Cocktail-Rezept So überzeugt Glühwein im Cocktail
So manch einer hat sie in diesen Tagen noch in der Küche herumstehen: eine Flasche Winzerglühwein von der letzten Weihnachtsfeier. Nun könnte man sich diese einfach warm machen und daheim genießen. Doch nach all den Weihnachtsmärkten hat man vielleicht schon genug davon. Warum nicht mal einen Cocktail damit zubereiten?
Wer an den Klassiker Boulevardier denkt, hat in der Regel ein Mixgetränk aus Bourbon, Campari und süßem Wermut im Kopf – eine Art Negroni mit Whiskey anstelle von Gin. Doch Wermut ist im Grunde ja aromatisierter Wein – ganz wie Glühwein eben. Da liegt es nahe, ihn einmal durch Glühwein zu ersetzen – zumindest, wenn die Gewürze in den Gesamtkontext passen. Tatsächlich bietet sich das genau bei diesem Drink an, denn Campari und Whiskey haben genug Charakter, um mit Zimt- und Nelkennoten umzugehen.
Glühwein statt Wermut
Wermut steuert im Boulevardier eine milde Süße und eine feine Kräuterwürze bei. Glühwein enthält ähnliche Aromen, ist aber deutlich winterlicher gewürzt. Trotzdem sollte man ihn nicht in jedem Cocktail einfach anstelle von Wermut verwenden. Manche Rezepte leben von einer ganz bestimmten Balance zwischen Bitterkeit und Trockenheit, die Glühwein eventuell zu süß und zu opulent werden lässt. Beim Boulevardier hingegen setzt sich das robuste Zusammenspiel aus Bourbon und Campari durch, sodass die würzige Süße des Glühweins wunderbar hineinpasst.
Man sollte nur darauf achten, dass es sich um Winzerglühwein handelt. Das ist nämlich eine geschützte Bezeichnung für Glühwein, der nur aus Wein, Gewürzen und Aromen bestehen darf. Saft oder andere Zusätze sind nicht erlaubt und zum Süßen darf nur natürlicher Zucker verwendet werden.
Der Boulevardier stammt aus den 1920er-Jahren und verdankt seinen Namen angeblich einem gleichnamigen Magazin, das damals in Paris herausgegeben wurde. Die Rezeptur ist im Grunde rasch erklärt: Whiskey statt Gin, Campari als bitteres Gegengewicht und ein Schuss süßer Wermut. Wer nun Glühwein einsetzt, sollte darauf achten, dass er kalt ist und nicht zu viel Zucker enthält. Am besten funktioniert ein eher vollmundiger Glühwein mit kräftigen Gewürzen – Nelken, Sternanis, Zimt, Orange.
Die Zutaten (4 cl Bourbon, 2 cl Campari, 2 cl Glühwein) in ein Rührglas mit Eiswürfeln geben, gut verrühren und in ein gekühltes Glas abseihen. Zur Dekoration bietet sich eine Orangenzeste an, die noch zusätzliche Fruchtigkeit in den Drink bringt.
Perfekt für die Winterzeit
Die bitteren Noten von Campari und die Holzaromen des Bourbons harmonieren bestens mit den warmen Gewürzen aus dem Glühwein. So bekommt der Boulevardier eine fast schon weihnachtliche Anmutung, ohne dass man ihn heiß servieren muss. Gerade zwischen den Jahren oder an Silvester ist das eine schöne Alternative für alle, die lieber mit einem komplexen Cocktail anstoßen als mit dem üblichen Sekt.
Die Idee, Wermut durch Glühwein auszutauschen, funktioniert hier vor allem deshalb, weil beide nun einmal aromatisierte Weine sind. In manchen Drinks wäre dieser Tausch zu gewagt, doch der Boulevardier entfaltet so ein eigenständiges, winterliches Profil. Ob man ihn nun in größerer Runde oder daheim im kleinen Kreis genießt – dieser Drink liefert den passenden Schlussakkord fürs Jahr.
Klassische Cocktails haben, wenn sie gut gemacht sind, viel von einem hochwertigen Wein: Sie sind komplex, haben eine ein ausbalanciertes Verhältnis an Bitterstoffen und heben den Charakter der einzelnen Zutaten. Doch manchmal gibt es Drinks, die kippen bewusst in eine Richtung: Der Daiquiri, der normalerweise mit Rum, Zucker und Limettensaft gemacht wird, besticht durch seine klar herausgehobene Säure.
In der Weihnachtszeit und zwischen den Jahren, wenn auf dem Tisch Plätzchen und Lebkuchen stehen, passen dazu aber oft auch süße und aromatische Drinks. Deshalb haben wir uns einen Klassiker vorgenommen und so weit abgewandelt, dass außer der Grundspirituose eigentlich nichts mehr übrig geblieben ist.
Hemingways berühmter Sour mal anders
Der Daiquiri ist grundsätzlich ein typischer Sour, den besonders Ernest Hemingway und seine Besuche in der Bar „El Floridita“ in der kubanischen Hauptstadt Havanna berühmt gemacht haben. Wenn man den Klassiker nun zum süßen Wintercocktail machen will, reicht es nicht einfach, mehr Zuckersirup hinzuzugeben. Wir brauchen härtere Weihnachtsgeschütze: Mandarinen. Mit diesen ersetzen wir die ausgepressten Limetten. Und als wäre das noch nicht alles, was die Winterküche zu bieten hat, geben wir jetzt noch eine Schippe Weihnachtsglanz obendrauf: Wir ersetzen den Zuckersirup durch Zimtsirup. Jetzt ist er nicht nur süß, sondern auch noch gemütlich zimtig.
Bei der Mischung halten wir uns nicht an die Empfehlung der International Bartenders Association (IBA), die 4,5 cl Rum, 2,5 cl Limettensaft und 1,5 cl Zuckersirup vorsieht, sondern orientieren uns an der weitaus stärker verbreiteten 6-3-2-Mischung. In unserem Fall heißt das also: 6 cl leichten, weißen Rum, 3 cl frisch gepresster Mandarinensaft und 2 cl Zimtsirup. Das Ganze wird im Shaker gut durchgeschüttelt und in ein Glas abgeseiht. Hier sollte man unbedingt neben einem groben Sieb noch zusätzlich ein feines Sieb verwenden, damit Mandarinenstücke und Eissplitter nicht in den Drink gelangen.
Dieser Cocktail passt unserer Meinung nach perfekt zum Dessert bei der Silvesterparty, da er süß-weihnachtlich schmeckt und doch noch einen Hauch Eleganz mitbringt.
Winter-Cocktail ohne Alkohol
Auch ohne Alkohol lässt es sich in die Genusswelt der Winter-Cocktails eintauchen. Wir orientieren uns am Winter-Daiquiri und wandeln ihn zu einer spritzigen Limonade ab. Alles, was wir dafür brauchen, sind Mandarinen, Zimtsirup und Sodawasser. Wer letzteres nicht zur Hand hat, kann auch normales Mineralwasser mit Kohlensäure nehmen.
Beim Mischungsverhältnis ist alles erlaubt, was gut schmeckt. In einem normalen Wasserglas empfiehlt sich 3 cl Mandarinensaft und 2 cl Zimtsirup. Das Glas sollte bis zum Rand mit Eiswürfeln gefüllt sein, so kommt auch bei der Limonade das Cocktail-Gefühl auf.



