Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Um helfen zu können, brauchen Gewerkschaften selbst Rückhalt

Dort, wo jetzt Siempelkamp drin ist, steht außen noch Pallmann drauf.
Dort, wo jetzt Siempelkamp drin ist, steht außen noch Pallmann drauf.

Die IG Metall gibt alles, damit die Pallmann-Beschäftigten nicht alleine bleiben. Doch auch Gewerkschaften brauchen breite Unterstützung derjenigen, denen sie helfen sollen.

Beherrschendes Thema dieser Woche war die Ankündigung der Siempelkamp-Gruppe, an ihrem Zweibrücker Standort fast jeden zweiten Arbeitsplatz „abbauen“ zu wollen, wie Manager das Streichen von Jobs so gerne nennen. Die Maschinenproduktion wollen sie einstellen und das Werk auf Endmontage und Service stutzen. Recycling-Spezialmaschinen, wie sie die erfahrenen Techniker in der Zweibrücker Fabrik derzeit noch selbst herstellen, sollen hier künftig nur noch gewartet werden.

Das Werk hat sich seit 1903 unter dem Namen Pallmann weltweites Renommee in seinem hochspezialisierten Segment des Anlagenbaus aufgebaut. Getrieben von einer Krise am Weltmarkt, von billiger Konkurrenz aus China, wollen die Krefelder Siempelkamp-Entscheider jetzt Kosten senken und ihre Spezialmaschinen lieber preisgünstig von außen zukaufen. Offenbar aus Fernost. Demnach droht die beabsichtigte Reaktion auf die globale Krise zu nichts anderem zu führen, als die Misere noch weiter zu vertiefen.

Lassen sich die Manager noch umstimmen?

Wieder einmal bleibt der Politik vor Ort wenig anderes übrig, als gegen nahezu vollendete Tatsachen zu protestieren. Als Enttäuschung darüber zu bekunden, wie ferne Direktoren mit den Menschen hier umgehen. Mit deren Lebensentwürfen und Familien. Es ist gut, dass der Oberbürgermeister unverzüglich das Gespräch mit der Geschäftsführung sucht. Und sich wie die Bundestagsabgeordnete Angelika Glöckner bemüht, die Landesregierung mit ins Boot zu holen.

Als wie machtvoll wird sich die Unterstützung aus der Politik für die bangenden Pallmann-Beschäftigten am Ende erweisen? Bleiben wirklich noch Wege offen, um die Krefelder Manager umzustimmen?

Dass einen solchen Weg gibt, wollen der Betriebsrat und die IG Metall beweisen. Wie schon vor zwei Jahren beim Kampf um das Zweigwerk Wallerscheid bei Tadano besorgt sich die Gewerkschaft kundige Hilfestellung bei der Mainzer Wirtschaftsberatung TBS. Diese Experten sollen zusammen mit der Pallmann-Belegschaft ein alternatives Betriebskonzept für den Standort erarbeiten. Als fachliche Grundlage, um die Zweibrücker Fabrik als führenden Player am Weltmarkt zu erhalten. Damit im Werk möglichst viele Menschen mit ihrer unersetzlichen Kompetenz weiter ihre Arbeit machen können.

Auch Gewerkschaften brauchen Unterstützung

Parallel dazu geht die Arbeitnehmervertretung in knallharte Gespräche mit der Geschäftsführung über einen Sozialplan und einen Interessensausgleich. Denn niemand bei Betriebsrat und IG Metall macht sich Illusionen darüber, dass jetzt ganz dicke Bretter gebohrt werden müssen.

Wieder brennt in einem Industriebetrieb die Hütte, und wieder werfen Gewerkschaften ihre geballte Wirkmacht und Erfahrung in den Ring. So wie sie es in schwierigen Zeiten wie diesen sicherlich bald auch noch in anderen Unternehmen werden leisten müssen. Damit sie das aber überhaupt können, sind sie auf einen möglichst hohen Organisationsgrad angewiesen. Jeder Beschäftigte, der jetzt noch darüber spekuliert, ob eine Mitgliedschaft für ihn vielleicht verzichtbar sein könnte – etwa, um Beiträge zu sparen –, sollte sich das sehr genau überlegen. Denn auch er könnte an seinem Arbeitsplatz bald selbst auf starken Rückhalt angewiesen sein. Womöglich früher, als er denkt.

x