Mannheim Amokfahrt von Rosenmontag: „Nicht politisch motiviert“

Gedenken: Menschen legen nach der Todesfahrt von Mannheim am Paradeplatz Blumen und Kerzen nieder.
Gedenken: Menschen legen nach der Todesfahrt von Mannheim am Paradeplatz Blumen und Kerzen nieder.

Während Mannheim am Rosenmontag rund um den Wasserturm unbekümmert Fasnacht feierte, ereignete sich wenige Meter weiter in der Fußgängerzone eine tödliche Tragödie. Am Montag hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 40-jährigen Mann erhoben.

Wie bei den Amokfahrten in Magdeburg vor Weihnachten und in München am 13. Februar nutzte am 3. März ein Mann in Mannheim sein Fahrzeug als Waffe gegen Menschen. Anders als in der bayerischen und der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt hat der mutmaßliche Täter von Mannheim keinen Migrationshintergrund. Der 40-jährige Beschuldigte ist nach Behördenangaben Deutscher, er wohnte zuletzt allein in Ludwigshafen.

Rosenmontag: Großeinsatz in der Mannheimer Innenstadt
Rosenmontag: Großeinsatz in der Mannheimer Innenstadt

Die Staatsanwaltschaft Mannheim klagt den Landschaftsgärtner wegen Mordverdachts und versuchten Mordes an. Laut Anklage überfuhr er vom Wasserturm kommend gegen 12.14 Uhr eine rote Ampel und raste dann gezielt in der Fußgängerzone in Menschen. Eingangs der Planken erfasste er zwei Personen, wenige Hundert Meter weiter einen Fußgänger, am Paradeplatz dann zunächst zwei und danach drei Personen. Ein 54-jähriger Mann und eine 83-jährige Frau starben noch vor Ort, elf Menschen wurden teils schwer verletzt.

Nachkonstruierte Route der tödlichen Fahrt.
Nachkonstruierte Route der tödlichen Fahrt.

Gestoppt wurde der 40-Jährige damals durch einen Taxifahrer – ein Deutscher mit pakistanischem Migrationshintergrund –, der durch seine Heldentat bekannt wurde.

Versperrte dem mutmaßlichen Amokfahrer den Weg: Taxifahrer A. Muhammad zwei Tage nach dem Anschlag.
Versperrte dem mutmaßlichen Amokfahrer den Weg: Taxifahrer A. Muhammad zwei Tage nach dem Anschlag.

Nach Behördenangaben ist der 40-Jährige seit vielen Jahren psychisch krank. Nach wie vor ist das Motiv des Anschlags unklar. Einen politischen Hintergrund schließen die Ermittler aus.

Kontakte in Neonazi- und Reichsbürgerszene

Der Ludwigshafener ist vorbestraft, unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Laut des Recherchenetzwerks EXIF – hatte er bis 2018 Kontakte in die Neonazi- und Reichsbürgerszene. Dies steht laut Staatsanwaltschaft nicht im Zusammenhang mit der Tat. Der 40-Jährige sitzt bis zum Prozessbeginn weiter in Untersuchungshaft. Das Landgericht hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden.

In den Sozialen Medien war das Interesse an dem Fall abgeflaut, nachdem bekannt geworden war, dass der Tatverdächtige Deutscher ist. Die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte dazu: „ ... das öffentliche Interesse an solchen Vorfällen (ist) oft größer, wenn der mutmaßliche Täter ausländischer Herkunft ist. Das ist ein Problem, denn es verzerrt die Wahrnehmung der Fakten, verstärkt Vorurteile und heizt gesellschaftliche Konflikte unnötig an.“

Zu den Ereignissen am Rosenmontag in Mannheim berichteten wir in einem Liveblog

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