Rhein-Pfalz-Kreis
Neue Fünftklässler: Anmelderekord in Schifferstadt, viele Absagen an der IGS
Zehn neue fünfte Klassen an der Realschule plus in Schifferstadt im kommenden Schuljahr sprengen die Kapazitäten. Die ungewöhnlich hohe Nachfrage – bisher waren laut Kreisverwaltung sechs bis sieben fünfte Klassen üblich – lässt sich nach Angaben von Landrat Volker Knörr (CDU) nur teilweise erklären. „Natürlich genießt die Schule einen guten Ruf, zudem ist das Fachabitur vor Ort für viele Eltern ein Argument“, lautet seine Einschätzung im RHEINPFALZ-Gespräch.
Auch die Kreisverwaltung sei allerdings von den hohen Anmeldezahlen überrascht worden. Von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) fordere man in Zukunft deshalb eine bessere Steuerung der Schülerströme. „Offenbar haben die Schulen nahezu alle Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die sich beworben haben, und die ADD hat diesen Prozess als Aufsichtsbehörde nicht eng genug begleitet“, erläutert Knörr. Bisher habe das so offenbar auch funktioniert. Nun allerdings seien die Anmeldezahlen in Schifferstadt durch die Decke gegangen, während etwa die Siedlungs- sowie die Burgfeldschule in Speyer noch deutlich Luft hätten. „Aus unserer Sicht sollte deshalb auch im Kreis die Aufnahme an den Realschulen plus zunächst unter Vorbehalt stattfinden, so wie es für Ludwigshafen bereits umgesetzt wird“, sagt Knörr. Ziel müsse es sein, Übernachfragen zu bremsen und Unterbelegungen zu vermeiden.
Container statt Klassensaal
Um die zusätzlichen Klassen an der Schifferstadter Realschule plus unterzubringen, werden Knörr zufolge vier Container gestellt. „Prämisse ist, die Container auf ,toter Fläche’ zu platzieren, um Pausenflächen für die Kinder zu erhalten“, erläutert der Landrat. Weitere Container an weiterführenden Schulen müssten zwar nicht aufgestellt werden. „An der Realschule plus in Dudenhofen müssen wir allerdings Räume im Bestand umwidmen“, sagt Sven Pentner, zuständiger Abteilungsleiter für Schulen bei der Kreisverwaltung. Demzufolge wird in Dudenhofen ein Kunstsaal zum Klassensaal umgewandelt, während im Gegenzug aus einem großen Werkraum per Raumteiler ein Kunstsaal sowie ein Werkraum entstehen soll.
Konkret lauten die Anmeldezahlen der neuen Fünftklässler an weiterführenden Schulen des Rhein-Pfalz-Kreises fürs neue Schuljahr wie folgt: Realschule plus Schifferstadt 235 (Vorjahr: 179), Fachoberschule Schifferstadt 45 (Vorjahr 41), Realschule plus Limburgerhof 153 (Vorjahr: 150), Realschule Böhl-Iggelheim 76 (Vorjahr 78), Realschule Dudenhofen 74 (Vorjahr 74), Realschule plus Maxdorf 109 (Vorjahr 75), Realschule plus Bobenheim-Roxheim 75 (Vorjahr 71), Gymnasium Schifferstadt 184 (Vorjahr 152) sowie Gymnasium Maxdorf 106 (Vorjahr 118). Die Plätze an der Integrierten Gesamtschule Mutterstadt sind wie jedes Jahr auf 112 gedeckelt. Fürs kommende Schuljahr musste nach Angaben der Kreisverwaltung 131 Kindern eine Absage erteilt werden, die sich für die IGS beworben hatten.
Zusätzliche IGS im Norden?
Trotz der nach wie vor ungebrochen hohen Nachfrage nach Schulplätzen an der Integrierten Gesamtschule sieht Landrat Volker Knörr Forderungen nach einer weiteren IGS im Kreis-Norden jedoch eher kritisch. „Die bestehenden IGS-Standorte Mutterstadt und Frankenthal benötigen für stabile Oberstufen zusätzliche Schülerinnen und Schüler – auch aus den Realschulen plus“, betont Knörr. Bei der jüngsten Abiturfeier an der IGS Mutterstadt habe es schon jetzt „nur“ 47 Abiturientinnen und Abiturienten gegeben. „Eine im Verhältnis zur ursprünglichen IGS-Jahrgangsgröße von 112 Schülern eher kleine Zahl“, betont Knörr. Die Einrichtung einer zusätzlichen IGS im Kreis würde aus seiner Sicht deshalb zunehmende Schwierigkeiten für die Bildung von Abiturjahrgängen mit sich bringen. Laut Statistik wechseln im kommenden Jahr elf Schülerinnen und Schüler von Realschulen plus in die elfte Klasse und damit in die Oberstufe der IGS Mutterstadt, im vergangenen Jahr seien es 13 gewesen (2024: sechs, 2023: zwölf).
Im RHEINPFALZ-Gespräch nutzt Landrat Volker Knörr diese Zahlen für ein explizites Plädoyer zugunsten der Realschulen plus. „Der Besuch einer Realschule plus ist immer auch gleichbedeutend damit, einen durchlässigen Weg zum qualifizierten Abschluss, Fachabitur oder Abitur zu wählen – oft über die Fachoberschule oder über einen Wechsel in die gymnasiale Oberstufe“, betont der 50-Jährige, der selbst lange Jahre die Ludwigshafener Adolf-Diesterweg-Realschule plus geleitet hat.
Kreis setzt auf externe Projektsteuerung
Was die künftigen Anmeldezahlen an weiterführenden Schulen betrifft, rechnet der Kreis als Schulträger noch bis 2029 mit weiterem Druck – vor allem für jene Schulen, die dringend auf Modernisierung warteten, sei die Situation deshalb schwierig. Ursprünglich habe man mehrere Realschulen plus nacheinander sanieren und teils auch erweitern wollen, sagt Knörr. „Mit Start in Bobenheim-Roxheim, gefolgt von Böhl-Iggelheim und danach Dudenhofen.“ Da langwierige Genehmigungs- und Vergabeprozesse diese Reihenfolge jedoch ausbremsten, wolle der Kreis künftig auch auf externe Projektsteuerer setzen, um die Modernisierung der genannten Schulen parallel zu beschleunigen.