Barbelroth
Die beste Vorleserin des Landes kommt aus der Südpfalz
Lill Larsen aus Barbelroth mag die Welt der Worte sehr. Und zwar so sehr, dass sie schon in der zweiten Klasse von ihrer damaligen Lehrerin gefragt wurde, ob sie mal bei einem Lesewettbewerb mitmachen möchte. Die heute 12-Jährige zögerte damals noch. In der dritten Klasse fasste sie sich aber ein Herz und gab ihr Debüt mit einigen Passagen aus der Bücherreihe von „Mein Lotta-Leben“ – mit Erfolg, denn sie gewann den Wettbewerb.
Ein Jahr später überzeugte sie als Viertklässlerin erneut, mit dem Buch „Täglich grüßt der Camembert“, ebenfalls aus der „Mein Lotta-Leben“-Reihe. Trotz Halsweh gewann sie auch diesen Wettbewerb. Jetzt, in der sechsten Klasse, entschieden die anderen Klassenkameraden, wer zum Landeswettbewerb am Rittersberg-Gymnasium in Kaiserslautern gehen sollte. Alle waren für Lill. Sie las Passagen aus dem Buch „Irgendwo ist immer Süden“ von Marianne Kaurin vor.
Reise zum Bundesentscheid im Europa-Park Rust
Später erklärte ihr eine ihrer Freundinnen: „Du gehst immer so mit beim Vorlesen. An deinem Gesicht kann man die Gefühle erkennen. Und das macht Spaß.“ Die 12-Jährige grinst und erklärt: „Ich müsste mich selbst mal filmen beim Vorlesen. Sowas war mir gar nicht bewusst.“ Auf ihre Freundinnen sei aber auch Verlass, sagt Lill. „Die meinen, auch wenn ich nicht gewinne, finden sie mich toll. Und Geschenke bekomme ich auch immer von denen. Ich finde, die Mädels sind alle toll“, erzählt sie freudestrahlend. Jedenfalls steht nicht nur ihre sechste Klasse der Gemeinsamen Orientierungsstufe am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern hinter ihr.
In Rheinland-Pfalz nahmen dieses Jahr 29.980 Sechstklässler aus 373 Schulen am Vorlesewettbewerb teil. Am Ende blieb eine übrig, die besser vorliest als alle anderen: Lill Larsen aus Barbelroth. Nun steht sie in den Startlöchern, um den ganz großen Sieg beim Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels abzuräumen. Aus allen 16 Bundesländern kommen am 24. Juni im Europa-Park in Rust die jeweiligen Landessieger zusammen.
Einige Tage vor dem Wettbewerb heißt es lesen, lesen, lesen
Lill wird schon einen Tag vorher mit der ganzen Familie anreisen. Zuerst steht ein Willkommensrundgang durch den Park mit allen 16 Teilnehmern an. Am großen Tag geht es erst einmal ab in die Maske. „Da wird abgepudert“, erklärt die Mama von Lill. Denn der Wettbewerb wird gefilmt und auf der Toggo-App von Super RTL präsentiert. „Wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, werde ich schon ein bisschen hibbelig“, gesteht Lill. „Aber die Vorfreude ist größer.“
Wenn die 12-Jährige nicht gerade liest, macht sie gerne Sport. Tennis, Volleyball und Leichtathletik stehen auf dem Programm. Außerdem ist sie seit dem Kindergartenalter in der Ballettschule und mittlerweile auch Mitglied in der Jugendfeuerwehr im Ort. Von ihren Vorlesewettbewerben und ihren Siegen will sie eigentlich nicht so viel erzählen. Vor allem nicht von dem Wettbewerb, der jetzt bald ansteht. „Wenn ich das erzähle, werde ich schon nervös. Da behalte ich es lieber für mich“, erklärt sie.
In den bisherigen Wettbewerben durfte sie aus ihren eigenen Büchern drei Minuten lang vorlesen. Dazu kam ein Fremdtext von etwa zwei Minuten. Im Bundesentscheid sieht es allerdings etwas anders aus. Etwa eine Woche vorher bekommt sie eine Liste mit zehn Büchern zugeschickt. Davon darf sie sich eins aussuchen. Nach dem Erhalt des ausgewählten Buches heißt es dann dranbleiben und lesen, lesen, lesen.