Unterwegs im Odenwald RHEINPFALZ Plus Artikel Im Reich feuerspeiender Fabelwesen: Drachentour in Lindenfels

Thront auf einem Bergsporn über dem Weschnitztal: Burg Lindenfels.
Thront auf einem Bergsporn über dem Weschnitztal: Burg Lindenfels.

Drachen begegnen dem Spaziergänger in Lindenfels an jeder Ecke. Nicht von ungefähr nennt sich der Ort im inneren Odenwald Burg- und Drachenstadt. Ein Erlebnisbericht.

Das Gemäuer wirkt entrückt, wie es auf dem Bergsporn hoch über dem Weschnitztal thront. Zwischen 1077 und 1088 wurde Burg Lindenfels in der Lorscher Chronik als „Slirburc“ erwähnt – wohl nach dem Ort Schlierbach benannt. Vermutlich handelte es sich dabei noch um eine Erd-Holz-Befestigung. Erbauer der Burg Lindenfels soll ein Graf Bertolfus gewesen sein, wie es in den Annalen steht. Mit ihm zusammen soll Lindenfels jedenfalls 1123 erstmals urkundlich erwähnt worden sein. Die immer noch stattliche Ruine gilt damit als die am frühesten dokumentierte ihrer Art im inneren Odenwald. Zu den Burgherren zählte auch Konrad von Hohenstaufen, der Bruder von Kaiser Barbarossa.

Blick vom Bürgerturm mit der Fahne des Drachenmuseums.
Blick vom Bürgerturm mit der Fahne des Drachenmuseums.

Heute ist die Burg Wahrzeichen des heilklimatischen Kurorts, der sich idyllisch in die waldreiche Berglandschaft schmiegt. Eine kurvenreiche Straße führt hinauf – und mitten hinein in eine sagenhafte Welt der Drachen. Mit dem Attribut der Burg- und Drachenstadt schmückt sich das Städtchen zu Füßen des Gemäuers nicht von ungefähr. Ritter laufen einem in Lindenfels freilich höchstens sporadisch oder beim jährlichen Mittelaltermarkt über den Weg. Doch Drachen begegnen Gästen an jeder Ecke: Sie hängen im Drachengarten unter einem Hüttendach, fallen als bunt lackierte Skulptur nahe der Burg in den Blick, umschlängeln dekorativ eine Sitzgelegenheit, zieren als Zeichnung manche Wand und als Logo ein Banner, das über dem Bürgerturm weht.

Im Altbau: Deutsches Drachenmuseum.
Im Altbau: Deutsches Drachenmuseum.

Aber das alles ist nur ein Vorgeschmack, denn eine ungleich größere Vielfalt feuerspeiender Sagengestalten offenbart das Deutsche Drachenmuseum. Die originelle Sammlung für die ganze Familie erstreckt sich über drei Etagen. Textilien, Gemälde, Ikonen, Grafiken, Stiche, Zeichnungen, Scherenschnitte, Schnitzereien, Wandschmuck, Bücher, Karikaturen, Briefmarken, Geldscheine, Münzen, Schmuck, Spielzeug ...: In jedem Winkel des mit turmförmigen Gauben und stattlichem Erker ausgestatten Hauses „Baureneck“ offenbart sich Interessantes zum Thema.

Über den Köpfen: Metalldrache in einem Pavillon.
Über den Köpfen: Metalldrache in einem Pavillon.

Hier lässt es sich ausgiebig stöbern, studieren und staunen, wobei sich ungeahnte kulturhistorische Hintergründe erschließen. Und nicht nur das: ein mächtiger T-Rex-Schädelabguss und der Abguss eines Archäopteryx fallen in den Blick. Ob Saurier zur Entstehung des Drachenmythos beigetragen haben? Das legen zumindest Fotos von Saurierknochen nahe. Aber mögliche weitere Erklärungen liefern auch Bilder von früher nicht rational erklärbaren Naturereignissen und von allerlei drachenähnlichen Lebewesen. Rund um die Welt führt die Museumsreise, aber auch in die Tiefen des westlichen Drachenmythos: „Im abendländischen Kulturkreis verkörpert der Drache vorwiegend Gefahr und Bösartigkeit, ist aber auch das Symbol für Mut und Stärke“, informiert Peter Kurfürst, Vorsitzender des Betreibervereins Deutsches Drachenmuseum und verweist auf das Nibelungenlied mit Siegfried als furchtlosem Drachentöter.

