Bundestagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel AfD feiert historisches Wahlergebnis

Alice Weidel, Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidatin der AfD, bei der Wahlparty am Sonntagabend in Berlin.
Alice Weidel, Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidatin der AfD, bei der Wahlparty am Sonntagabend in Berlin.

Das Migrationsthema gibt der AfD Auftrieb, ebenso wie die Wahlhilfe aus den USA. Jetzt wartet die Partei auf eine wankende CDU.

Von Christoph Link, Berlin

Jubel bricht aus unter den 100 handverlesenen AfD-Funktionären, als die erste Wahlprognose in die ganz in blau und mit Deutschlandfahnen dekorierte AfD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin-Wittenau übertragen wird. Spitzenkandidatin Alice Weidel löst sich von ihrem Nachbarn, dem Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke, aus der ersten Reihe, steigt auf die Bühne und sagt: „Liebe Freunde, wir haben ein historisches Ergebnis erzielt.“ Man sei im Bund noch nie so stark gewesen, man sei jetzt Volkspartei. Später wird sie ergänzen: „Unsere Hand ist ausgestreckt für eine Regierungsbeteiligung, wir sind bereit für eine schwarz-blaue Koalition.“

Eine Verdoppelung des Wahlergebnisses von der vorherigen Bundestagswahl vor dreieinhalb Jahren (10,4 Prozent), eine erneute Steigerung nach der Europawahl im Juni 2024 (15,9 Prozent) – ein fulminanter Sieg. Die rechtspopulistische Partei lässt den „Rotkäppchen“-Sekt strömen, im Innenhof des nüchternen AfD-Bürogebäudes, das noch nicht einmal ein Schild mit dem Parteinamen an der Haustür trägt, werden „Original Thüringer Rostbratwürste“ gegrillt.

Migration das Zugpferd im Wahlkampf

Neuerdings steht die Partei sogar international im Rampenlicht, seit US-Präsident Donald Trump, sein Vertrauter Elon Musk und der US-Vizepräsident J. D. Vance unverhohlen Wahlwerbung für sie machen. Und dies habe der Partei wohl auch etwas in Deutschland geholfen, sagt AfD-Sprecher Michael Pfalzgraf. Aber das wahre Zugpferd für die AfD, da sind sich auf der Wahlparty viele einig, war das Thema Migration, gefolgt von der Wirtschaftskrise und den hohen Energiepreisen. Die Anschläge von Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg und München, die hätten „etwas ausgelöst“, sagt der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Renner. Die Leute seien aufgewacht, sie hätten gemerkt, dass es mit der „Freizügigkeit“ an den Grenzen so nicht weiter gehe.

Was die AfD mit ihren Stimmengewinnen nun anfängt, steht auf einem anderen Blatt. Im Wahlkampf hat die Partei harte, radikale Töne angeschlagen, die ein Andocken an eine Regierung auch langfristig schwierig machen könnten. Weidel hatte im Bundestag das Wort „Remigration“ unverblümt benutzt. Die Radikalität hat der Wählergunst offenbar nicht geschadet.

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