Zweibrücken
Warum viele Haushalte noch lange aufs schnelle Internet warten müssen
Im Frühherbst, wenn die Leute aus den Sommerferien zurück sind, startet die Stadtverwaltung ihre Bürgerbefragung zum Thema Glasfaserausbau. Wie berichtet, hat die Firma Unsere Grüne Glasfaser (UGG) ihre ursprüngliche Absicht aufgegeben, ganz Zweibrücken ans Breitbandnetz anzuschließen. Nun versucht die Stadtverwaltung, andere Firmen von einem Engagement hier zu überzeugen. „Aber es reicht leider nicht, den Unternehmen zu sagen, es wär’ schön, wenn ihr den Ausbau in unserer Stadt übernehmt“, sagte Oberbürgermeister Marold Wosnitza am Mittwochabend im Stadtrat. Ziel der Bürgerbefragung sei es, einem potenziellen Ausbau-Interessenten sofort eine aussagekräftige Liste mit Zweibrücker Haushalten vorlegen zu können, die einen Glasfaseranschluss wünschen und bereit wären, dafür zu bezahlen. „Mit dieser Bedarfsanalyse können wir als Stadt aktiv an die Unternehmen herangehen und nachweisen, dass sich der Ausbau für sie wirtschaftlich rechnen würde.“
Ende Mai hatte die Firma UGG die Stadt wissen lassen, dass sie den Ausbau bis 2027 nur noch in den bereits begonnenen Gebieten fertigstellen wolle. Diese befinden sich in bestimmten Vierteln in der Innenstadt, in Ernstweiler, Niederauerbach und Mörsbach. Damit, so der städtische Digitalisierungsbeauftragte Jeremias Krebs im Stadtrat, werde UGG in Zweibrücken am Ende rund 2800 Adressen mit Glasfaser versorgen. Hinzu kämen nach aktuellem Stand 1050 Adressen im Stadtkern und 260 Gewobau-Wohnungen in der Canadasiedlung, die von der konkurrierenden Telekom bedient würden. Die Firma 1&1 Versatel werde sich um 50 Anschriften auf dem Zef-Gelände am Flughafen kümmern. Insgesamt, so Krebs, würden damit knapp 4500 von 12.000 Zweibrücker Adressen ans schnelle Internet angeschlossen. Im Stadtrat erläuterte der Digitalisierungsbeauftragte, dass die UGG seines Wissens in Zweibrücken bis jetzt noch keinen einzigen Glasfaseranschluss schon zum Laufen gebracht habe.
Keine Pläne für Oberauerbach
Für Oberauerbach gebe es bis auf Weiteres keinerlei Ausbaupläne. In Mittelbach und Rimschweiler seien bislang nur einige wenige Gewerbeadressen versorgt; hinzu kämen 20 Anschlüsse im Neubaugebiet Rimschweiler. „In Wattweiler“, so Marold Wosnitza, „haben die vorhandenen Internet-Hausanschlüsse heute schon eine relativ hohe Geschwindigkeit. Viele Leute dort sagen, dass ihnen das ausreicht und dass sie sich gar keine Glasfaser mehr legen lassen möchten.“
Ohnehin sei in der Zweibrücker Bevölkerung ein abnehmendes Interesse an dem Angebot zu beobachten. „Genau deshalb müssen wir die Bedarfsanalyse vornehmen, um die Ausbaufirmen mit belastbaren Daten darüber zu versorgen, mit wie vielen Neuanschlüssen sie hier Geld verdienen können.“
Lückenschluss zwischen Ausbaugebieten?
Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass die UGG seinerzeit einen eigenwirtschaftlichen Ausbau zugesagt habe. „Auf solche wirtschaftlichen Entscheidungen, einen Ausbau aufzunehmen oder einzustellen, hat die Stadt keinen Einfluss. Die Unternehmen sind frei, diese Entscheidungen für sich zu treffen.“ Den Vorwurf, die Stadt habe mit der damaligen Unterschrift bei UGG falsch entschieden, mag Wosnitza nicht hinnehmen. „Wir mussten dieses Angebot annehmen, weil sich sonst ja keine Socke um Zweibrücken gekümmert hat. Erst nachdem wir bei der UGG unterschrieben hatten, kamen noch weitere Firmen auf uns zu.“ Unterschrieben habe die Stadt bei der UGG übrigens keinen direkten Ausbauvertrag – einen solchen könnten nur Privathaushalte mit dem Anbieter abschließen –, sondern einen sogenannten Letter of Intent. „Das bedeutet ganz einfach, dass die Stadt dem Unternehmen beim Glasfaserausbau ihre Unterstützung zugesagt hat.“ Das Schreiben der UGG an die Haushalte, mit dem die Firma im Mai ihren Rückzug bekanntgab, sei allerdings „relativ frech“ formuliert gewesen, kritisierte der Rathauschef.
„Im Moment reden wir mit den Firmen, die derzeit an verschiedenen Ecken in Zweibrücken am Ausbauen sind“, so Wosnitza. „Wir wollen ausloten, ob und wo diese Unternehmen Versorgungslücken zwischen ihren Gebieten schließen können.“