Wandertipp
Weitsicht, Wissen und Wohlfühl-Momente: Expo-Runde in Kirrweiler
„Expo 2000 in der Verbandsgemeinde Maikammer. Rundweg Kirrweiler“. Das wie ein Pfeil geformte weiße Schild neben einer Infotafel, die über den „Grünen Brückenschlag vom Ortsrand in die Flur“ informiert, macht neugierig.
Eigentlich wollten wir den Biblischen Lehrpfad unter die Füße nehmen, doch dann folgen wir der Expo-Markierung – und sind überrascht, wie die Flurbereinigung vor nahezu 30 Jahren Ökonomie, Ökologie und Dorferneuerung unter einen Hut brachte. Doch von vorne.
Offiziell beginnt der Expo-Rundweg in Kirrweiler am Edelhof, genauer: auf dem Parkplatz in den Forstgärten. Seine Entstehung sei dem Flächenmanagement zu verdanken, lesen wir. Ebenso die Renaturierung des Kropsbachs, den wir überqueren. Hier wird die Theorie durch eine Sehenswürdigkeit aufgelockert: die Kirche Kreuzerhöhung.
Das architektonische Kleinod setzt sich aus mehreren Bauteilen unterschiedlicher Epochen zusammen. Der älteste Bauabschnitt, der Turm, wurzelt im 13. Jahrhundert. Dem entgegen steht die weiß getünchte, von Sandsteinpfeilern eingefasste und von einem Schweifgiebel mit seitlichen Voluten bekrönte Barockfassade mit der Eingangspforte aus dem Jahr 1747. Statt dem Expo-Pfeil zum Dorfbrunnen zu folgen, umrunden wir die Kirche und halten einen Moment im atmosphärischen Pfarrgarten inne. Über ein paar Stufen geht es hinab in die Marktstraße, der wir nach links folgen. Bald wieder auf dem Expo-Weg laufen wir weiter geradeaus bis zur Marienkapelle beim Friedhof. Ab hier führt die Runde entlang des Biblischen Weinpfads mit seinen unterhaltsamen und informativen Stelen – geradewegs zum Nickelsee.
Der Teich ist gerade trocken gefallen, was gut für die Frösche und Kröten sein soll, die in den flachen Resttümpeln laichen. Hinter dem Weiher führt die Route weiter auf dem Bibelpfad und parallel zurück in Richtung Kirrweiler. Schilder mit schönen Widmungen und romantischen Gedanken vor jungen Mandelbäumchen ziehen nun die Aufmerksamkeit auf sich: Wir sind in der Hochzeits- und Jubiläumsallee. Immer wieder schweift der Blick auch über die Reben zum Haardtrand mit Kropsburg und Hambacher Schloss, während die Seele baumelt. Wer bei schönem Wetter unterwegs ist, findet etliche Sitzgruppen und Bänke zum Ausruhen und Picknicken. Beispielsweise unter der stattlichen Libanon-Zeder mit Gedenkschild an die im Libanon verfolgten Christen.
Während hier der Bibelpfad nach links abzweigt, führt der Expo-Weg nach rechts Richtung Autobahn und danach von Gabionen abgeschirmt ein Stück parallel dazu um den Ort herum. Fast schon haben wir geistig mit unserem Ausflug abgeschlossen, als wir die versteckte Idylle des Schlossweihers entdecken. Eine einsame Ralle zieht darauf ihre Kreise, Amseln und Spatzen zwitschern im Gebüsch. Still und beschaulich schenkt uns die Szenerie einen Moment der Ruhe. Wie durch eine Laube spazieren wir am Ufer entlang, erreichen wieder offenes Land – und wundern uns erneut: Rechterhand wachsen in einem Gärtchen Grünkohl und Kartoffeln, daneben machen sich Glanrinder im Stall über frisches Heu her. Ein Tier nutzt die Chance, sich an einer clever erdachten Vorrichtung in Ruhe den Rücken zu bürsten.
Flurbereinigung hin, Dorferneuerung her: Vor allem Erlebnisse wie diese sind es, die den Expo-Weg in Kirrweiler zu einem lohnenden Ausflugsziel machen.
Expo-Weg in der Verbandsgemeinde Maikammer
Konzept: Im Jahr 2000 entstand im Zusammenhang mit der Weltausstellung Expo in Hannover der Expo-Weg in der Verbandsgemeinde Maikammer, der sich auf weitgehend befestigten Feldwegen mit den Themen Weinbau, Strukturwandel und Biotopvernetzung beschäftigt. Auf Infotafeln sind praktische Beispiele für Maßnahmen erörtert, die wirtschaftliche, dorfplanerische und ökologische Faktoren verbinden. Der komplette Weg ist rund 26 Kilometer lang. Er umfasst drei auch getrennt voneinander funktionierende Rundwege, die durch ebenfalls markierte Etappen miteinander verbunden sind. Der Einstieg ist an mehreren Stellen möglich, wo Schilder mit Karten für den Überblick sorgen.
Drei Rundwege: Der Rundweg in St. Martin wird als mittelschwer eingestuft und ist rund 5,8 Kilometer lang, wobei anstrengende Steigungen zu bewältigen sind. Der Rundweg in Maikammer gilt als einfach bis mittelschwer und ist etwa 7,4 Kilometer lang. Der 5,8 Kilometer lange Rundweg in Kirrweiler ist durchweg eben und befestigt und auch für Radfahrer und Familien prima geeignet. Teilstücke des Expo-Wegs in Kirrweiler streifen den 2,5 Kilometer langen Biblischen Weinpfad (Start: Marienkapelle, Friedhof), den 13 Kilometer langen Kunstpfad (Start: Freiheitsbrunnen, Hauptstraße) und den 5 Kilometer langen Blücher-Rundweg (Start: Forstgärten)
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Weitere Tipps: https://kirrweiler.de/ zu-besuch/wandern/; Infos: i-Punkt, Kirchstraße 18, Tel. 06321 5079



