Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel OB-Stichwahl am Sonntag: Was Marold Wosnitza in den nächsten acht Jahren besonders wichtig ist

Wir haben mit dem OB ein besonderes Interview geführt: Er durfte nicht mit Worten antworten, sondern nur mit Gesten, Mimik und R
Wir haben mit dem OB ein besonderes Interview geführt: Er durfte nicht mit Worten antworten, sondern nur mit Gesten, Mimik und Requisiten. Hier antwortet er auf die erste Frage: »Am Weißen Sonntag ist Stichwahl. Wie schauen Sie am 13. April?«

Marold Wosnitza möchte Zweibrücker Oberbürgermeister bleiben. Vor der Stichwahl am Sonntag haben wir ihm fünf Fragen gestellt und mit ihm ein besonderes Interview geführt.

Rund 26.000 Zweibrücker dürfen am Sonntag bestimmen, wer die Stadt die nächsten acht Jahre als Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin führen soll. Nachdem im ersten Wahlgang am 22. März kein Kandidat mehr als die Hälfte aller Stimmen bekommen hat, stehen sich am Weißen Sonntag die beiden Erstplatzierten erneut gegenüber: Der Amtsinhaber, Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD), und seine Stellvertreterin, die Beigeordnete Christina Rauch (CDU).

Die RHEINPFALZ hat beide Kandidaten gebeten, fünf Fragen zu beantworten. Außerdem haben wir mit beiden ein besonderes Interview geführt: Sie sollten nicht mit Worten antworten, sondern mit Gesten und Mimik. Requisiten waren erlaubt. Die Idee dazu kommt ursprünglich von den Kollegen des Magazins der Süddeutschen Zeitung und heißt dort „Sagen Sie jetzt nichts“. So hat Marold Wosnitza geantwortet.

Falls Sie gewählt werden: Worauf sind Sie im Jahr 2035 in Zweibrücken besonders stolz?
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Die Fotos auf Ihren Wahlplakaten kennen wir. Aber wie sehen Sie aus, wenn Sie morgens um 6 müde in den Spiegel schauen?
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Wie fühlen Sie sich, wenn Sie durch die Zweibrücker Innenstadt laufen?
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Sie haben in Ihrem früheren Beruf junge Leute unterrichtet. Was lernt man da für später, wenn man eine Stadt führt?
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Was wollten Sie eigentlich als Kind werden?
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Was sind für Sie die drei wichtigsten Punkte, die Zweibrücken in den nächsten acht Jahren angehen muss?

Wie möchten Sie dies erreichen?
a) Mobilität muss neu gedacht werden: flexiblere Busse mit mehr Haltepunkten und besserer Abstimmung auf Bahn- und Schichtzeiten. Die Stadt muss stärker steuernd eingreifen, wozu Teilkommunalisierung ein Weg sein kann. Gleichzeitig braucht Mobilität die Solidarität aller: einfacheres Parken, ein besseres Radwegenetz und bessere Bedingungen für Fußgänger, mit und ohne Beeinträchtigungen, damit sich alle sicher durch die Stadt bewegen können. Das verlangt Kompromisse aller Verkehrsteilnehmer.

b) Wir müssen neue Gewerbegebiete schaffen, in denen sich Industrie und Handwerk ansiedeln, Arbeitsplätze schaffen und unsere Wirtschaftskraft stärken. Dazu gehört auch der Ausbau des Tourismus: Die Erschließung des Himmelsbergstollens und die „Biosphärenbrücken Bliestal-Pfälzerwald“ sollen neue Anziehungspunkte werden. Zudem werden wir mehr Hotelkapazitäten schaffen und die Zusammenarbeit mit der Saarpfalztouristik intensivieren.

c) Angesichts steigender Energiepreise wollen wir Bürger gezielt unterstützen: durch neue energetische Sanierungsgebiete mit steuerlichen Vorteilen, zusätzliche Förderprogramme sowie – gemeinsam mit den Stadtwerken – ein „Alles-aus-einer-Hand“-Programm, etwa für Finanzierung und Nutzung von Wärmepumpen.

