Burgen in der Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Burgruine Guttenberg: Was verschwunden ist, verrät ein Vertrag

Burgruine Guttenberg – oder besser: Gutenburg. An den Balkenlöchern und der Rille erkennt man, wo das „steinerne“ – also nicht i
Burgruine Guttenberg – oder besser: Gutenburg. An den Balkenlöchern und der Rille erkennt man, wo das »steinerne« – also nicht in Fachwerk-Bauweise errichtete – Haus stand. Darüber: Bergfried-Rest.

1525 wurde die Gutenburg bei Dörrenbach von den Bauern zerstört. Wie sie zuvor während des Spätmittelalters aussah, zeigen Aufbaustudien des Architekten Arndt Hartung.

Viel ist nicht mehr da. Ein gemauertes Tor. Reste der Ringmauer. Einsame Bergfriedfragmente auf dem Oberburgfelsen. Und in der glatten Felsflanke darunter zwei lange Reihen aus Balkenlöchern. Das war’s auch schon, im Großen und Ganzen, an architektonischen Relikten. Dazwischen wuchert, ungestört ruinenromantisch, die Natur. Dabei war Burg Guttenberg, die in fast allen mittelalterlichen Urkunden „Gutenburg“ heißt, vor 600 Jahren eine recht ansehnliche Immobilie.

Der Eingang der Burg, die heutzutage recht versteckt im Oberen Mundatwald südlich von Bad Bergzabern liegt, wurde durch ein System aus drei aufeinander folgenden Toren gesichert. Erhalten ist davon das innerste Tor, dem jedoch der schriftlich verbriefte Wurferker abhandengekommen ist.

Auf der Oberburg ragten neben dem mittig platzierten Bergfried zwei weitere Türme auf: einer an der Südspitze des Felsenriffs, in Richtung Weißenburg blickend, der andere an der Nordspitze, nach Dörrenbach hin. Zwischen den drei Türmen standen mindestens zwei Wohngebäude.

Die Gutenburg im Spätmittelalter: Arndt Hartungs Aufbaustudie orientiert sich am Teilungsvertrag von 1427.
Die Gutenburg im Spätmittelalter: Arndt Hartungs Aufbaustudie orientiert sich am Teilungsvertrag von 1427.

Auch die westlich vorgelagerte Unterburg war dicht bebaut. Es gab dort ein „steinernes“, ein „altes“ und ein „hinterstes Haus“, dazu eine Scheune, ein Backhaus, eine Zisterne und ein Gefängnis. Die bereits erwähnte Doppelphalanx aus Balkenlöchern gehörte zum „steinernen Haus“. Sie lässt noch gut die Dimensionen und die Geschosseinteilung des Gebäudes erahnen. An der langen Rille darüber erkennt man, wo das Pultdach ansetzte.

Teilungserklärung von 1427

Von allem, was verschwunden ist, wissen wir durch einen Vertrag aus dem Jahr 1427. In ihm teilten die damaligen Besitzer der Gutenburg, Herzog Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken und Graf Emich VII. von Leiningen (nach älterer Zählung der VI.), die Gebäude der Anlage unter sich auf. Dabei hatten die hohen Herren keineswegs vor, auf der Gutenburg zu residieren. Vielmehr ging es, ganz schnöde, um Eigentumsrechte und Zuständigkeiten.

Erhalten: das dritte Tor.
Erhalten: das dritte Tor.

Bewohnt wurde die Gutenburg zum damaligen Zeitpunkt lediglich von einem Amtmann, seinem Knecht, zwei Torwächtern, einer Viehmagd und einem „Keller“, dessen Job es war, Abgaben aus jenen Dörfern einzutreiben, die zur Burg gehörten. Dies waren Dörrenbach, Rechtenbach, Dierbach, Minfeld, Freckenfeld, Kandel, Minderslachen, Niederhorbach sowie Ober- und Niederotterbach.

Der Landauer Architekt Arndt Hartung erstellte im Mai 1934 diese Aufbaustudien der Gutenburg.
Der Landauer Architekt Arndt Hartung erstellte im Mai 1934 diese Aufbaustudien der Gutenburg.

