Liebesbetrug
In Neustadt ins Netz der Fahnder: Angeblicher Millionär machte Frauen schwach
Seine Leidenschaft für Tattoos wurde einem 44-Jährigen jetzt offenbar zum Verhängnis. In Neustadt ging der Mann der Polizei auf dem Weg zum Tätowierer ins Netz. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken sieht in ihm einen Liebesbetrüger, der von mehreren Frauen zusammen rund 200 000 Euro erbeutet haben soll. Viel mehr, als er in seinem erlernten Handwerk hätte verdienen können.
Ausgerechnet am 1. April war für den 44-jährigen Mann Schluss. Lange war nach ihm gefahndet worden. Zuletzt auch öffentlich durch die Polizei des Westpfalzpräsidiums in Kaiserslautern und in einer Spezialsendung von Aktenzeichen XY des ZDF am 26. Februar. Nach deren Ausstrahlung meldeten sich zwei weitere potentielle Opfer, Frauen, die an den Tatverdächtigen viel Geld verloren haben sollen.
Unauffällig, aber mit Schwindel erfolgreich?
Auf der Straße wäre der eher kleine Mann mit seiner gedrungenen Statur kaum aufgefallen, so jedenfalls beschreibt ihn sein Anwalt Max Kampschulte aus Zweibrücken. Frauen, die er auf Dating-Plattformen im Internet kennenlernte, konnte er offenbar mit etwas anderem beeindrucken: mit Geld. Er soll sich als Millionenerbe aus den USA vorgestellt haben, verrät sein Anwalt.
Trotz der angeblichen Dollar-Millionen hat er laut Staatsanwaltschaft den Damen im mittleren Alter glaubhaft vorgegaukelt, dass er für medizinische Eingriffe selbst Geld brauche. Der Grund: Eine eigene Krankenversicherung habe er nicht. Über längere Zeit habe er Vertrauen zu den „Geliebten“ aufgebaut. Bereitwillig wurden ihm so teils riesige Summen übergeben: insgesamt 195.000 Euro. In einem Fall sogar 70.000 Euro – in kleineren Tranchen.
Festnahme auf dem Weg zum Tätowierer
Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hat gegen den Mann Haftbefehl erlassen wegen Betrugs in mehreren Fällen in der Zeit zwischen Februar 2015 und Ende 2017. Betroffen waren mehrere Frauen sowie deren Eltern. Zu den Geschädigten soll auch eine Frau aus dem Kreis Kaiserslautern gehören. Das ZDF-Format Aktenzeichen XY hatte offenbar auch ein aufmerksamer Zeuge aus Neustadt verfolgt und einen Hinweis zum Aufenthaltsort des 44-jährigen Deutschen gegeben. Als dieser auf seinem Weg zu einem Tätowierer in Neustadt war, griff die Polizei zu.
Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Nur kurz war er in der JVA Zweibrücken, seit wenigen Tagen ist er in Wittlich. Bei der Haftbefehlseröffnung hat ihn sein Verteidiger Kampschulte kurz gesehen. Ihm zufolge trug er blaue Einmal-Handschuhe und machte einen „bedrückten und geknickten“ Eindruck. Aus taktischen Gründen habe sich sein Mandant auf seinen Rat hin noch nicht zu den Betrugsvorwürfen geäußert. Die annähernd 1000 Seiten dicke Akte habe er noch nicht lesen können, so der 44-jährige Jurist.
Vom Kachelofenbauer zum Betrüger?
Ein ausführliches Gespräch mit dem Verdächtigen steht noch aus. Auch in Zeiten des Virus wird es ein persönliches Zusammentreffen im Gefängnis mit entsprechendem Abstand geben. Dann erst wird der Anwalt vielleicht erfahren, was den gelernten Kachelofenbauer womöglich zu einem Betrüger hat werden lassen. Der Mann habe Kinder, sei unverheiratet und zuvor ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Eine größere Menge Bargeld wurde bei dessen Festnahme nicht gefunden. Nur ein Tattoo am Hals.