Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel S-Bahn fährt ab Ende 2028 bis nach Zweibrücken

Die Vertragsunterzeichnung stieß auch auf ein großes Medieninteresse.
Die Vertragsunterzeichnung stieß auch auf ein großes Medieninteresse.

Zweibrückens OB sprach von einem „absolut historischen Ereignis“, für den Verkehrsverbund VRN ist es „ein Meilenstein“, und alle sind sich sicher: Ende 2028 fahren wieder Züge von Zweibrücken nach Homburg.

Die S-Bahn von Osterburken über Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, Neustadt, Kaiserslautern und Landstuhl bis Homburg wird verlängert. Sie fährt ab Ende 2028 bis Zweibrücken. Dafür wird die 1991 stillgelegte Bahnstrecke zwischen Zweibrücken und Homburg reaktiviert. Am Mittwochmorgen unterzeichneten die Klimaschutzministerinnen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, Katrin Eder und Petra Berg, Vertreter der Bahn, der Kommunen und des Verkehrsverbunds den Finanzierungsvertrag. Die sei ein Meilenstein in dem Projekt, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Stadt Zweibrücken schreibt „Jetzt ist es sicher!“, und sie spricht von einem „Schlussstrich unter eine 20 Jahre währende Hängepartie“.

So lange ist die Reaktivierung schon im Gespräch, doch sie hat sich immer wieder verzögert. Zuletzt wurden Zeit- und Kostenplan Mitte 2023 angepasst. Die damals für Mai 2025 vorgesehene Inbetriebnahme hat sich auf Ende 2028 verschoben. Die Kosten haben sich gegenüber der damaligen Schätzung fast verdoppelt auf knapp 80 Millionen. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, sagte jedoch, dies sei „gut ausgegebenes Geld für diesen Wirtschaftsraum“.

Auch Vorteile für FCK-Fans

Auch Zweibrückens Oberbürgermeister (OB) Marold Wosnitza sieht in der Bahnstrecke Vorteile für den Tourismus, die Wirtschaft und die FCK-Fans, die dann leichter mit dem Zug auf den Betzenberg kommen. Außerdem bringe die Bahnverbindung „eine massive Verkehrsentlastung für Einöd“. Es sei „ganz, ganz wichtig, dass wir unsere Fahrzeuge von der Straße bekommen“, sagte er.

Ähnlich sahen es die beiden Ministerinnen. Katrin Eder sah in der Vertragsunterzeichnung ein Zeichen, „dass das Projekt tatsächlich umgesetzt wird“. Kaiserslautern werde somit für die Zweibrücker Bahnfahrer „sehr viel besser erreichbar“, und das noch mit Fahrtzeiten, die gegenüber dem Auto konkurrenzfähig seien. Für Petra Berg war es „wirklich ein sehr guter Tag, auch für das Saarland“. Man schaffe mit der Verbindung „mehr Mobilität bei weniger Verkehr“.

„Ein guter Tag für die Westpfalz“

Gudrun Heß-Schmidt, Beigeordnete des Landkreises Kaiserslautern und stellvertretenden Verbandsvorsitzende des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN), gestand, dass sie zwischendurch ihre Zweifel hatte, dass die Reaktivierung tatsächlich kommt, obwohl sie grundsätzlich ein optimistischer Mensch sei. Sie erinnerte daran, dass die drei Städte und vier Landkreise in der Westpfalz gemeinsam ihren Teil der Kosten tragen. Und das, obwohl manche Kreise gar nicht an der Strecke liegen. „Es ist ein guter Tag für die Westpfalz“, fand auch sie. Der Germersheimer Landrat Fritz Bechtel als Vorsteher des Zweckverbandes ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd versprach sich von der Erweiterung der S-Bahn „eine neue Attraktivität“ für den öffentlichen Nahverkehr.

Baurecht besteht bereits. Laut Klaus Vornhusen muss nun der Bund, der etwa 50 Millionen der knapp 80 Millionen Euro beisteuert, diese Mittel freigeben. Das soll Anfang 2025 geschehen. Mitte 2025 sollen die Aufträge vergeben werden. In etwa einem Jahr sollen die Arbeiten beginnen, indem der erste Teil der Strecke freigeschnitten wird. Bis dahin soll auch die Haselmaus umgesiedelt sein, was aus Rücksicht auf den Artenschutz geschehen muss. Danach wird die Strecke von Homburg her ausgebaut. 2026 wird der zweite Teil der in den vergangenen 35 Jahren zugewachsenen Strecke freigeschnitten, und ab 2027 wird dieser Teil ausgebaut. Dabei geht es nicht nur um die Schienen, sondern um elektrische Oberleitungen, Weichen, drei neue Haltepunkte, fünf Unterführungen, damit der Verkehr oder Fußgänger die Gleise unterqueren können, und einen erhöhten Bahnsteig in Zweibrücken. Im Dezember 2028 soll die erste S-Bahn zwischen Zweibrücken und Homburg fahren.

Möglicherweise nur ein kurzes Vergnügen

Möglicherweise wird das zunächst nur ein kurzes Vergnügen: 2029 soll die Bahnstrecke zwischen Saarbrücken und Ludwigshafen generalsaniert und dafür ein halbes Jahr gesperrt werden. Wie sich das auswirkt und ob die Züge zwischen der nicht betroffenen Strecke zwischen Zweibrücken und Homburg dann weiterfahren können, könne man noch nicht sagen. Das antwortete Michael Heilmann, Michael Heilmann, Direktor des Zweckverbands ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd, am Rande der Vertragsunterzeichnung auf Anfrage der RHEINPFALZ. Es sei noch nicht klar, wann die Strecke gesperrt wird und ob sie komplett oder in Abschnitten gesperrt wird. Auf die Frage, ob es sein könnte, dass der Bund so noch kurz vor Schluss die 50 Millionen Euro doch nicht bewilligt, sagte Heilmann: „Das wird nicht passieren.“

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