Zweibrücken Augenoptikerinnen: Warum auch ein Wischlappen Marketing ist
Kaum hat Andrea Kirmse am Morgen die Ladentür aufgesperrt, streift sie Gummihandschuhe über und greift zum Besen. „Dann kehre ich vorm Haus in der Fußgängerzone den Boden und hole aus den Blumenkübeln die Kippen der Nacht.“ Hat sich am leerstehenden Laden gegenüber zu viel Schmutz am Schaufenster angesammelt, schnappt sie sich den Putzlappen und wischt über die Scheibe.
2008 haben sich Andrea Kirmse und Marianne Burger selbstständig gemacht und zusammen ihr Geschäft „Die 2 Augenoptiker“ in der Zweibrücker Hauptstraße eröffnet. Dass sie so viel Wert auf ein sauberes, aufgeräumtes Umfeld legen, begründet die Mauschbacherin Burger damit, „dass wir halt Einzelhändler sind. Wer zum Einkaufen in die Zweibrücker Innenstadt kommt, muss sich hier wohlfühlen. Eine ansprechende Fußgängerzone, ein schönes Ambiente sind die Visitenkarte einer Einkaufsstadt.“ Deshalb ist es für die beiden Ehrensache, vorm Laden „ihre“ Blumenkübel, die die Stadt und der UBZ in der Fußgängerzone aufgestellt haben, regelmäßig zu bepflanzen, zu gießen und zu pflegen.
Ein Motto für die Einkaufsstadt?
Die Zweibrückerin Andrea Kirmse lobt die strikte Strategie, die im Fashion Outlet gefahren wird. „Die Verantwortlichen dort haben den Vorteil, dass sie genaue Richtlinien für alle Läden vorgeben können. Ein einheitliches Sauberkeitskonzept, an das sich jeder einzelne Shop zu halten hat. So ist alles tipptopp. Aber es sollte doch auch den Läden in der Fußgängerzone möglich sein, gemeinsam ein gutes Erscheinungsbild sicherzustellen.“ Manches lasse sich amtlich regeln, meint Kirmse und verweist nach Saarbrücken: Dort werden sofort 25 Euro Gebühr fällig, wenn jemand beim Wegwerfen einer Zigarettenkippe erwischt wird.
Marianne Burger weiß, dass manche Zweibrücker Geschäftsimmobilien Leuten gehören, die anderswo leben. Und dass den Betreibern von örtlichen Filialen großer Ketten oft die Handhabe fehlt, ihre Läden und Öffnungszeiten umzugestalten. „Wir sind kein City-Marketing oder Stadtentwickler“, bemerkt Andrea Kirmse. „Wir würden uns aber ein übergeordnetes Motto oder Ziel wünschen, hinter dem sich die ganze Innenstadt versammeln könnte. Warum sollten wir Zweibrücken nicht etwa als ,Gesundheitsstadt’ ausbauen? Schließlich haben wir hier das Krankenhaus, und die Geschäfte könnten Werbung und Marketing-Aktivitäten auf so ein Motto abstimmen.“
Anderen ein Schaufenster bieten
Seit knapp fünf Jahren, nach dem Ende des Corona-Ausnahmezustands, stellen die beiden Optikerinnen eines ihrer Schaufenster anderen Anbietern zur Verfügung. „Das soll kein Pop-up-Store sein“, betont Marianne Burger. „Vielmehr möchten wir auf Leute aufmerksam machen, die ein Gewerbe angemeldet haben, das aber zu klein ist, um ein Ladenlokal zu tragen.“ Aktuell wird ihr Schaufenster von Alexander Babilon aus Rimschweiler bespielt: Im Hauptberuf Angestellter in einer Physiotherapie-Praxis, unterhält er in seiner Freizeit einen Handel mit Dekorationsartikeln, Mitbringseln und Kunsthandwerk. Bei den beiden Augenoptikerinnen zeigt er derzeit ein Oster-Arrangement mit Ware aus seinem Sortiment. „Mit einem einzigen verkauften Osterhasen am Tag kann er kein Geschäft oder Verkaufspersonal finanzieren“, erklärt Burger. „Aber bei uns hat er die Möglichkeit, sein Gewerbe bekannter zu machen. Wenn jemand etwas aus dem Schaufenster kaufen möchte, kann er das bei uns tun; wir nehmen das Geld dann für Alexander Babilon an. Und hier im Laden haben wir ein schönes, immer wieder wechselndes Fenster. So soll es sein, wenn man sich gegenseitig helfen kann.“
Eine Seifensiederin hat sich hier schon vorgestellt, ebenso eine Keramikerin aus Zweibrücken. Die Ersten, die das Schaufenster in der Hauptstraße als Werbemöglichkeit genutzt hatten, waren die vier jungen Bechhofer, die unter dem Firmennamen Mameka den Travelbuddy entwickelt haben – eine Trinkflasche mit Wasserfilter zum Überhallhin-Mitnehmen. Neulich hat das junge Unternehmen den Zukunftspreis des Vereins Zukunftsregion Westpfalz gewonnen.
„Uns ist wichtig, dass die Kunden hier Dinge kaufen können, die es so in Zweibrücken sonst nicht gibt“, erläutert Andrea Kirmse. „Deshalb haben wir auch beschlossen, dass wir im Schaufenster keine Gemälde oder Skulpturen zeigen. Denn bildende Kunst hat in der Stadt ja schon eine große Plattform.“