Ludwigshafen / Frankenthal
Surflehrer wird Start-up-Gründer: Mit „Nomado24“ in drei Schritten zum Traumjob
Blonde Haare, breites Lächeln: Lars Schreiner ist ein junger, freundlicher Mann. Er sieht nicht nur aus wie ein Surfer. Der 22-Jährige ist auch einer, und zwar ein sehr guter. Muss man auch sein, wenn man als Surflehrer unterrichtet. Als er bei einem Surfcamp in Saint Girons Plage, ein beliebter Küsten- und Surfort an der südwestfranzösischen Atlantikküste, eine Bilanzbuchhalterin traf, reifte bei ihm eine Idee. Denn die junge Frau „schrubbte Klos, um sich ihren Surfurlaub zu finanzieren“, statt aus der Ferne ihrem eigentlichen Job nachzugehen. Kann nicht sein, dachte sich Schreiner – und setzte seine Idee mit Anton Petuchow (21), seinem Kumpel aus Schultagen, vor Kurzem in die Realität um: eine digitale Plattform, die das findige Gründerduo dem Ursprungsgedanken folgend „Nomado24“ taufte. Schließlich haben beide vor allem digitale Nomaden im Blick.
Im dritten Semester BWL
Schreiner studiert im dritten Semester Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement (Sustainability Management) an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft (HWG) in Ludwigshafen. Petuchow ist an der privat finanzierten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar (Otto Beisheim School of Management) eingeschrieben. Beide besuchten das Karolinen-Gymnasium in Frankenthal, sein Abitur machte Schreiner allerdings an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Edigheim, wohin er nach der elften Klasse gewechselt war. Und beide wollen nun frischen Wind in die Remote-Work-Branche bringen: Mit dem Launch von „Nomado24“ starte eine neue digitale Plattform, die flexible und bedarfsgerechte Arbeitslösungen einfacher zugänglich machen soll, schildert Schreiner.
„Wichtiger Meilenstein“
Die Plattform richte sich an Menschen, die ortsunabhängig arbeiten möchten (Remote-Worker) – sei es für Reisen, berufliche Einsätze oder den Alltag. „Nomado24“ verbinde moderne Technologie mit einem klaren Ziel: den Zugang zu diesen Remote-Jobs und auch zu Coworking-Spaces unkompliziert und transparent zu gestalten. Besonders im Fokus stehen sollen Nutzerfreundlichkeit, schnelle Verfügbarkeit und eine klare Struktur der Angebote, passgenau für individuelle Anforderungen.
„Viele bestehende Angebote sind entweder zu unübersichtlich oder zu unflexibel. Mit ,Nomado24’ wollten wir eine Lösung schaffen, die sich wirklich an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert“, erklärt Schreiner. Die Initiative der beiden Youngster wurde mit Unterstützung des Gründungsbüros der HWG sowie des Technologiezentrums Ludwigshafen (TZL)/Regionales Innovationszentrum weiterentwickelt. Dort ist das Start-up angesiedelt und profitiert nach HWG-Angaben unter anderem von vergünstigten, voll ausgestatteten Büroräumen, Beratungsangeboten und weiteren Serviceleistungen für junge Unternehmen.
Das HWG-Gründungsbüro (Kontakt: E-Mail an gruendung@hwg-lu.de) ist die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Unternehmensgründung. Es unterstützt Studierende, Alumni (ehemalige Absolventen) sowie Hochschulangehörige von der ersten Idee bis zur Umsetzung eines eigenen Unternehmens. Zum Angebot gehören individuelle Beratung, Infos zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie verschiedene gründungsrelevante Veranstaltungsformate wie der Gründungsdienstag mit praxisnahen Einblicken von Gründern sowie Workshops. Ziel des Gründungsbüros ist es, unternehmerisches Denken zu fördern und eine aktive Gründungskultur an der HWG LU zu stärken.
„Arbeite von überall“
Das TZL Ludwigshafen gehört zu den fünf Technologiezentren in den Oberzentren des Landes Rheinland-Pfalz. Gesellschafter der TZL GmbH sind das Land, vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau mit 70 Prozent, und die Stadt Ludwigshafen mit 30 Prozent. Das TZL vermietet Geschäftsräume an technologieorientierte und innovative Unternehmensgründer und Start-ups, bietet Büroserviceleistungen an und berät in der Gründungs- und Wachstumsphase zu Themen wie Businessplan, Finanzierung und Fördermittel, Unternehmensstrategie, Netzwerk und Öffentlichkeitsarbeit. Die Initiative „chem2biz“, die das TZL in Kooperation mit der BASF betreibt, unterstützt Unternehmensgründer und Firmen aus den chemienahen Bereichen.
„Arbeite von überall. Lebe frei. Entdecke tausende Karrierechancen und vernetze dich mit Top-Unternehmen auf Nomado24“ – so wird im Netz für die Plattform geworben. Das Versprechen darunter: „In drei Schritten zum Traumjob.“ Und wie rechnet sich die Plattform? „Momentan würde es Firmen 750 Euro kosten pro erfolgreicher Vermittlung“, sagt Lars Schreiner. Springen ausreichend Unternehmen aufs Brett, dann reicht das sicher irgendwann für den nächsten Surfurlaub am Atlantik – ohne Toiletten schrubben zu müssen.