Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wirtschaft ankurbeln: Von Innovationen und „Sozialismus“

Amtsinhaber Marold Wosnitza (links) liefert sich ein Wortgefecht mit Christian Hofer (AfD).
Amtsinhaber Marold Wosnitza (links) liefert sich ein Wortgefecht mit Christian Hofer (AfD).

Es gibt Bewegung beim brach liegenden Dorndorf-Werk. Dies kam bei der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion ebenso zur Sprache wie neue Ansätze zur Erschließung von Gewerbegebieten.

Bei der Podiumsdiskussion der vier OB-Kandidaten, zu der die RHEINPFALZ in die Festhalle eingeladen hatte, spielte das Thema Wirtschaft eine wichtige Rolle. Christina Rauch (CDU) beklagte, der lokale Hochschulstandort werde immer noch zu wenig in die Ökonomie eingebunden. „Unsere Hochschule steht für Innovation“, so Rauch. „Wir müssen sie mehr nutzen, zusammen mit der Wirtschaft und den Bildungseinrichtungen in der Stadt. Wir könnten dort Zukunftstechnologien ansiedeln – zum Beispiel Unternehmen, die sich mit KI beschäftigen.“ Von positiven Entwicklungen am Flughafen – etwa bei Amazon oder der Outlet-Erweiterung – müsse die Innenstadt mehr profitieren. „Wir müssen deutlich machen, wie schön es in Zweibrücken ist“ – mit Attraktionen wie Schloss, Rosengarten oder Landgestüt.

Die Beigeordnete regt die Einrichtung eines Handwerkerparks an – eines Start-up-Parks für junge Firmengründer. Hier biete sich die Weiße Kaserne an, aber auch die brachliegende frühere Dorndorf-Schuhfabrik.

Neue Impulse für die Dorndorf-Fabrik

Auch Amtsinhaber Marold Wosnitza (SPD) könnte sich so etwas gut im Dorndorf-Anwesen vorstellen. „Aber die Firma Rieker, der die Immobilie gehört, wollte sie all die Jahre nicht so vermarkten, wie wir das gerne gehabt hätten.“ Aber jetzt gebe es eine neue Entwicklung: Rieker sei bereit, zusammen mit der Stadt das Areal zu entwickeln. „Sei es durch Umbau, oder auch Abriss mit Neubau. Wir sind in guten Gesprächen“, gab der OB bekannt. „Das Dorndorf ist eine Bauruine, hat aber großes Potenzial. Es gibt viele Ideen.“

Christina Rauch (CDU) erläutert ihre Standpunkte. Atilla Eren hört zu.
Christina Rauch (CDU) erläutert ihre Standpunkte. Atilla Eren hört zu.

Marold Wosnitza sprach auch von Plänen für ein „Azubi-Werk“: Das sei eine Art Studentenwerk für Auszubildende, das die Stadt mit der Gewobau auf den Weg bringen wolle.

Gemeinsame Initiative für die Westpfalz

Als Problem macht Wosnitza aus, dass „keine freien Gewerbegebiete mehr verfügbar“ seien. „Wir müssen neue schaffen.“ Die letzten noch freien Flächen in der Region gebe es auf der Truppacherhöhe und bei Contwig. Deren Erschließung koste eine Million Euro pro Hektar. Einzelne Kommunen könnten das nicht stemmen. „Deshalb wollen wir mit den Partnern in der Westpfalz und den Banken eine gemeinsame Erschließungsgesellschaft ins Leben rufen.“

Aber auch im Kleinen, so der OB, könne man Impulse setzen. Derzeit schaffe die Stadt kleine Rampen an. Ladeninhaber könnten sie abholen, um damit die Eingänge ihrer Geschäfte barrierefrei zu machen. „Wir haben auch ein Programm ,Gewerbe on demand’ aufgesetzt, um zusammen mit den Immobilienbesitzern Leerstände mit passgenauen, professionell entwickelten Geschäftskonzepten aufzufüllen.“

„Sozialismus“ und „Fahrer-Jobs“

„Das hört sich nach Sozialismus an“, meldete sich an dieser Stelle Christian Hofer (AfD) zu Wort. Und die 1000 neuen Arbeitsplätze durch die Amazon-Ansiedlung, die die Stadt sich jetzt ans Revers hefte, bewegten sich im Niedriglohnsektor, seien meist „Fahrer-Jobs“. Was Marold Wosnitza so nicht stehenlassen wollte: „Das sind Jobs in der Logistik, oft für beruflich weniger Qualifizierte. Das ist genau das Segment, das bislang in Zweibrücken fehlt. Der Lohn beträgt 16 Euro plus. Damit bekommen wir die Leute raus aus den Sozialleistungen; sie stehen dann wieder auf eigenen Füßen.“

Ohnehin dürfe man nicht alles schlechtreden, mahnte der OB. Zum Beispiel werde bei John Deere „tüchtig weiter investiert. Und ja, auch bei Tadano geht’s jetzt wieder voran.“

Woolworth und Infrastruktur

Bringt die Woolworth-Ansiedlung am Zentralen Busbahnhof eine nachhaltige Belebung für den Innenstadthandel? Christian Hofer bezweifelt das. „Da gehen die Leute hin, kaufen ein und fahren gleich wieder weg.“ Was in Zweibrücken wirklich gebraucht werde, sei eine gute Infrastruktur. Technologiefirmen könnten sich hier gar nicht ansiedeln, so lange die Glasfaserversorgung „brach“ liege. Eine mangelhafte Infrastruktur zeige sich auch an den Zufahrtsstraßen zu den Gewerbegebieten: Die seien voller Schlaglöcher. Obendrein würden den Betrieben vor Ort unnötig hohe Gewerbesteuern auferlegt.

Der parteilose Atilla Eren hatte zum Thema Wirtschaft zu sagen, er suche am liebsten „immer den direkten Kontakt“. Er stelle auch fest, dass Firmen ja durchaus gerne ausbilden würden. „Aber das geht oft nicht“, was an den ungünstigen Rahmenbedingungen liege.

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