Zweibrücken / Contwig
Vermietung im Auftrag von Amazon
Die ursprünglichen Pläne des Versandhändlers Amazon, bis Ende des Jahres den Betrieb im neuen Logistikcenter „Am Steitzhof“ aufzunehmen, und die ersten von geplant 350 bis 400 Mitarbeiter einzustellen, scheinen verworfen. Wie berichtet, kann die für Logistik zu Verfügung stehende Gesamtfläche von 47.776 Quadratmetern oder können Teilflächen von bis zu 10.000 Quadratmetern angemietet werden. Die Halle verfügt über 59 Ladetore; unter anderem 209 LKW finden einen Stellplatz auf dem gut 216.000 Quadratmeter großen Grundstück, das eigens über eine neue Zufahrt an die Kreisstraße 84 zwischen dem Zweibrücker Flugplatzgelände und Walshausen/Dellfeld angebunden wurde. Mit der Vermietung wurde eines der größten Unternehmen der Branche, der US-amerikanische Spezialist für Logistikimmobilien, CBRE, beauftragt. In Deutschland hat CBRE seinen Sitz in Berlin. Eine RHEINPFALZ-Anfrage zur Vermietung beantwortete CBRE in der Sache nicht. „Wir äußern uns zu dem Mandat nicht“, erklärte die zuständige Unternehmenssprecherin in dieser Woche.
Fragen nach einer nur kurz- oder doch mittelfristigen Zwischennutzung der etwa neun Fußballplätze großen Halle bleiben damit unbeantwortet. Und auch, ob über einen Antrag und Genehmigung eine Umnutzung auch produzierendes Gewerbe infrage komme. Auch zu Mietkonditionen, etwa Quadratmeter-Preisen, ist nichts zu erfahren. Offiziell lässt CBRE auch nichts über seinen Auftraggeber verlauten. Nach RHEINPFALZ-Information ist es Amazon selbst. Als Mieter von Scannell begleicht Amazon demnach eine Monatsmiete von 525.000 Euro für das als Umschlagplatz für Großgeräte geplante und gebaute Logistikcenter am Steitzhof.
Wie berichtet, beantworten Amazon wie auch Bauherr und Eigentümer Scannell Properties seit Monaten keine Fragen zum Objekt und zu Plänen am Steitzhof. Was zur Abkehr vom ursprünglichen, mit viel Zeitdruck begonnenem Vorhaben geführt hat, ob eine korrigierte Markteinschätzung Amazons oder andere Gründe, lässt sich damit nicht beantworten.
Die Marketingagentur Additiv mit Sitz in Montabaur, die Scannell in Deutschland in der Pressearbeit betraut hat, hat auf eine Anfrage der RHEINPFALZ nach einer Woche geantwortet. Allerdings nur mit dem Hinweis, dass sie die Anfrage an die europäische Pressestelle von Scannell mit Sitz in London weitergeleitet hat. Eine Antwort aus London steht seit fast drei Wochen aus. Im Sommer lief das noch andersrum: Damals hatte die RHEINPFALZ direkt in London angefragt, und die Anfrage wurde an die Agentur in Montabaur weitergeleitet. Die schrieb damals, dass man sich nicht äußern werde.
Landkreis, Stadt und Zweckverband Flugplatz sind bei der Suche nach einem Nutzer für die Halle außen vor, versuchen aber zu helfen. Auf eine Anfrage der RHEINPFALZ teilte Kreissprecher Thorsten Höh mit: „Die Vermietung ist nach wie vor Sache des Eigentümers. Diesem wurde die Unterstützung der Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Stadt Zweibrücken und des Landkreises aktiv angeboten. Insofern werden auch potenzielle Interessenten für Ganz- oder Teilflächen direkt an den Eigentümer vermittelt. Durch die direkte Lage zur Autobahn und der Nähe zu Frankreich handelt es sich bei dem Areal um einen sehr attraktiven Standort, der für regionale oder überregionale Unternehmen viele Optionen bietet.“ Zur Frage, ob es bereits konkrete Interessenten gab, äußerte sich Höh nicht.