Pfälzerwald RHEINPFALZ Plus Artikel Flugzeug lässt über der Pfalz 80 Tonnen Kerosin ab

Immer wieder lassen Flugzeuge über der Pfalz Kerosin ab – eine Notfallmaßnahme, wie es heißt.
Immer wieder lassen Flugzeuge über der Pfalz Kerosin ab – eine Notfallmaßnahme, wie es heißt.

Wegen technischer Probleme hat am Mittwoch ein Frachtflugzeug über dem Pfälzerwald und dem Saarland 80 Tonnen Kerosin abgelassen. Die Maschine befand sich nach Angaben des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) in Braunschweig in einer Höhe von rund sechs Kilometern, als der Kapitän infolge der Probleme den sogenannten Treibstoffschnellablass („Fuel Dumping“) einleiten musste.

Kerosin in dieser Größenordnung wurde demnach bei einem solchen Manöver seit mehr als drei Jahren nicht mehr über Deutschland versprüht. Über der Pfalz wurde eine derartige Menge nur im Juli 2018 mit damals 92 Tonnen übertroffen.

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) und der Initiative Pro Pfälzerwald handelte es sich bei der Maschine um eine Boeing 747 der belgischen Frachtfluglinie Challenge Airlines, die von Lüttich ins chinesische Wuhan gestartet war. Kurz vor der Überquerung der Alpen kehrte der Pilot demnach um und flog wieder Richtung Lüttich zurück. Dabei drehte er mehrere Runden über der Pfalz.

Ablass nur im Notfall

Der Treibstoffschnellablass ist eine Notfallmaßnahme, die nur in Ausnahmesituationen angewendet wird. Sie wird laut LBA erforderlich, wenn ein Luftfahrzeug mit einem höheren als dem zulässigen Landegewicht abhebt und ein Problem auftritt, das die direkte Landung des Flugzeugs erforderlich macht. Dazu zählen technische Störungen oder medizinische Notfälle an Bord. Im Fall der belgischen Maschine habe der Pilot „Flammen am Triebwerk“ gemeldet, so die DFS gegenüber der RHEINPFALZ.

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums wertet das Landesamt für Umwelt derzeit die Werte von Messstationen aus. Ergebnisse sollen am Montag vorliegen.

In der Vergangenheit haben die wiederholten Kerosinablässe über der Pfalz für Proteste aus der Bevölkerung gesorgt. Befürchtet werden negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowie auf die natürlichen Ökosysteme. Ein Untersuchungsbericht des Umweltbundesamtes aus dem Januar 2021 konnte die Sorgen nur zum Teil entkräften, weil er sich unter anderem auf ein sehr weit verteiltes Messnetz stützt. Dieses zu verdichten, forderte die Landes-CDU am Freitag, um zu belastbaren Daten zu kommen. Experten wie der Kaiserslauterer Chemiker Werner Thiel halten die Befürchtungen für unbegründet.

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