Zweibrücken / Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Standort für Amazon: Nächstes Jahr im Sommer soll der Gigant ausgewachsen sein

In Bauabschnitten wird die Logistikhalle von Scannell errichtet: Von den 340 Metern, die die Halle einmal in der Länge messen wi
In Bauabschnitten wird die Logistikhalle von Scannell errichtet: Von den 340 Metern, die die Halle einmal in der Länge messen wird, stehen jetzt rund 150.

Der Gigant am Steitzhof, die Logistikhalle des US-Unternehmens Scannell, wächst. In eindrucksvollem Tempo. Man liege im Zeitplan, sagt Deutschland-Chef Heiko Richter. Mitte 2023 will man mit dem Bau fertig sein. Wann übernimmt Amazon?

Die Kreisstraße oberhalb, die parallel der Autobahn führende K 84 zwischen der Anschlussstelle Walshausen und dem Outlet, ist gesperrt, weil bis Ende des Jahres der Ausbau erfolgen soll. Trotzdem sieht man immer wieder Spaziergänger und Fahrradfahrer, die herab auf das abfallende, jetzt in Terrassen gestufte Steitzhof-Gelände blicken, fasziniert dem Baufortschritt folgen. Zu sehen ist knapp die Hälfte der Gesamtgröße des von Scannell zur Vermietung an den Versandhändler Amazon vorgesehenen Logistikzentrums. Mit 51.000 Quadratmetern Nutzfläche wird es einmal das größte in der Südwestpfalz. Glatt doppelt so groß wie das ehemalige Zentrallager des Solaranlagen-Händlers Conergy auf dem Flughafen-Gelände.

Rund 70 Spezialisten für den Erdbau und den Hochbau arbeiten am Steitzhof. Während Richtung Zweibrücken noch gegraben wird, arbe
Rund 70 Spezialisten für den Erdbau und den Hochbau arbeiten am Steitzhof. Während Richtung Zweibrücken noch gegraben wird, arbeiten an der Ostseite Richtung Dellfeld/Walshausen schon die Fassadenbauer.

Während westwärts noch der Grund vorbereitet wird, um weitere Stelzen zu setzen, die Bauabschnitte fünf, sechs, sieben acht, liegt auf den östlichen Baufeldern schon das Dach und die Fassadenbauer sind zugange. 70 Bauarbeiter des in Saarbrücken ansässigen Generalunternehmers GSE Deutschland treiben das Millionen-Projekt voran. Bis zum Beginn des Hochbaus im Sommer musste massig Steitzhof-Gestein, Schiefer und Lehm, bewegt werden. „Wir haben jetzt etwa 400.000 Kubikmeter bewegt und werden noch rund 100.000 bewegen“, sagt Marc Heißenberg vom Erdbauunternehmen Quakernack aus Bielefeld.

Die „Bauherren“ am Steitzhof mit Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza: von links Bauleiter Drago Nanovski vom Generalu
Die »Bauherren« am Steitzhof mit Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza: von links Bauleiter Drago Nanovski vom Generalunternehmer GSE, Marc Heißenberg vom Erdbauer Quakernack, OB Marold Wosnitza, sowie vom Auftraggeber Scannell Heiko Richter und Thomas Unzen.

Es sei einfach ein gigantisches Vorhaben, findet Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza, noch amtierender Vorsteher des Zweckverbandes Entwicklungsgebiet Flugplatz Zweibrücken (Zef), diese Woche beim spontanen Baustellenbesuch. Die Fertigstellung wird in die Amtszeit von Landrätin Susanne Ganster fallen, die turnusgemäß im Oktober den Zef-Vorsitz übernimmt. Bauherr Scannell hatte zur Baustellen-Party geladen, ein sich wiederholendes Dankeschön für die Wochen fern ihrer Familien, meist in Containern direkt an der Baustelle, wohnenden Bauarbeiter.

Ein Gigant: 340 Meter lang, 150 breit

Auf etwa 150 Meter stehen schon die Betonstützen, die dem künftigen Verteilzentrum eine lichte Höhe von 16 Metern ermöglichen. Fast 200 Meter stehen noch aus. Und doch sind die Konturen schon zu sehen. Wo das Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Steitzhofs stand, wird eine zweite Zufahrt zum Gewerbegebiet geschaffen, die Seilmacherstraße noch verlegt, Nachbar Verope so angebunden. Die anliefernden LKW werden das Center einmal umfahren können. „Im Prinzip ist es ein Rundlauf, abgestimmt auf den Kunden“, sagt Scannell-Chef Richter. Ihm ist der Mietername Amazon nicht zu entlocken, ebenso wenig eine Angabe zur Gesamtinvestition. Ein nicht kleiner zweistelliger Millionenbetrag sollte bei Letzterem realistisch sein. Vertragliche Verpflichtungen stehen dem Ersteren entgegen. Punkt. Der Versandhändler selbst treibt das aberwitzige Versteckspiel auf die Spitze. Auch diese Woche beantwortet die Amazon-Pressestelle die unverfänglichsten aller Fragen – Wann plant Amazon die Inbetriebnahme? Wie viele Mitarbeiter sind für den Drei-Sicht-Betrieb vorgesehen? Welches Zustellgebiet soll vom Steitzhof aus bedient werden? – mit einem Satz: „Es bleibt dabei, dass wir keine Ankündigung für einen solchen Standort gemacht haben.“ Immerhin wird ein bedauernder Nachsatz mit dem Gehalt, man könne dazu leider nichts sagen, angefügt.

Die Farben an der Wand verraten Amazon

Indes: Was vor einem Jahr, Anfang Oktober, im Stadtrat Zweibrücken schon öffentlich gesagt wurde, dass Amazon der Kunde von Scannell ist, wird nun auch auf der Baustelle augenfällig. Die stirnseitige Fassade des ersten Bauabschnitts trägt schon die blau-gelben Farben des Amazon-Logos. Aufwachsend, sollen einmal 400 Mitarbeiter am Steitzhof großes Stückgut versandfertig machen, das in den üblichen Verteilzentren, etwa dem gerade am Kaiserslauterer Opelkreises den Betrieb aufnehmenden, nicht gut kommissioniert werden kann. Einmal heißt: Irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 2023. Mit dem rasanten Tempo, in dem Vermieter Scannell den Bau vorantreibt, sollte das gelingen. Und irgendwann wird es den Amazon-Leuten auch öffentlich über die Lippen kommen: „Steitzhof? Contwig? Zweibrücken? Ja, das sagt uns was.“

So sah das Industrie- und Gewerbegebiet „Am Steitzhof“ vor einem Jahr aus. Seitdem wurden 400.000 Kubikmeter Steine und Erde bew
So sah das Industrie- und Gewerbegebiet »Am Steitzhof« vor einem Jahr aus. Seitdem wurden 400.000 Kubikmeter Steine und Erde bewegt.
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