Von Drachen umzingelt: Sitzbank.
Von Drachen umzingelt: Sitzbank.

Eine Faksimile-Ausgabe der Handschrift „C“ des Nibelungenliedes gilt als Prunkstück im Museum. Laut Kurfürst findet sich das Original in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Zudem bildet die Schau die fernöstliche Drachensymbolik ab: „In China ist der Drache das Symbol für Stärke, Kraft, Mut und Glück“, führt Kurfürst aus. Auch im weiteren asiatischen Raum wie Korea, Japan, Vietnam, Indonesien gelte der Drache als Sendbote des Himmels, als Donner-, Wolken- und Regengott. „Er steht dort für Glück und Wohlstand“, erklärt der Experte – und vor Ort belegen das zahlreiche Exponate und Bilder. Wer sich mit diesem Teil der Schau näher beschäftigt, wird sich nicht mehr über Drachen wundern, die auch in unseren Breiten manches chinesische Lokal zieren. Hintergründe zum beliebten Brauchtum der Papierschlange mit Drachenkopf zum chinesischen neuen Jahr erschließen sich ebenfalls. Wir begegnen Fantasy-Drachen aus Filmen und Drachen in Wappen. Kinder können in eine Drachenhöhle kriechen, alle zusammen per Video in die Drachenwelt eintauchen. Und wer nicht genug davon bekommen kann, spaziert durch den von den Sagengestalten bevölkerten Drachengarten zum Bürgerturm, wo unter anderem Jahrtausende alte Drachendarstellungen zu sehen sind.

Lindenfels-Infos

Deutsches Drachenmuseum

Das Haus „Baureneck“, In der Stadt 2, in Lindenfels im Odenwald beherbergt das Deutsche Drachenmuseum. Regelmäßige Öffnungszeiten des Museums: Sa, So und Feiertage, 14-17 Uhr; zusätzliche Öffnungszeiten in den Schulferien von Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz: Di 15-17 Uhr; Führungen und Kindergeburtstage nach Vereinbarung: Tel. 06255 4071, E-Mail: info@deutsches-drachenmuseum.de. Weitere Informationen:

www.deutsches-drachenmuseum.de

Bürgerturm in Lindenfels

Hinter der evangelischen Kirche steht der „Bürgerturm“ – ein Bauwerk der ehemaligen Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Er ist wie die Burg selbst architektonische Sehenswürdigkeit, Wahrzeichen der Stadt und zugleich Aussichtspunkt. Der Turm ist über eine Wendeltreppe begehbar und zeigt in seinem Innern Drachendarstellungen verschiedener Kulturen und Epochen. Das Dach besteht aus einer achteckigen Glaspyramide. Auf der Plattform bietet sich Schwindelfreien eine herrliche Rundumsicht über Lindenfels und die Umgebung. Der Bürgerturm ist täglich geöffnet, in den Sommermonaten 9-19 Uhr, in den Wintermonaten 10-17 Uhr.

Drachengarten

Zwischen Drachenmuseum und Bürgerturm befindet sich der Drachengarten mit Drachenskulpturen und „Drachentempel“ (täglich geöffnet, Sommermonate 9-19 Uhr, Wintermonate 10-17 Uhr).

Burg Lindenfels

Eine Besichtigung der Burg Lindenfels ist kostenfrei möglich. Am Fuße der Burg findet sich ein schöner Rundweg durch eine Parkanlage mit vielfältigem Kräutergarten, vielen Sitzmöglichkeiten und schönen Aussichtspunkten. Der Anfahrtsweg zur Burg führt über die B 47 (Nibelungenstraße) nach Lindenfels. Der Ausschilderung „Stadtmitte“ folgend, erreichen Gäste den Parkplatz „Burgstraße“ unterhalb der Burg. Von dort sind es fünf bis zehn Minuten zu Fuß zur Burg.

Historische Stadtführungen

Der Kur- und Touristikservice bietet allerlei Führungen an, Infos finden Sie hier. Infos/Buchungen unter Telefon 06255 30644 und per E-Mail an touristik@lindenfels.de

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