Eine plausible Idee, wie die Gutenburg in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ausgesehen hat, vermitteln die Aufbaustudien, die der burgenbegeisterte Landauer Architekt Arndt Hartung 1933/34 anfertigte. Auch Hartung orientierte sich für seine Rekonstruktionszeichnungen an der Teilungserklärung von 1427. Weil darin dem Leininger das Recht eingeräumt wird, den alten Südturm abzureißen, zeigen seine Skizzen, die im Stadtarchiv Landau aufbewahrt werden, anstelle des aufgelisteten Turms einen größeren Wohnbau.

Zurück zu den Anfängen

Mit dem 1427 ausgestellten Vertrag sind wir bereits im ausgehenden Mittelalter. Doch wo liegen die Anfänge der Gutenburg? Besonders interessant für die frühe Geschichte der Burg ist eine Urkunde, die im August 1174 unter dem Vorsitz von Kaiser Friedrich Barbarossa in Weißenburg, dem heutigen Wissembourg, ausgestellt wurde. Unter den Männern, die in diesem Schriftstück eine Schenkung an das Kloster Eußerthal bezeugen, befindet sich nämlich auch ein gewisser Ulrich von Gutenburg.

Dass sich dieser „edelfreie“ Herr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach unserer Gutenburg nannte, erklärt sich durch den topographischen Kontext, in dem auch die übrigen Zeugen – Berengar von Neukastel, Burchard und Drushard von Kästenburg sowie der Vogt des Heiligen Forstes bei Hagenau – zu Hause sind. Damit ist klar, dass es die Gutenburg 1174 bereits gegeben haben muss.

War er einer der ersten Burgherren? Minnesänger Ulrich von Gutenburg im Codex Manesse.
War er einer der ersten Burgherren? Minnesänger Ulrich von Gutenburg im Codex Manesse.

Einen Ulrich von Gutenburg kennt indes auch die Manessische Liederhandschrift. Sie überliefert für ihn ein hübsches „Amsellied“ und einen Minne-Leich. Könnte Barbarossas Weißenburger Zeuge, der nochmals 1186 im Gefolge des Stauferkaisers aktenkundig wird, also auch ein Dichter gewesen sein?

Zweierlei spricht dafür, den Minnesänger Ulrich, der auf dem Autorenbild des Codex Manesse mit extravagantem Pfauenhut zur Falkenjagd reitet, mit dem Ulrich der Urkunden zu identifizieren. Zum einen passen die Lebensdaten: Vom Dichter wissen wir, dass er definitiv vor 1220 starb. Zum anderen sehen Literaturwissenschaftler stilistische Verflechtungen zwischen Ulrich von Gutenburg und dem 1190 gestorbenen Minnesänger Friedrich von Hausen, der als Ministeriale ebenfalls im Dienst Barbarossas stand und auch aus dem pfälzischen Raum stammte, nämlich von einer Wasserburg bei Mannheim.

Indizien für eine Reichsburg

Dass die „gute“, also gut befestigte Burg außerdem eine Reichsburg war, offenbart sich 1246, als Isengard von Falkenstein in Vertretung ihres Mannes, des Reichstruchsess’ Philipp von Falkenstein, die Burgen Trifels, Anebos, Neukastel, Falkenburg, Spiegelberg – und die Gutenburg – an König Konrad IV., den Sohn von Stauferkaiser Friedrich II., übergibt. Entsprechend gehörte die Burg zu jenen Reichsgütern, die Rudolf von Habsburg, von 1273 bis 1291 deutscher König, zum Gegenstand seiner „Revindikationspolitik“ machte.

Trümmer mit Aussicht: Reste des Bergfrieds.
Trümmer mit Aussicht: Reste des Bergfrieds.

Während des Interregnums hatten die Herren der unweit gelegenen Burg Fleckenstein die Gutenburg in ihren Besitz gebracht. Widerrechtlich, wie König Rudolf fand. Also forderte er die Burg 1283 zurück, um sie, wenige Jahre später, an die Grafen von Leiningen zu verpfänden.

