Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Heiratsschwindler-Prozess: „Ich habe das ganze Geld verspielt“

Oft, so sagt der Angeklagte, habe er tagelang durchgespielt.
Oft, so sagt der Angeklagte, habe er tagelang durchgespielt.

Der wegen Betrugs angeklagte mutmaßliche Heiratsschwindler aus dem Kreis Kaiserslautern hat am Donnerstag am Landgericht Zweibrücken erklärt, was er mit den erbeuteten 200.000 Euro angestellt hat: Geld, das er laut Staatsanwaltschaft von drei Frauen und ihren Familien kassiert hat, um sich angeblich medizinisch behandeln zu lassen. Die Frauen selbst hat er demnach finanziell ruiniert.

Der wegen Betrugs angeklagte mutmaßliche Heiratsschwindler aus dem Kreis Kaiserslautern hat am Donnerstag am Landgericht Zweibrücken erklärt, was er mit den erbeuteten 200.000 Euro angestellt hat: Geld, das er laut Staatsanwaltschaft von drei Frauen und ihren Familien kassiert hat, um sich angeblich medizinisch behandeln zu lassen. Die Frauen selbst hat er demnach finanziell ruiniert.

Frauen über Partnerbörsen kennengelernt

Der Pflichtverteidiger des Angeklagten hielt sich am vierten Prozesstag am Donnerstag weitgehend zurück. Der 45-Jährige, dem die Staatsanwaltschaft mehrfachen Betrugs vorwirft, schilderte seinen Lebenslauf selbst: mal melancholisch, mal selbstsicher. Laut Anklage soll er von 2015 bis 2020 drei Frauen, die er über Partnerbörsen kennenlernte, die Ehe versprochen und sie um teils riesige Summen Bares erleichtert haben: Geld, das er für angebliche Behandlungs- und Operationskosten haben wollte.

Finanziell am schwersten getroffen hat es zwei Frauen und ihre Familien aus der Verbandsgemeinde Landstuhl, die ihm gutgläubig 125.000 Euro überließen, sowie eine Berlinerin mit 75.000 Euro. Eine Karlsruherin verlor „lediglich“ 900 Euro.

Seine Geschichte: Sohn eines knausrigen Milliardärs

Der 45-jährige Mann aus der Pfalz stellte sich seinen Opfern als „Finn Morris“ vor, als Sohn des amerikanischen Zigarettenmilliardärs Phillip Morris. Später werde er an das Geld kommen und es zurückzahlen, doch noch sperre sein Vater seine Konten, erklärte er seinen Partnerinnen den Geldbedarf. Schwer krebskrank will er gewesen sein, seine Behandlungen habe privat zahlen müssen. Gutgläubig und von dem großen Namen offenbar überwältigt, kratzten die drei späteren Opfer all ihre Ersparnisse zusammen, nahmen Darlehen für ihn auf und setzten eigene Miet- und Hauskreditzahlungen aus, um „Finn Morris“ zu helfen. Dabei war er kerngesund.

Noch eine Tarnung: Selbstständiger Geheimdienstchef

Noch mehr Eindruck machte er offenbar, als er den Frauen erklärte, dass er bei der US-Armee in Ramstein als Sicherheitsbediensteter und daneben als selbstständiger Geheimdienstchef für die Armee tätig sei. In Wirklichkeit lebte er in der Pfalz, wuchs bei der Oma auf, war verheiratet und hat aus der Ehe zwei Kinder. Er lernte Kaminbauer, war als Gerüstbauer in Kaiserslautern beschäftigt und scheiterte als selbstständiger Immobilienmakler. Als Wachmann bei der US-Armee in Kaiserslautern wurde er nach sieben Jahren wegen eines Strafverfahrens gefeuert. „Ich habe da etwas mit einer Kollegin angefangen“, sagte er kleinlaut. „Und habe von ihr auch Geld bekommen.“

Wo die 200.000 Euro geblieben sind

Wo sind die 200.000 Euro abgeblieben? Er sei von Jugend an spielsüchtig und habe ab seinem 14. Lebensjahr Drogen genommen – Amphetamine und Marihuana. In den Spielhallen in Kaiserslautern, Homburg und Ramstein sei er seit Jahren bekannt. „Ich habe als drei bis vier Tage durchgespielt.“ Spielsucht sei kein zulässiger Grund, die Schuldfähigkeit eines Angeklagten in Frage zu stellen, erklärte die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas dem Angeklagten.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt, vermutlich fällt dann das Urteil gegen den mutmaßlichen Schwernöter, den die Fahnder Anfang Mai nach Hinweisen aus der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ in Neustadt schnappen konnten.

Der Prozess am Landgericht Zweibrücken geht am Montag weiter.L
Der Prozess am Landgericht Zweibrücken geht am Montag weiter.L
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