Ludwigshafen / Langen
Flugsicherung: Pfalz nicht als Kerosin-Kippe ausgewiesen
Die Pfalz ist nicht offiziell als Gebiet definiert, über dem bevorzugt Kerosin abgelassen werden darf. Nach mehreren Vorfällen dieser Art war diese Vermutung aufgekommen. Zuletzt hatte am vergangenen Mittwoch eine belgische Frachtmaschine 80 Tonnen Kerosin über der Pfalz versprüht. Eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) im hessischen Langen sagte am Montag auf Anfrage, solche Festlegungen gebe es nicht. Gleichwohl spiele die geografische Lage der Pfalz eine Rolle.
„Die Pfalz liegt sehr nahe am Flughafen Frankfurt sowie an anderen Flughäfen, auf denen Langstreckenflugzeuge verkehren“, so die DFS-Sprecherin. Müssten Piloten in einer Notsituation einen Kerosin-Ablass („Fuel Dumping“) einleiten, geschehe dies unter Umständen über dem Pfälzerwald und angrenzenden Regionen, weil es über dem Raum Rhein-Main beispielsweise gar nicht möglich sei.
Nur der Pilot weiß, wie dringend es ist
Denn zur räumliche Nähe kämen weitere Faktoren hinzu, die einen Kerosinablass überhaupt erst erlauben würden: So solle er „möglichst außerhalb großer Städte und in Lufträumen mit geringer Flugverkehrsdichte erfolgen“. Außerdem müsse während des Ablassvorgangs für mindestens 15 Minuten ein Luftraum um das Flugzeug herum „freigehalten“ werden. Dieser betrage mindestens zehn nautische Meilen – rund 18 Kilometer – seitlich und hinter der Maschine.
Die Entscheidung über den Ort für den Treibstoffablass werde immer von Pilot und Lotse gemeinsam getroffen, sagte die DFS-Sprecherin. Nur der Pilot wisse um die Dringlichkeit der Maßnahme. Der Lotse wiederum habe den Überblick über die Bewegungen im Luftraum. Warum der Pilot der belgischen Frachtmaschine, nicht schon früher Kerosin abließ, könne nur er wissen. Die Mindestflughöhe für den Ablass betrage 2000 Meter. Diese habe die Boeing 747 mit rund 6000 Metern deutlich übertroffen. Die Maschine der Frachtfluglinie Challenge Airlines war am Mittwoch auf dem Flug von Lüttich ins chinesische Wuhan vor Überquerung der Alpen umgekehrt und nach Lüttich zurückgeflogen. Der Pilot hatte „Feuer am Triebwerk“ gemeldet.
Wesentlich höhere Werte in Städten
Das Landesamt für Umwelt in Mainz hat nach Angaben des Umweltministeriums „keine messbaren Einflüsse“ des Kerosinablasses festgestellt. Man habe die Werte von neun Messstellen in Mainz, Ludwigshafen und Koblenz sowie an den Waldmessstationen Pfälzerwald-Hortenkopf, Hunsrück-Leisel und Westpfalz-Dunzweiler ausgewertet. Hierbei hätten sich „keine signifikanten Auffälligkeiten“ gezeigt. Analysiert worden seien Daten, die vor, während und nach dem Ereignis gemessen worden waren: „Die höchsten Werte werden in den Städten festgestellt, bedingt durch die Emissionen aus Verkehr, Tankstellenbetrieb, Industrieprozesse und Hausbrand.“
