Zweibrücken
Weinköniginnen-Streit: Was regionale Repräsentanten dazu sagen
In Zweibrücken gebe es derzeit keine Bestrebungen, am Ehrenamt und Auftreten der Rosenkönigin etwas zu ändern. Gleichwohl sei man offen für Diskussionen, sollte künftig jemand der Meinung sein, dass es völlig aus der Zeit gefallen ist, junge Frauen in dieser Art und Weise ihre Stadt repräsentieren zu lassen. Das sagte auf Anfrage Thilo Huble, Leiter des Kultur- und Verkehrsamts, das zusammen mit dem UBZ, dem Verkehrsverein, den Rosenfreunden, dem Gemeinsamhandel und der Oskar-Scheerer-Stiftung die Wahl der Zweibrücker Rosenkönigin organisiert.
Den Streit um das Amt der Pfälzischen Weinkönigin habe er mitverfolgt, sagt Huble. Wie berichtet, wollte der Verein Pfalzwein statt einer Weinkönigin künftig eine Pfalzweinbotschafterin oder einen Pfalzweinbotschafter wählen, mit Anstecknadel statt Krone, um moderner zu werden. Nach heftigen Protesten ist der Verein am Dienstag zurückgerudert, die Pfälzische Weinkönigin darf bleiben, zumindest vorerst.
Auf keinen Fall alleine entscheiden
Thilo Huble erinnert sich, dass das Thema „Ist das Amt der Zweibrücker Rosenkönigin in dieser Form noch zeitgemäß?“ vor einigen Jahren auch beim Verkehrsverein im Ansatz diskutiert wurde, „allerdings ohne finalen Beschluss“. Sollte es aufgrund der aktuellen Ereignisse in der Vorderpfalz noch mal aufs Tapet kommen, werde man hier in Zweibrücken erst mal alle Beteiligten zusammenrufen, so Huble. Einfach etwas entscheiden, wie es der Verein Pfalzwein machen wollte, „das geht nicht, bei uns sind ja noch andere mit im Boot“, verweist Huble auf die Partner wie den Gemeinsamhandel.
Die aktuelle Rosenkönigin Dilara Taze amtiert im zweiten Jahr, danach wird neu gewählt. Huble: „Ich schließe nicht aus, dass wir das Thema Modernisierung dann noch mal angehen.“ Wie die Sache hier ausgehen würde, könne er nicht sagen. Es gebe offenbar eher traditionelle und eher emanzipierte Standpunkte, wie man am Streit um die Pfälzische Weinkönigin sehen konnte. Sollte eine ähnliche Debatte auch hier aufkommen, „dann nehmen wir das in Angriff“, stellt Huble klar, dass man Neuerungen gegenüber offen sei, sollten diese gewünscht werden. Im Moment gebe es aber keinen Änderungsbedarf.
Taze: Werde immer respektvoll behandelt
Die 19-jährige Dilara Taze zeigt Verständnis für beide Seiten. „Die einen hängen halt an den Traditionen und finden es schade, wenn sie wegfallen oder zu stark verändert werden. Die anderen finden das Rollenbild rückständig und wollen moderner werden.“ Sie selbst entscheide nicht mit, wie das Amt der Rosenkönigin in Zweibrücken ausgestaltet wird, ihr persönlich gefalle es aber, wie es hier gehandhabt wird. Schlechte Erfahrungen habe sie bislang nicht gemacht. „Ich wurde immer und überall respektvoll behandelt, nie auf mein Aussehen oder Outfit reduziert.“
Die Zweibrücker Rosenkönigin wird alle zwei Jahre gewählt. Voraussetzungen sind: mindestens 18 Jahre alt, und sie sollte den Führerschein haben. Ihre Aufgabe ist es, die Stadt zu repräsentieren, so wird sie etwa öfter vom Citymanagement für Veranstaltungen gebucht. Natürlich sollte sich die Rosenkönigin auch mit Rosen auskennen. Bei öffentlichen Auftritten trägt die Rosenkönigin Krone, Zepter und eine Schärpe in Blau, Gelb und Rot, den Zweibrücker Farben.
Burkhardt sieht Westpfalz als Vorreiter
Während man in der Vorderpfalz noch streitet, gibt es in Wallhalben bereits den Marktgrafen Sickinger Land, oder besser die Hoheit Sickinger Land, so steht es jetzt genderneutral auf der Schärpe. Sie wird bei öffentlichen Auftritten getragen von Lasse Burkhardt, der sich als weitere Insigne für eine Anstecknadel mit Kartoffelblüte entschied. „Ich hätte auch eine Krone haben können. Aber bei meinen Vorgängerinnen war das immer ein Kartoffelblüten-Diadem, und das was wollte ich als Mann jetzt nicht tragen, ebenso wenig eine Riesenkrone“, so der 24-Jährige. Ein Anzug mit Verzierungen, wie man sie bei Trachten findet, komplettiere sein hoheitliches Outfit. Burkhardt sieht sein Amt als repräsentative Rolle, in die er schlüpft. Er verstelle sich nicht, „aber ich passe mich der Rolle an, auch äußerlich.“
Grundsätzlich, findet Burkhardt, sollte jeder die Chance haben, ein solches Ehrenamt zu bekleiden. Er habe Verständnis für Menschen, die sehr an Traditionen hängen, aber die Diskussion in der Vorderpfalz sei sehr aus dem Ruder gelaufen. Dass er der erste männliche Marktgraf Sickinger Land wurde, sei in der Region recht geräuschlos über die Bühne gegangen. „Kritik habe ich noch nie erlebt, im Gegenteil, bisher bekam ich nur positive Reaktionen“, sagt der junge Mann. Da sei die Westpfalz vielleicht mal der Vorderpfalz voraus, meint er mit einem Augenzwinkern. So wie es jetzt in Wallhalben gehandhabt wird, sehe er keinen Modernisierungsbedarf, sagt Burkhardt.
