Pfalz
Metalldiebstähle in der Pfalz: Wenn der Friedhof zum Tatort wird
Es ist eine der wenigen Meldungen in diesem Bereich mit einem guten Ende: Ende Oktober hat die Polizei einen Mann in Frankenthal vor einem Baumarkt gestellt. Der Kofferraum seines Wagens war voll mit Kupferkabeln, wohl gestohlen von einer Baustelle. Der 34-Jährige ist laut den Ermittlungen vermutlich noch für andere Metalldiebstähle verantwortlich, ein mutmaßlicher Komplize konnte entkommen.
Kupfer wird wegen seiner Leitfähigkeit für elektrische Geräte gebraucht und ist daher sehr gefragt. Der Preis für Kupfer ist an der Börse in den vergangenen Jahren stark gestiegen und steht momentan bei über 8000 Euro pro Tonne. Ende 2014 lag der Preis noch bei knapp über 5000 Euro.
Im Oktober wurde in Speyer eine Baustelle geplündert, die Polizei schätzt den Schaden auf 10.000 Euro. In Landstuhl (Kreis Kaiserslautern) wurden im April aus einem Betrieb Kupferkabel und Baustromverteiler entwendet, der Schaden wird hier auf 125.000 Euro geschätzt.
Die Polizei erfasst Metalldiebstähle nicht als eigenes Delikt und kann daher keine genauen Fallzahlen nennen. In der Westpfalz, deren Präsidium von Kusel bis Dahn zuständig ist, gibt es bei der Polizei keine Hinweise, dass es sich bei den Tätern um organisierte Banden handelt. Nur eins eint alle Fälle, so die Polizei: „Die ermittelten Tatverdächtigen sind Nichtdeutsche. Darüber hinaus bestehen keine erkennbaren Gemeinsamkeiten.“
Das Polizeipräsidium Rheinpfalz, die für das Gebiet von Ludwigshafen bis Landau zuständig ist, gibt auf Anfrage einen leichten Rückgang von Delikten in diesem Jahr an. Insgesamt sind 2023 um die 100 Delikte gemeldet worden, die das Schlagwort Metalldiebstahl enthalten. Da aber auch hier die Diebstähle nicht einzeln erfasst werden, sei mit der Schlagwortsuche kein Anspruch auf Vollständigkeit gegeben, so die Polizei.
Friedhöfe werden immer wieder zum Ziel
Die Diebe haben es aber nicht nur auf Baustellen abgesehen. Denn auch die Totenruhe hält Diebe nicht davon ab, sich Kupfer unter den Nagel zu reißen. Immer wieder wird auch von Friedhöfen geklaut. Hauptziel der Täter: Grabschalen aus Kupfer oder Bronze. Bronze ist wegen seiner Haltbarkeit gerade für Statuen oder anderen Grabschmuck geeignet, bei Dieben aber wegen der teuren Werkstoffen Kupfer und Zinn beliebt. Beispielsweise wurden am Haßlocher Parkfriedhof Anfang August Grabschmuck und Statuen entwendet. Die Polizei schätzte den Schaden auf 50.000 Euro. Dabei gingen die Täter professionell vor und hebelten ein Tor auf, vermutlich um mit einem Fahrzeug auf das Friedhofsgelände zu gelangen. Ähnliche Fälle gab es auf den Friedhöfen in der ganzen Pfalz. Mancherorts wurden sogar Fallrohre und Dachrinnen aus Kupfer geklaut, wie im Juni auf einem Friedhof in Oberhausen bei Bad Bergzabern (Kreis Südliche Weinstraße).
Die Deutsche Bahn wird auch immer wieder Ziel der Metalldiebe. Solche Vorfälle haben schwerwiegende Konsequenzen für die Fahrgäste. Denn die stehen dann oft stundenlang an den Bahnhöfen und warten vergeblich auf ihre Züge. Zuletzt war im Juni in der Vorderpfalz nach einem Diebstahl von Kabeln bei Ludwigshafen tagelang der Pfälzer Bahnverkehr eingeschränkt. Für Rheinland-Pfalz gibt die Bundespolizei für 2023 einen Schaden von 110.000 Euro bei 27 Diebstählen an. Für 2024 sei die Anzahl der Taten und der Sachschaden bisher rückläufig.
Die Deutsche Bahn gibt auf Anfrage an: „Die DB war 2023 in 470 Fällen von Metalldiebstahl betroffen – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.“ Der Schaden habe 2023 im Bundesgebiet rund sieben Millionen Euro betragen. Insgesamt sind die Zahlen aber rückläufig: „Im langjährigen Vergleich sind die Fallzahlen stark, um etwa 85 Prozent, zurückgegangen“, erklärt die Bahn. 2013 waren es laut dem Unternehmen noch 3200 Fälle. Unter anderem habe der Einsatz moderner Technik dabei geholfen, zahlreichen Tätern das Handwerk zu legen, so eine Bahnsprecherin. Gemeint sind dabei verdeckte Einsätze des DB-Sicherheitsteams und der Einsatz von Wärmebildgeräten und Drohnen.
„Künstliche DNA“ hinterlässt Spuren
Außerdem kommt auch „künstliche DNA“ zum Einsatz. Damit werden die Kabel markiert und lassen bei einem Weiterverkauf den Rückschluss auf den rechtmäßigen Besitzer zu. Die Flüssigkeit ist nach dem Trocknen nicht mehr sichtbar und nur mit einer speziellen UV-Lampe der Polizei zu erkennen. Die Substanz auf den Kabeln soll auch auf Kleidung und in Fahrzeugen der Diebe Rückstände hinterlassen, sodass diese beim Diebstahl markiert werden.
Auf diese „künstliche DNA“ setzt auch ein Zusammenschluss aus Verbänden und Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Telekommunikation, Recycling und Energieversorgung, der sich zum Ziel gesetzt hat, es Metalldieben schwerer zu machen. Der Verband Deutscher Metallhändler und Recycler verweist auf Anfrage auf die Homepage dieser „Sicherheitspartnerschaft“. Dort heißt es: „Markiertes und gekennzeichnetes Diebesgut ist unverkäuflich und wertlos.“