Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel UBZ-Chefin hat ein Füllhorn voll Aufgaben und findet das gut

Nicole Hartfelder mit Plastikfiguren, die verschiedene Bereiche des UBZ repräsentieren.
Nicole Hartfelder mit Plastikfiguren, die verschiedene Bereiche des UBZ repräsentieren.

Abwasser, Straßenreinigung, Rosengarten, Winterdienst, Friedhöfe, Umweltschutz – der UBZ ist längst viel mehr als nur „die Müllabfuhr“, erfüllt alle möglichen Aufgaben. Ist das gut so? Ja, sagt die neue Chefin mit Nachdruck, ja, das sei gut so.

Trotz der Fülle an Leistungsbereichen, zwölf sind es insgesamt, würde Nicole Hartfelder keinen abgeben. Das steht nicht zur Debatte, aber sie würde es auch nicht wollen, wie sie versichert. Noch mehr Aufgaben dazunehmen, das auch nicht, nein, „ich wüsste auch nicht, welche“, sagt sie lachend. Aber mit dem breiten Spektrum, das der UBZ mit seinen 200 Mitarbeitern abdeckt, sei sie sehr zufrieden. Es sorge dafür, „dass wir immer reagieren können, immer handlungsfähig sind“.

Die Arbeitskräfte wild durch die Abteilungen mischen, das gehe nicht. Aber wenn etwa ein Müllfahrer krank sei, könne ein Kollege von der Kanalreinigung einspringen, nennt Hartfelder einen Vorteil des großen Unternehmens. 140 operative Mitarbeiter habe der UBZ, also Männer und Frauen, die draußen arbeiten, als Müllfahrer etwa, als Gärtnerin oder Straßenkehrer. Und die 53-Jährige will diese Größe unbedingt beibehalten. „Damit können wir sehr vieles selbst erledigen“, was immer wichtiger werde. Gerade 2022 habe man gemerkt, wie schwierig es werden kann, Fremdfirmen zu finden und zu verpflichten. „Darauf können wir uns nicht mehr verlassen“, sagt die Bauingenieurin. Selbst machen laute die Devise.

Der Außendienst kriegt’s oft ab

Die 140 UBZ-Leute, die in der Stadt unterwegs sind, „kriegen es oft ab von den Bürgern“, bedauert ihre Chefin. So bekomme die Belegschaft aus der Gärtnereiabteilung öfter mal „Ratschläge“ von Hobbygärtnern, die meinten, es besser zu wissen. Darüber könne sie aber noch schmunzeln, sagt Hartfelder. Was sie richtig ärgert: „Wenn Leute anrufen und sagen, sie haben UBZler im Auto sitzen sehen, die essen und trinken und nix schaffen.“ Dabei sei es völlig normal und in Ordnung, dass Mitarbeiter ihre Pausen in den Fahrzeugen verbringen. „Sie können ja nicht jedes Mal, wenn sie im Einsatz sind, zurück zur UBZ-Kantine fahren, wenn sie einen Kaffee trinken wollen.“

Laut werde sie bei solchen „Petz“-Anrufen am Telefon aber nicht, sondern erkläre den aufgebrachten Bürgern ruhig und sachlich, warum was so ist, wie es ist. Laut werden sei generell nicht so ihr Ding, meint die 53-Jährige. Sie habe andere Methoden, um an ihre Ziele zu kommen. „Ich kann recht penetrant sein, wenn mir etwas wirklich wichtig ist“, sagt sie lächelnd. Dann rufe sie auch drei-, vier-, fünfmal hintereinander an, immer freundlich, immer verbindlich, aber so lange, „bis ich angehört werde“.

Umsetzer, keine Gestalter

Eine gewisse Beharrlichkeit zum Durchsetzen ihrer Standpunkte braucht sie auch gegenüber Stadtspitze und Stadtverwaltung, mit denen sie sehr eng zusammenarbeitet. Wobei Nicole Hartfelder klarstellt: „Wir sind eine 100-prozentige Stadttochter und erledigen Aufgaben für die Stadt. Wir sind Umsetzer, keine Gestalter.“ Und so sehe sie ihre Aufgabe als neue Chefin auch nicht darin, das Rad neu zu erfinden, sondern dafür zu sorgen, dass das gut dastehende Unternehmen UBZ den Bürgern weiterhin „Alles für ein gutes Stadtgefühl“ geben kann, wie es auf den Fahrzeugen steht.

Das gute Stadtgefühl hängt nicht wenig am UBZ, er spielt in fast alle Lebensbereiche rein. Alle Haushalte produzieren Abwasser und Müll, die entsorgt werden müssen, alle wollen auf gut ausgebauten, freien, sauberen Straßen unterwegs sein. Sie habe deshalb auf die Kerngeschäfte des UBZ ein besonderes Augenmerk, sagt Nicole Hartfelder, die auch immer mal wieder auf der Deponie in Mörsbach oder auf dem Betriebshof vorbeischaut, überhaupt alle 200 Mitarbeiter persönlich kennen lernen will. Und ihre Arbeitsbereiche, für die sie sich nach 25 Jahren beim UBZ immer noch begeistern kann, vor allem für technische Finessen.

Technik fasziniert sie

Ihre Schilderungen werden sehr lebhaft und gestenreich, wenn sie etwa von der Kläranlage erzählt, „mittlerweile eine hoch technisierte Sache und überaus interessant“. Sehr viel Strom verbrauche diese, auch wenn sie zu 80 Prozent autark arbeite, „die muss funktionieren“, weil jeder Bürger Zweibrückens dranhänge, also fast jeder, 99 Prozent der Haushalte, von ein paar Höfen mit Sickergruben abgesehen. Wegen der Kläranlage und anderer kritischer Infrastruktur habe der UBZ Speicheranlagen und Notstromaggregate angeschafft. „Wir investieren bereits seit Jahren in erneuerbare Energien“, sagt Hartfelder.

Auf der Mülldeponie sei die Stilllegung eines weiteren Abschnitts beantragt, derzeit laufe die Untersuchung auf Gase. Sei der Antrag durch, werde der Müllberg abgedichtet und rekultiviert – und dann wird laut Hartfelder eine Photovoltaikanlage darauf installiert, auf etwa einem Hektar Fläche. Der dort erzeugte Strom werde ins Netz eingespeist.

Kerngeschäft und „Schmankerl“

Rosengarten, Friedhöfe und Grünflächen sieht Hartfelder neben den hoheitlichen Aufgaben der Daseinsfürsorge, wie es im Amtsdeutsch heißt, als „Schmankerl“, von denen sie aber auch keins mehr hergeben würde. Das alles dem UBZ zu überlassen, sei eine gute Entscheidung gewesen, siehe das anfangs erwähnte breite Aufstellen. Dass ein Entsorgungsbetrieb das Programm für den Rosengarten erstellt, sei zwar nicht Standard, laufe beim UBZ aber inzwischen gut.

Dem Rosengarten fühlt Nicole Hartfelder sich auch persönlich verbunden – wieder, wie sie einräumt. „Früher als Kind ist man da mal mit den Eltern hin und hat sich gelangweilt.“ Heute sei der Rosengarten ein Park mit hohem Freizeitwert und einem sehr gemischten Publikum. Kurz habe man darüber nachgedacht, keinen Eintritt mehr zu verlangen, sei dann aber wieder davon abgekommen. „Für viele hat keinen Wert, was nichts kostet, so traurig das ist“, sagt Hartfelder. Der Eintritt sei überdies vertretbar und nicht überteuert.

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