Ukraine-Krieg
Afrikas unfreiwillige Söldner für Russland
Anfangs ging Afrika eher zögerlich gegen Netzwerke vor, die Männer und Frauen für den Krieg gegen die Ukraine anheuern. Nun steigt der Druck auf Russland. Südafrikas Präsident intervenierte persönlich beim Kremlchef.
Der Fall hatte monatelang Priorität in Pretoria. 17 südafrikanische Zivilisten waren mutmaßlich unter falschen Versprechungen als Söldner für Russland in den Ukraine-Krieg gelockt worden, vermutlich unter Beteiligung einer Tochter von Ex-Präsident Jacob Zuma. Die Videos der verzweifelten Männer von der Front in der Ukraine, in denen sie um politische Hilfe baten, setzten die Regierung unter Druck und belasteten die Beziehungen zwischen den beiden BRICS-Staaten durchaus – allerdings dann doch nicht so stark, dass Südafrika im Januar auf eine gemeinsame Marineübung mit Russland, China und dem Iran vor der Küste Kapstadts verzichtet hätte.
Ruf nach Konsequenzen
15 Männer kehrten Ende Februar aus der Ukraine nach Südafrika zurück, zwei weitere befinden sich nach Angaben der Behörden mit schweren Verletzungen noch in Russland. Präsident Cyril Ramaphosa ließ über seinen Sprecher mitteilen, er habe Wladimir Putin seinen „aufrichtigen Dank“ für die Unterstützung bei der Rückkehr ausgesprochen. Außenminister Ronald Lamola fand deutlichere Worte. Er bestätigte den Tod von zwei Südafrikanern, die „Teil einer anderen Rekrutierungsaktion“ gewesen seien. Jeder, der an „diesen Machenschaften“ beteiligt sei, müsse zur Rechenschaft gezogen werden: „Es muss Konsequenzen geben.“
Im Fall der Südafrikaner sollten die Männer eigenen Angaben zufolge zu Bodyguards ausgebildet werden. Auch in zahlreichen anderen afrikanischen Ländern locken Vermittlungsagenturen in sozialen Medien mit Jobs, Trainings oder Ausbildungsprogrammen in Russland. Wer darauf eingeht, landet offenbar nicht selten an der Front. Die Ukraine spricht von mehr als 1700 Afrikanern aus 36 Ländern, die für Russland kämpfen und unter falschen Versprechungen angeworben worden sein sollen.
Auch auf ukrainischer Seite kämpfen freilich ausländische Kräfte. Nach der russischen Invasion rief Präsident Wolodymyr Selenskyj die „International Legion“ ins Leben und sprach offen von zehntausenden Interessenten. Medien berichteten auch über einzelne Freiwillige aus Afrika. Die Rekrutierung erfolgte jedoch über Botschaften und offizielle Plattformen, während bei den aktuellen Russland-Fällen der Vorwurf der Täuschung im Zentrum steht.
Gefängnisstrafen für Söldnertum
Ob afrikanische Kämpfer in russischen Diensten tatsächlich durchweg unter falschen Versprechungen angeworben wurden, bleibt schwer verifizierbar. In Südafrika wie in vielen anderen afrikanischen Staaten stehen auf Söldnertum hohe Gefängnisstrafen, was ein derartiges Geständnis unwahrscheinlich macht. Zu Beginn des Krieges standen zudem Hunderte Äthiopier vor der russischen Botschaft in Addis Abeba und wollten sich freiwillig für den Kampf in der Ukraine melden. Die wirtschaftliche Realität erklärt einen Teil dieser Dynamik. Fabrikarbeiter verdienen dort oft weniger als 30 Euro im Monat, ein Arzt rund 50 Euro.
Damals erklärte eine Sprecherin der russischen Botschaft, man rekrutiere in Äthiopien nicht. Russland bestreitet bis heute, im Ausland offiziell Kämpfer anzuwerben. Gleichzeitig erlaubt russisches Recht ausländischen Staatsbürgern, sich freiwillig den Streitkräften anzuschließen, sobald sie sich legal im Land befinden. Genau diese Grauzone kritisieren afrikanische Regierungen zunehmend: Bürger würden über Arbeitsversprechen nach Russland gelockt und dort in Rekrutierungsnetzwerke geraten – ein Vorwurf, den Moskau zurückweist.
Personalvermittler vor Gericht
Während die Drahtzieher in vielen afrikanischen Ländern lange relativ ungestört agieren konnten, geraten sie inzwischen zumindest vereinzelt stärker ins Visier der Ermittler. In Kenia steht derzeit ein Personalvermittler vor Gericht. Er habe 22 Kenianer „zum Zweck der Ausbeutung durch Täuschung“ rekrutiert. Ein Bericht des kenianischen Geheimdienstes spricht von bis zu 1000 Kenianern, die in den vergangenen Jahren für russische Einheiten angeworben worden sein könnten. Im Parlament war von einem „zutiefst beunruhigenden Netzwerk“ aus Menschenhändlern und mutmaßlich korrupten Beamten die Rede.
Auch Frauen geraten in den Sog des Krieges. Recherchen der BBC zeigen, wie junge Afrikanerinnen über Programme wie „Alabuga Start“ nach Russland gelockt wurden. Versprochen wurden Ausbildungsplätze in technischen Berufen, tatsächlich arbeiteten viele dann in Fabriken zur Produktion militärischer Drohnen.