Zweibrücken / Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn Amazon wegbleibt: „Hatten wir von Anfang an befürchtet“

Hier wurde eigens eine Bushaltestelle angelegt.
Hier wurde eigens eine Bushaltestelle angelegt.

Die riesige Halle auf dem Steitzhof ist fertig, und Amazon kommt jetzt doch nicht? Die Nachbarn auf dem Wahlbacherhof wundert das überhaupt nicht.

Zwei Jahre ist es her, dass durch einen Versprecher der mittlerweile verstorbenen Ingrid Kaiser im Zweibrücker Stadtrat der Internet-Versandriese Amazon als anvisierter Nutzer der entstehenden riesigen Logistikhalle am Steitzhof bekanntgemacht wurde. Deren Neubau ist inzwischen so gut wie fertig – acht Fußballfelder groß und mit beeindruckender Ausstattung. Doch seit einigen Wochen hüllen sich sowohl Amazon als auch die zuständige Baufirma Scannell über die Zukunft des Projekts in Schweigen. Auch Landrätin Susanne Ganster und der Zweibrücker Oberbürgermeister Marold Wosnitza als Spitzenfunktionäre des Flugplatz-Zweckverbandes Zef halten es mittlerweile für denkbar, dass Amazon der Halle am Ende doch fernbleiben wird.

Mitarbeiterparkplätze mit Stromtankstellen sind fertig.
Mitarbeiterparkplätze mit Stromtankstellen sind fertig.

Auf dem nahen Öko-Landwirtschaftsbetrieb Wahlbacherhof bei Contwig hatte man die Vorgänge auf dem Steitzhof von Anfang sehr kritisch wahrgenommen. Der Bauernhof, der seit Mai 2015 das alternative Konzept der Solidarischen Landwirtschaft verfolgt, war von Anfang an ein Zentrum des Widerstands und einer Bürgerinitiative gegen die angekündigte Amazon-Ansiedlung. Dass diese jetzt sehr stark in Frage steht, wundert Marlene Herzog, Betriebsleiterin am Wahlbacherhof, ganz und gar nicht. „Jetzt ist exakt eines dieser Szenarien eingetreten, die wir von Anfang an befürchtet haben. Da wird eine gigantische Halle gebaut, tonnenweise Boden zugeschüttet und asphaltiert – und am Ende ist das alles für die Katz.

Das große Regenrückhaltebecken vor hell erleuchteter Kulisse .
Das große Regenrückhaltebecken vor hell erleuchteter Kulisse .

Für nichts und wieder nichts.“ Zur RHEINPFALZ sagt Marlene Herzog, dass „Amazon das schon an vielen anderen Standorten ganz genauso gemacht hat“.

Jetzt sind sie da, die regionalen Unternehmen?

Die Firma Scannell, die das 340 Meter lange und 150 Meter breite Bauwerk errichtet hat, streiche jetzt opulente Mieteinnahmen ein, „während die Verbandsgemeinde Zweibrücker Land vergeblich auf Steuereinnahmen wartet“, beklagt Herzog. „Und die Krönung ist, dass direkt nebenan jetzt noch ein weiteres Gewerbegebiet entstehen soll. Das ist der absolute Hammer, ich finde das extrem enttäuschend.“

Fahrradspuren gehören dazu.
Fahrradspuren gehören dazu.

Die Landwirtin erinnert an Gespräche mit Marold Wosnitza, „bei denen wir ihn seinerzeit baten, auf dem Steitzhof statt des einen Giganten lieber mehrere kleine Unternehmen aus der Region anzusiedeln. Damals wurde uns gesagt, dass es solche Unternehmen überhaupt nicht gibt.“ Und nun, so Herzog, würden auf dem Steitzhof weitere 19 Hektar wertvollsten Ackerbodens versiegelt, „und jetzt plötzlich sollen sie da sein, die regionalen Unternehmen, die es vor zwei Jahren noch gar nicht gab. Die möchte ich erst mal sehen.“

Am Steitzhof hinter der Halle von Scannell beziehungsweise Amazon sieht es fast so aus wie an einem Flughafen.
Am Steitzhof hinter der Halle von Scannell beziehungsweise Amazon sieht es fast so aus wie an einem Flughafen.

Der Wahlbacherhof werde „rundherum zugebaut und die Umgebung zubetoniert – rund um unser kleines Paradies, das wir hier im Tal haben“, klagt die Bäuerin. „Die Firmen, die jetzt auf dem neuen Gewerbegebiet angesiedelt werden sollen, hätte man wunderbar dort unterbringen können, wo jetzt die riesige leere Amazon-Halle steht.“

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