Meinung
70 Jahre Bundeswehr: Respekt!
Die Bundeswehr ist unverzichtbar – nach 70 Jahren immer noch und heute mehr denn je. Es ist eine Armee, wie sie sich diese Republik nur wünschen kann. Damals war die Bedrohungslage ausschlaggebend für die Aufstellung eigener Streitkräfte 1955 angesichts der zunehmenden Konfrontation zwischen Ost und West, die Kalter Krieg genannt wurde. Die Bundeswehr hat zur Abschreckung beigetragen, die einen heißen Krieg des Ostblocks gegen die Nato verhindert hat. Die Bundeswehr ist erfolgreich, weil sie eine Friedensarmee ist.
Heute wütet in Europa ein heißer Krieg, der größte Krieg seit 1945. Ein Krieg gegen ein Land, das auf den Aggressor im Kreml keine abschreckende Wirkung hatte. Putin greift auch in Deutschland an mit Mitteln der hybriden Kriegsführung. Wieder ist es die Bedrohungslage, die den Ausschlag gegeben hat für eine Zeitenwende in der Verteidigung. Die Bundeswehr muss massiv aufwachsen, um ihre Aufgabe wieder erfüllen zu können. Die Bundeswehr wird gebraucht.
Verplemperte Jahre
Die Streitkräfte sind seit 70 Jahren in dieser Republik verankert, die Bundeswehr ist eine Armee der Republik – kein Fremdkörper, der ein gefährliches Eigenleben entfaltet. Es ist die Parlamentsarmee, es sind die Bürger in Uniform, die wir uns gewünscht haben. Ihre Soldaten schwören oder geloben, der Bundesrepublik treu zu dienen und unser Recht und unsere Freiheit tapfer zu verteidigen. Was ihre Soldaten feierlich beeiden, hat die Bundeswehr 70 Jahre lang eingelöst: Sie hat uns Bürgern treu gedient, unsere Demokratie verteidigt. Ihre Soldatinnen und Soldaten waren tapfer dort, wo sie der Bundestag hingeschickt hat. In Auslandseinsätzen seit 1992 sind 119 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.
Die Politik hat schnell viel Geld bereitgestellt, um die Streitkräfte so auszurüsten, dass sie ihren Verteidigungsauftrag wieder erfüllen können. Doch beim unumgänglichen enormen personellen Aufwuchs der Bundeswehr fehlt vielen offenbar die Einsicht. Hier sind bereits drei Jahre verplempert worden. Und immer noch meinen einige Abgeordnete der Regierungskoalition, eine Wehrpflicht sei nicht angemessen. Dabei sagen alle Fachleute, dass ohne sie ein schneller Aufwuchs der Bundeswehr inklusive Reserve auf das Doppelte ihrer aktuellen Größe – 460.000 Soldatinnen und Soldaten – nicht zu erreichen ist. Dabei geht die Bundesregierung davon aus, dass Russland bereits in wenigen Jahren die Nato angreifen könnte. Wer gegen die Wiedereinsetzung einer neuen Wehrpflicht ist, hat offenbar die Bedrohungslage nicht verstanden. Zumal immer deutlicher wird, dass das aktuell öffentlich genannte Personalziel der Streitkräfte deutlich zu niedrig angesetzt ist, um die Nato-Verpflichtungen zu erfüllen.
Streitkräfte müssen glaubhaft einsatzbereit sein. Ohne glaubwürdige Abschreckung wird ein Staat erpressbar. Sie ist auch eine Voraussetzung für erfolgreiche Diplomatie. Wir brauchen wieder mehr Bundeswehr, wie vor 70 Jahren. Zögern und Zaudern bedroht unsere Sicherheit, es schwächt die Abschreckung und erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Angriffe in Europa. Die Frauen und Männer unserer Streitkräfte sind bereit, ihr Leben zu riskieren, damit wir frei und sicher leben können. Das verdient allen Respekt.