Sie arbeiten bereits in der Stadtspitze, und ein Großteil Ihrer ersten Amtszeit ist bereits vorbei. Was hätten Sie in dieser Zeit gerne erreicht, was Ihnen noch nicht gelungen ist?
Als ich die Frage bekam, wollte ich schreiben: zu verkünden, dass das Normenkontrollverfahren zum Brauereigelände beendet ist. Heute ist das keine passende Antwort mehr. Die Parteien haben eine Erledigungserklärung eingereicht, so dass es dort jetzt losgehen kann.

Ein Thema liegt aber auf der Hand: Der Baubeginn der Mediothek ist eines der Dinge, das mir noch nicht gelungen ist, wir waren kurz davor, jetzt gehen wir einen anderen Weg. Darüber hinaus ist es nicht gelungen, alle vier neuen Baugebiete fertig zu erschließen, leider ist uns das nur bei drei gelungen.

Worin unterscheiden Sie sich von Ihrer Mitbewerberin?
Ich lege großen Wert darauf, die strategischen Linien im Blick zu behalten und mich nicht im Micromanagement zu verlieren. Dabei vertraue ich bewusst auf die Kompetenz meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und setze auf eigenverantwortliches Handeln statt auf übermäßige Kontrolle.

Entscheidungen treffe ich auf Basis der vorliegenden Informationen – auch in schwierigen Situationen – zügig, reflektiert und verantwortungsbewusst. Verantwortungsübernahme heißt für mich aber auch, Ergebnisse – auch negative – mitzuverantworten und mich nicht wegzuducken.

Was ist Ihnen zudem noch wichtig?
Aus Schlechtreden ist noch nie etwas Gutes entstanden. Unsere Stadt hat seit dem Wiederaufbau viele Krisen erlebt. Doch wir haben uns nie von ihnen entmutigen lassen. Im Gegenteil: Wir haben sie als Herausforderungen verstanden – und gemeinsam Wege gefunden, sie zu bewältigen. Dieser Zusammenhalt, dieser Wille anzupacken und nicht aufzugeben, hat unsere Stadt stark gemacht. Dafür steht die große Mehrheit der Menschen in Zweibrücken.

Umso mehr macht es mir Sorgen, dass in letzter Zeit immer öfter die Stimmen derjenigen lauter werden, die alles schlechtreden. Wenn Pessimismus und Resignation überhandnehmen, verlieren wir genau das, was uns immer ausgezeichnet hat: unsere Zuversicht und unseren gemeinsamen Gestaltungswillen.

Die Stichwahl

Rund 26.000 Zweibrücker dürfen am Sonntag bestimmen, wer die Stadt die nächsten acht Jahre als Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin führen soll. Nachdem im ersten Wahlgang am 22. März kein Kandidat mehr als die Hälfte aller Stimmen bekommen hat, stehen sich am Weißen Sonntag die beiden Erstplatzierten erneut gegenüber: Marold Wosnitza (SPD) und Christina Rauch (CDU).
Im ersten Wahlgang hatte Marold Wosnitza 42,7 Prozent der Stimmen bekommen (6607 Stimmen), Christina Rauch 30,5 Prozent (4716 Stimmen). Christian Hofer (AfD, 20,7 Prozent, 3204 Stimmen) und Atilla Eren (parteilos, 6 Prozent, 931 Stimmen) schieden aus dem Rennen aus. Hofer gab danach eine Wahlempfehlung für Christina Rauch ab, Atilla Eren hat sich zum Wahlergebnis nicht mehr geäußert.
Die Wahlbeteiligung lag im ersten Wahlgang bei 60 Prozent. 15.652 von 26.093 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Am gleichen Sonntag wurde der rheinland-pfälzische Landtag gewählt. Die Wahlbeteiligung dürfte bei der Stichwahl sinken.
Rückschlüsse auf den Ausgang der Stichwahl lässt das Ergebnis des ersten Wahlgangs nicht zu. Trotz Wosnitzas Vorsprung von zwölf Prozentpunkten ist das Rennen offen.

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