Zweibrücken Was die Stadt gegen Hitze und Hochwasser unternimmt
Der Herzogplatz wird vorerst so bleiben müssen, wie er ist, erklärte die städtische Klimaanpassungsmanagerin Anne-Lorraine Ring: Direkt unter dem Platz befindet sich ein Regenüberlaufbecken mit einem Fassungsvermögen von 462 Kubikmetern. Deshalb sei es schwierig, hier Bäume zu pflanzen. Zudem seien bauliche Maßnahmen nicht vor 2026 möglich; also 25 Jahre nach 2001, als für die letzte Umgestaltung zweckgebundene Fördermittel flossen. Immerhin sei der Platz „gut belüftet“, sagte Ring zu den etwa 15 Teilnehmern. Zum Rundgang hatte die Klimaschutzinitiative ZW-Vernetzt eingeladen.
Ring erklärte, der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) habe in der Stadt elf Regenüberlaufbecken angelegt, ein weiteres sei geplant. Zweibrücken sei aber noch lange keine „Schwammstadt“ mit Flächen, die große Mengen Wasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben können. Trotzdem sei Zweibrücken „sehr weit“, wenn es darum gehe, Wasser als Gefahr abzuwehren.
Fassaden und Dächer begrünen
Mit kleinräumigen Maßnahmen wie Fassadenbegrünungen seien „eine Abkühlung im unmittelbaren Umfeld zu erreichen und Lebensräume für Tiere zu fördern“. Leider sei neulich die Fassadenbegrünung am Hallplatz-Parkhaus zerstört worden. Vandalismus sei immer wieder ein Problem; andere städtische Grünflächen würden plattgetreten oder gar mit Autos überfahren.
Ring schlägt vor, das Dach der Hallplatz-Galerie zu begrünen. Für solche Maßnahmen müsse man aber mit den Eigentümern sprechen – auch bei Industrieanlagen. Erste Gespräche seien geführt worden. Die nachhaltige Bauleitplanung schreibe seit 2021 vor, dass Flachdächer in Neubaugebieten begrünt werden müssen. Noch besser, so Ring, sei ein Gründach in Kombination mit einem Solardach.
Renaturierungen
Für bessere Luft sollen die Sommerlinden und Amberbäume sorgen, die auf dem Parkplatz des Oberlandesgerichts gepflanzt wurden. Inzwischen zweieinhalb bis drei Meter hoch, werden sie „in etwa 15 Jahren ihre Wirkung entfalten“, so Ring. Auf dem Parkplatz sei auch eine Schotterfläche renaturiert worden. Eine weitere in der Münzstraße, auf der auch ein Insektenhotel steht, sei bereits von ZW-Vernetzt renaturiert worden, was „eine Vorzeigemaßnahme“ sei.
Allerdings, so Ring, könne man nicht immer direkt ins Erdreich pflanzen. Dieses sei in Städten oft von Leitungen durchzogen. Wo kein stationäres Grün möglich sei, biete sich mobiles Grün an. So wie etwa auf dem Hof des Helmholtz-Gymnasiums. Die „Wanderbäume“ von ZW-Vernetzt, die über Monate als mobiles Grün unterwegs waren, haben jetzt ihren festen Standort am Lehrerparkplatz des Gymnasiums gefunden.
Eine Linde als zentraler Treffpunkt
Gemeinsam mit der Schule wurde auf dem Hof des Helmholtz eine Linde gesetzt. „Früher hatte jedes Dorf eine Linde als zentralen Platz, wo man sich getroffen hat“, sagte Ring. Die Linde stehe gerne alleine, passe sich dem Klima an und sei insektenfreundlich. Stehe sie auf einem Parkplatz, könne ihr klebriger Nektar aber bei Autofahrern für Verdruss sorgen.
Bei der Pflege der Blumenkübel in der Fußgängerzone wünscht sich Ring mehr Beteiligung der Anlieger. Dass diese Patenschaften übernehmen, sei bislang eher die Ausnahme als die Regel. Die meisten Blumenkübel unterhalte der UBZ.
Erfrischungskarte und Trinkwasserbrunnen
Abkühlung schaffen nicht nur die Wasserspiele in der Fußgängerzone und auf dem Alexanderplatz – der begrünt und mit einem Trinkwasserbrunnen versehen werden soll –, sondern auch der Brunnen am Hallplatz. Er wurde in die neue „Erfrischungskarte“ aufgenommen, die derzeit erstellt wird. Die Karte soll Orte nennen, „die qualifiziert sind, für Abkühlung und Erholung zu sorgen“, so Ring.
Einen von ZW-Vernetzt initiierten Trinkwasserbrunnen gibt es laut Ring am Bonhoefferhaus; der Brunnen am Exe-Spielplatz soll nach den Umbaumaßnahmen wieder installiert werden. Ein weiterer Trinkwasserbrunnen sei für den Goetheplatz vorgesehen, weil dort viele Radfahrer vorbeikommen und ein Wasseranschluss vorhanden ist. Dieser Brunnen soll rund 12.000 Euro kosten. Der Stadtrat habe zugestimmt. Planen könne man aber erst, wenn der Haushalt genehmigt ist, erklärte Ring.