Würde dieser Satz heute auch in Russland, dem Iran oder China geachtet, wäre die Welt viel sicherer. Wer die Würde eines jeden Menschen achtet, kann niemals Rassist, Antisemit, Faschist, Nationalist oder Kommunist sein.

Demokratie verdient konstruktive Kritik

Die Demokratie ist, trotz all ihrer Mängel und Krisen, die beste aller Staatsformen. Sie verdient konstruktive Kritik. Wer sie verdammt, will sie mutwillig zerstören. Die Einigung Europas ist die erfolgreichste Friedensbewegung unseres Kontinents. Wer sie und das Europäische Parlament abschaffen will, führt Europa ins 19. Jahrhundert zurück. Damals ging es den Menschen viel schlechter als uns heute. Die deutsch-französische Freundschaft ist für ein Medium an der jahrhundertelang so umstrittenen Grenze zwischen Pfalz und Elsass sowie Lothringen-Moselle existenziell. Wir müssen sie hüten.

Ich bin Christ. Ich respektiere die anderen Religionen und die Atheisten. Für mich aber gibt es einen engen Zusammenhang zwischen den Werten des Christentums, der Würde des Menschen und der Demokratie. Auch die Einigung Europas hat einen starken christlichen Impuls.

Die Fundamente der RHEINPFALZ

Meine Frau und meine große Familie haben mich getragen. Ohne das tiefe Vertrauen meiner Assistentinnen, der Redaktion, der Verleger Dieter und Thomas Schaub, der Verlagsgeschäftsführer Rainer Bilz und Holger Martens sowie aller Verlagsabteilungen wäre ich niemals 30 Jahre Chefredakteur geblieben.

Ich danke den Hunderten freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Redaktion, den Fotografen, den Karikaturisten für ihre Arbeit aus Leidenschaft für die RHEINPFALZ. Nicht zuletzt danke ich den Zustellerinnen und Zustellern, ohne die die gedruckte Zeitung keine Abonnenten hätte.

An dieser Stelle aber ist mein wichtigstes Anliegen, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu danken für Ihr Interesse an unserer Arbeit. Für Ihr Lob und Ihre Kritik. Für die Geduld, die Sie mit mir und der Redaktion und unseren Schwächen und Fehlern hatten. Mein Nachfolger Yannick Dillinger und sein Team in der Chefredaktion aus Uwe Renners, Birgit Schwarz und Wolfgang Kreilinger haben Ihr Vertrauen verdient. Allen vier wünsche ich Erfolg, eine glückliche Hand und Gottes Segen.

Ich bin stolz auf „meine“ Redaktion und auf den RHEINPFALZ-Verlag.

Es war mir eine große Ehre, für Sie, liebe Leserinnen und Leser, so lange verantwortlich arbeiten zu dürfen.

Herzlichen Dank.

Machen Sie es gut.

Man sieht sich – in der Pfalz und drum herum.

Herzliche Grüße

Ihr

Michael Garthe

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