Zweibrücken Wer hat die Zerstörung am Parkhaus angerichtet?
„Das wirft uns zwei Jahre zurück“, ärgert sich Kerstin Pick über die mutwillige Zerstörung der Begrünung am Parkhaus der Hallplatz-Galerie. Unbekannte haben an der Ostfassade mehrere hoch angewachsene Kletterpflanzen abgerissen beziehungsweise abgeschnitten. 2022 waren dort gezielt Geißblatt, Blauregen und Waldreben angepflanzt worden, um zur Verbesserung des Kleinklimas beizutragen. „Die Pflanzen spenden Schatten, mindern die Umgebungstemperatur und bieten Lebensraum für Tiere“, erklärt Kerstin Pick von ZW-vernetzt. Die Zweibrücker Klimaschutz-Initiative hatte die Fassadenbegrünung in Zusammenarbeit mit Schülern vom Helmholtz-Gymnasium angepflanzt. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Karin Grgic pflegt und gießt Pick die Pflanzen seither regelmäßig. „Weil überall die Temperaturen ansteigen, kann so eine Bepflanzung die Aufenthaltsqualität in der Stadt verbessern“, spricht Kerstin Pick vom „vielleicht einzigen Zweibrücker Beispiel für vertikale Begrünung im öffentlichen Bereich. Andere Städte sind in dieser Hinsicht schon viel weiter.“ Schon zweimal sei das Parkhaus-Projekt der Zweibrücker Gruppe Thema in Fernsehbeiträgen des SWR gewesen.
Mit anderen Beeten, die ZW-vernetzt im Stadtgebiet betreut, etwa am Helmholtz-Gymnasium, habe man noch nie Probleme mit Vandalismus gehabt.
Hatten die Täter extra ein Messer dabei?
„Am 1. Februar waren Karin Grgic und ich dort vor Ort. Da war noch alles in Ordnung“, erinnert sich Kerstin Pick. „Wir hatten uns gefreut, dass die Pflanzen so gut gediehen und schon vier bis sechs Meter hoch angewachsen waren. Dann hat uns unser Freund Georg Dhom am 25. Februar in einer E-Mail auf die Verwüstung aufmerksam gemacht. Die Tat muss etwa Mitte Februar passiert sein.“ Die Klimaschützerin vermutet, dass die Unbekannten für ihre Zwecke eigens ein Messer mitgebracht haben. Die meisten Ranken wurden in 50 bis 60 Zentimeter Höhe abgeschnitten, einige direkt am Boden. So wurde nahezu die gesamte Begrünung an der Ostseite des Parkhauses kaputtgemacht. „Sogar eine senkrecht installierte Rankhilfe, die mit einer Schelle befestigt war, wurde aus ihrer Verankerung gerissen.“
Am 3. März haben Grgic und Pick die zerstörten Pflanzenreste aufgehoben und die traurigen Relikte weggeräumt, die noch abgeschnitten an der Wand baumelten.
„Immerhin sind im Erdreich noch die Wurzeln drin“, hofft Kerstin Pick, dass die geschundenen Pflanzen bald wieder Triebe ausbilden und erneut an der Fassade hochklettern können.
Stadt: Bitte kein Rückschnitt auf eigene Faust
Wie wichtig solche Projekte sind, erklärt die Zweibrücker Klimaanpassungsmanagerin Anne-Lorraine Ring: „Durch den Klimawandel müssen wir damit rechnen, dass in Zukunft in Zweibrücken in den Sommermonaten regelmäßig Temperaturen von über 40 Grad auftreten. Alles Grün trägt durch Verdunstungskühlung zur Abkühlung der unmittelbaren Umgebung bei und muss unbedingt erhalten beziehungsweise ausgeweitet werden. Leider wird das Fassadengrün am Hallplatz-Parkhaus diesen Zweck im Sommer 2025 zunächst nicht mehr erfüllen können.“
Eine Anzeige hat ZW-vernetzt nicht erstattet. „Das wäre ein zu großer Aufwand, und am Schluss würde dabei wohl eh nichts rauskommen“, lässt Kerstin Pick auf Nachfrage durchblicken. Auch die Stadt verzichtet vorerst auf einen solchen Schritt. Rathaussprecher Jens John möchte aber klarstellen, „dass die Fassadenbegrünung dort die Verkehrssicherheit in keiner Weise beeinträchtigt hat. Für einen Rückschnitt der Pflanzen gab es also keinen Anlass. Wir bitten die Bevölkerung von eigenmächtigen Rückschnitten abzusehen.“ In Absprache mit ZW-vernetzt, so John, werde es die Stadt jetzt mit Hinweisschildern versuchen, um Passanten an Ort und Stelle über den Zweck der Begrünungsaktion aufzuklären.