Weil aber einer von Rudolfs Nachfolgern, König Ludwig der Bayer, die Reichsburg 1330 auch an seine Neffen, die Pfalzgrafen Rudolf II. und Ruprecht I. bei Rhein, verpfändete, etablierte sich im Laufe des 14. Jahrhunderts ein Kondominat für die Gutenburg, eine Doppelherrschaft, bestehend aus den Leininger Grafen und der Kurpfalz.

Alle Zimmer sind verschwunden, aber die Aussicht ist grandios: Auch die Südspitze der Gutenburg war einst bebaut.
Alle Zimmer sind verschwunden, aber die Aussicht ist grandios: Auch die Südspitze der Gutenburg war einst bebaut.

1410 wurde das Territorium der Pfälzer Kurfürsten unter den vier Söhnen von Pfalzgraf Ruprecht III., der ab 1400 auch deutscher König gewesen war, aufgeteilt. Die Gutenburg gehörte – wie die Falkenburg bei Wilgartswiesen und die heute verschwundene Wasserburg in Minfeld – zum Erbteil von Ruprechts Sohn Stephan. Auf diese Weise entstanden jene Besitzverhältnisse, die wir aus der Teilungserklärung von 1427 bereits kennen.

Von den Bauern gestürmt

So pedantisch man damals das Bestehende aufteilte, so wenig investierte man in den folgenden Jahrzehnten offenbar in die verteidigungstechnische Qualität der Anlage. Das wurde der Burg zum Verhängnis, als sich die Bauern 1525 auch in der Pfalz gegen ihre feudalen Ausbeuter und Unterdrücker erhoben. Während des Bauernkriegs stürmte der lothringische Kolbenhaufen die nur schwach besetzte Burg. Das war das Ende.

Die Gutenburg wurde danach nicht wieder aufgebaut, vermutlich, weil die Anlage auf dem 503 Meter hohen Schlossberg bei Oberotterbach ihren militärischen Wert längst verloren hatte. Stattdessen musste sie in der Folgezeit als „Steinbruch“ herhalten, was erklärt, warum von der Burg nur noch so wenig aufgehendes Mauerwerk übrig ist.

Ebenfalls sehenswert: die Wehrkirche in Dörrenbach mit befestigtem Friedhof (14. bis 16. Jahrhundert).
Ebenfalls sehenswert: die Wehrkirche in Dörrenbach mit befestigtem Friedhof (14. bis 16. Jahrhundert).

Der Amtssitz der Herrschaft wurde nach Dörrenbach verlegt. Als Gerichtsort diente dort die Kirchenburg, deren Friedhof seit dem frühen 14. Jahrhundert befestigt war. Während das vorzüglich erhaltene Ensemble um die Dörrenbacher Wehrkirche vom Schutzbedürfnis und Verteidigungswillen der Dorfbevölkerung während des Spätmittelalters kündet, besticht die Ruine der Gutenburg durch landschaftliche Reize. Denn mögen auch all ihre Zimmer verschwunden sein – die herrliche Aussicht über den Oberen Mundatwald ist geblieben.

Auch der Felskopf am nördlichen Ende des Oberburgfelsens trug ehedem einen Turm.
Auch der Felskopf am nördlichen Ende des Oberburgfelsens trug ehedem einen Turm.

Wegweiser

Burgruine Guttenberg im Mundatwald bei Oberotterbach ist frei zugänglich, lässt sich aber nur zu Fuß erreichen: 1,7 km ab Wanderparkplatz „Drei Eichen“ bei Böllenborn, 4 km ab Waldparkplatz „Staffelsberg/Am Bild“ bei Dörrenbach.

Mit mittelalterlichen Fresken ausgemalt: Chor im massiven Turm der Wehrkirche in Dörrenbach.
Mit mittelalterlichen Fresken ausgemalt: Chor im massiven Turm der Wehrkirche in Dörrenbach.
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